Barrierefrei/-arm durch Schleswig-Holstein: Nordseeküste

Jeder einzelne Mensch, egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung, hat das Recht auf eine volle und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Oftmals gibt es im Alltag jedoch Hürden, die Menschen mit Behinderung oder (Mobilitäts-)Einschränkungen die Inklusion erschweren. Daher ist eine barrierefreie Gestaltung der Umwelt immens wichtig, um alle Menschen gleichermaßen zu berücksichtigen. Das betrifft auch den Tourismus.

In Schleswig-Holstein gibt es zum Thema Barrierefreiheit bereits gute touristische Projekte und Angebote. Diese sind essenziell für beeinträchtigte Gäste – zugutekommen sie aber allen. Die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH hat ein paar Beispiele aus dem Land zusammengetragen. In diesem weiteren Teil geht es um Barrierefrei/-arm an der Nordseeküste. Beginnen wir mit Amrum: Barrierefrei über die Insel.

Den Urlaub in einem kleinen Friesenhäuschen zu verbringen, ist zwar besonders authentisch, doch meist sind diese nicht barrierefrei. Dennoch gibt es auf Amrum eine Reihe von Ferienwohnungen, die für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gute Urlaubsquartiere sind. Sie sind in der Quartierssuche bei  www.amrum.de explizit über den Haken bei Barrierefrei zu finden.

Zudem sind unter den neuen Ferienwohnungen immer mehr barrierearme: ebenerdig, mit großen Wohnküchen, Lichtschaltern und Duschen ohne Absatz. An den Strandübergängen können Gefährte mit dicken Reifen (Strandrollis) ausgeliehen werden, und in Amrums Kino lassen sich Sessel in der besten Reihe mit wenigen Handgriffen entfernen und schaffen Platz. Die Fähre zur Insel ist barrierefrei, und einige der neu entwickelten Tagestouren haben extra ausgezeichnete barrierefreie Alternativen. www.amrum.de

Barrierefreies Strandvergnügen und Freizeitangebote auf Föhr

Auf der Nordseeinsel Föhr gibt es diverse barrierefreie Angebote. So bietet die drei Kilometer lange Strandpromenade in Wyk rollstuhlgerechte Abgänge sowie barrierefreie Promenadenzugänge. Der Strand ist in regelmäßigen Abständen mit Mattenwegen zur Hochwasserlinie ausgestattet. Und auch ein barrierefreier Wasserspielplatz befindet sich in der Nähe des Strandes.

Strandvergnügen für alle gibt es zudem in Utersum: Der Strandübergang in Utersum ist vom Parkplatz am „Haus des Gastes“ barrierefrei zu erreichen. Weiter südlich, beim Kleinen Kurmittelhaus, ist ebenfalls ein barrierefreier, noch flacherer Strandübergang, von dem aus ein Bohlenweg auf den Strand führt, allerdings nicht bis zur Hochwasserlinie. Darüber hinaus können mobilitätseingeschränkte Gäste in Nieblum und Utersum etwa spezielle Strandrollstühle gegen eine geringe Kaution ausleihen. Dank breiterer Reifen verhindern sie das Einsinken am Strand und im Watt.

Ganz neu seit diesem Sommer auf Föhr: Barrierefreie Strandkörbe für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator. In Wyk, Nieblum und Utersum befindet sich jeweils einer, gefördert von der AktivRegion Uthlande. Die Dreisitzer sind über Bohlenwege erreichbar und haben neben einer Sitzbank für zwei Personen auch einen Rollstuhlplatz, der über eine Rampe direkt befahrbar ist. Die Nutzung ist kostenfrei. 

Die barrierefreien Angebote kommen natürlich nicht nur mobilitätseingeschränkten Gästen zugute, sondern auch Familien mit Kinderwagen. Weitere Informationen zum Thema barrierefreier Urlaub auf Föhr:  www.foehr.de/barrierefreie-anreise;  www.foehr.de/barrierefreie-unterkunftwww.foehr.de/barrierefrei-am-strand

Auch barrierefreie Freizeitangebote finden sich auf der Insel, zum Beispiel bei der Nieblumer Wassersportschule. Denn hier können auch Menschen im Rollstuhl Kitesurfen, genauer gesagt Sitkiten. Hierbei sitzen die Surfenden auf einem Board mit adaptiertem Sitz, sodass dieser wie beim Kitesurfen mit dem Lenkdrachen durch die Wellen gezogen wird. Das Sitkiten wird mittlerweile weltweit praktiziert. Ein weiteres Angebot in Nieblum ist das Kitebuggyfahren, das hier nicht nur per Fuß, sondern auch per Handsteuerung möglich ist.  www.nws-foehr.de

Photo by Niklas Jeromin on Pexels.com

Wer lieber die „Föhrer Wildnis“ erkunden möchte, dem sei Barbara Pohlmann empfohlen. Sie bietet Kräuterwanderungen und Naturführungen an Strand und durch die hiesigen Salzwiesen an. Mit wenigen Tagen Vorlaufzeit erstellt sie individuelle Angebote für Menschen mit Behinderung oder besonderen Bedürfnissen. Als FÖHRgreen Partnerin gewährt sie so spannende Einblicke in die Föhrer Natur für alle.  www.foehrer-wildnis.de/natur–und-kräuterführungen

Husum: Barrierefrei ins Nordfriesland Museum

Familienfreundlichkeit und Barrierefreiheit standen beim Umbau des Nordfriesland Museums Nissenhaus vor einigen Jahren im Mittelpunkt. Alle Etagen im zentralen und größten Museum Nordfrieslands sind rollstuhlgerecht durch einen Aufzug verbunden, so dass Menschen mit Mobilitätseinschränkungen bequem alle Abteilungen erreichen können. Neben einem behindertengerechten WC verfügt das Museum über einen barrierefreien Zugang über den Parkplatz des Nissenhauses in der Ludwig-Nissen-Straße. Für blinde und hochgradig sehbehinderte Besuchende des Nordfriesland Museums gibt es auf der Webseite eine detaillierte Wegbeschreibung. Sie lässt sich dort im DAISY-Format herunterladen.  www.museumsverbund-nordfriesland.de/nordfriesland-museum/de/barrierefreiheit.php

Unbeschwerter Urlaub für alle in St. Peter-Ording

Grundsätzlich sind die Deiche und Strandabschnitte St. Peter-Ordings auch für mobilitätseingeschränkte Gäste zu erreichen, auch wenn sich vereinzelte Hindernisse durch Nässe oder Sandverwehungen nicht immer vermeiden lassen. Alle fünf Strandabschnitte sind über Fußgängerstege, Rad- und Wanderwege bzw. die Seebrücke an die Orte angebunden. An zwei Strandabschnitten gibt es vom 15. März bis 31. Oktober sogar die Möglichkeit, direkt mit dem PKW an den Strand zu fahren.

Zudem fährt der Ortsbus bei den Badestellen Süd und Böhl den Weg bis zum Strand hinunter. Darüber hinaus stellt die Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording spezielle Rollstühle mit breiten Reifen zur Verfügung, die sich optimal für Ausflüge an den Strand eignen. Die Modelle gibt es mit manuellem Antrieb, oder als elektrischen Rollstuhl, je nach Bedürfnis des Fahrenden. Sie erlauben auch Gästen mit Handicap – mit Unterstützung von Angehörigen – bequeme Aufenthalte am Strand und lassen sich bei der Tourismus-Zentrale von April bis Oktober tageweise mieten. Weitere Informationen sind erhältlich unter  www.st-peter-ording.de/duet-un-dat/mobilitaet/barrierefreiheit.

Büsum barrierearm erleben

In Büsum erleben auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen beinahe grenzenlose Möglichkeiten für einen Urlaub am und im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. So wartet das Nordsee-Heilbad neben geeigneten Unterkünften, die Menschen mit Einschränkungen gerecht werden, mit diversen barrierearmen oder gar –freien Angeboten auf. Schlendern und Shoppen für alle ist in Büsum problemlos möglich, denn die Fußgängerzone ist eben und breit gestaltet.

Die meisten Geschäfte, Cafés und Restaurants sind für Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren sowie für Gäste mit Gehhilfen erreichbar. Vom Museumshafen aus laden die Ausflugsschiffe zu einer gemütlichen Fahrt auf die Nordsee ein – alles barrierearm. Für die Landratten bietet sich ein Spaziergang in Begleitung der Möwen am Hafenkai an. Hinter dem Leuchtturm geht es von hier aus dann übrigens barrierefrei über den Deich bis an die Nordsee.

Und auch das Watt’n Hus – Freizeit und Informationszentrum in Büsum ist barrierefrei und erhielt vom Sozialverband Deutschland (SoVD), Landesverband Schleswig-Holstein, das „Gütesiegel für ein besonderes Engagement für die Teilhabe von behinderten und älteren Menschen in der Gesellschaft“. So gibt es Schiebetüren am Haupteingang, einen Fahrstuhl mit Braille-Tasten für Menschen mit Seheinschränkungen, eine barrierefrei erreichbare Tourist-Info, Veranstaltungsräume, Spielmöglichkeiten sowie behindertengerechte WCs.

In der 2. Etage befindet sich unter anderem der barrierefreie Zugang zum Deich sowie zur Gastronomie. Das Gebäude lässt sich von außen zudem mit einer Rampe umfahren – der Weg auf den Deich ist somit zu jeder Zeit möglich. Rampen führen auf ganzer Deichlänge auf die Promenade, die zum Flanieren breit ist und von dort hinunter an die Wasserkante. Rampen von der unteren Promenade führen ans Wasser und ins Watt.

Dank entsprechender Rollstühle können auch Gäste mit Mobilitätseinschränkungen in Büsum Badevergnügen und Watterkundungen genießen. Bänke in ergonomisch vorteilhafter Form ermöglichen mittels Armlehnen den Umstieg. Neben den bekannten Strandkörben finden sich an der Büsumer Wasserkante auch besonders breite Strandkörbe im XXL-Format.

Außerdem sogenannte barrierefreie Strandkörbe, die neben einem Sitzplatz einen durch eine Rampe zugänglichen und windgeschützten, barrierefreien Platz für Rollstuhl (oder Kinderwagen) bieten. Die Watt-Tribüne befindet sich am Hauptstrand direkt beim Watt’n Hus und wird besonders im Sommer regelmäßig für Veranstaltungen genutzt.

Hier wurde darauf geachtet, dass die Fläche ein möglichst geringes Gefälle aufweist und eben ist. Bei den zahlreichen Events können daher alle Menschen teilnehmen und gemeinsam feiern. Für Personen mit Seheinschränkungen gibt es taktile Karten an den Deichaufgängen und die Treppengeländer sind mit Braille-Schrift gekennzeichnet. www.buesum.de/service/nachhaltigkeit/barrierearmer-urlaub

Weitere Informationen zum Barrierefreien Reisen sowie zum Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ finden sich unter: www.sh-tourismus.de/barrierefreies-reisen.

Beitragsbild: Eine Rollstuhlfahrerin genießt den Aufenthalt in Büsum, der dank vieler barrierearmen/-freien Angebote für alle Zielgruppen möglich ist. © TMS Büsum GmbH

Text Quelle: Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH (TA.SH). 

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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