Husum: Weihnachtsstadt an Schleswig-Holsteins Nordseeküste

Zwischen Tine, Tide und Theo: Die Advents- und Weihnachtszeit spielt sich in der Nordsee-Stadt Husum rund um den Marktplatz mit dem Tine-Brunnen und den (Tide-)Hafen ab. Und auch Husums berühmtester Sohn, der Dichter Theodor Storm, ist in dieser Zeit besonders präsent.

„Von drauß‘ vom Walde komm ich her…“ Jeder kennt die Worte, die Theodor Storm, bekanntester Sohn Husums und bekennender Weihnachts-Fan, in seinem berühmten Gedicht „Knecht Ruprecht“ niedergeschrieben hat. Er würde sich auf die kommenden Wochen in der Nordsee-Stadt freuen.

Beleuchtete Tannenbäume säumen den Hafen, die Gassen und Geschäfte sind festlich geschmückt und stimmungsvoll beleuchtet, rund um den Tine-Brunnen lädt der gemütliche Weihnachtsmarkt Groß und Klein ein. In die frische Nordsee-Brise mischen sich winterliche Gerüche von frischen Waffeln, Futjes und Glühwein.

Wer es deftiger mag, bleibt beim Fischbrötchen oder stärkt sich mit Grünkohl. Als Stadt der kurzen Wege verspricht Husum einen entspannten Weihnachtsbummel – ohne Hektik, ohne Gedränge, ohne Parkplatzsuche. In den persönlich geführten Geschäften mit ihren individuellen Services findet jeder etwas:

Charmantes zum Verschenken, Praktisches für den Alltag und Dekoratives für Zuhause. Auf Stadtführungen oder Rundgängen mit dem Nachtwächter lernt man die Sehenswürdigkeiten kennen und erfährt Interessantes zur Geschichte Husums (Buchungen zum Wunsch-Termin möglich: Tel. 04841 89870, info@husum-tourismus.de).

Weihnachtsstimmung verbreitet auch die private Sammlung, die im Husumer Weihnachtshaus zu sehen ist. Hier kann man in die Geschichte des Festes eintauchen und erfährt Interessantes über Adventskalender und kunstvolle Dekorationen.

Die aktuelle Sonderausstellung „Wenn der Christbaum Mode trägt“ zeigt Baumschmuck im Wandel der Zeit und der historische Laden bietet Besonderheiten und Raritäten aus kleinen Manufakturen für den eigenen Weihnachtsbaum zum Kauf.

Die Lage Husums am UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer zeigt sich auch in den Sammlungen und Ausstellungen der verschiedenen Museen der Hafenstadt. Neben Küstenschutz, Deichbau und Schifffahrt werden auch nordfriesische Wohnkultur und Tradition auf spannende und familiengerechte Weise beleuchtet.

Ein Besuch an Theodor Storms Schreibtisch – und in der Adventszeit an seinem geschmückten Weihnachtsbaum – sowie im einzigen Schloss an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins, dem Schloss vor Husum, dürfen natürlich nicht fehlen.

Der Winter an der Nordsee lässt sich am besten auf langen Spaziergängen vor, auf und hinter dem Deich genießen. Mit einer frischen Brise um die Ohren und salzigem Geschmack auf der Zunge verschwimmt die Grenze zwischen Meer und Himmel am Horizont.

In den malerischen Dörfern der Husumer Bucht stehen reetgedeckte Häuser neben markanten Kirchen, der bekannte Rote Haubarg in Witzwort und das Herrenhaus Hoyerswort in Oldenswort bieten reizvolle Zwischenstopps. Zum Aufwärmen laden gemütliche Cafés und regionaltypische Restaurants.

Beitrags-Foto: Der Hafen der Nordsee-Stadt Husum im Winter (c) Foto Oliver Franke / husum-tourismus.de

Foto: Weihnachtsmarkt rund um den Husumer Tine-Brunnen (c) Foto Oliver Franke / husum-tourismus.de

Nordstrand: 100 Jahre Rungholtforschung mit Jubiliäum 100+1 im Jahre 2022

Der Heimatforscher Andreas Busch ist am Pfingstmontag im Mai 1921 erstmals zu einer Fahrt von Nordstrand nach Südfall aufgebrochen.  Mit Pferd und Wagen und in Begleitung seiner Familie und des Journalisten Felix Schmeißer wollte er nach den Spuren des alten Hafenortes suchen, der in den Fluten der „ersten Mandränke“ (1362) untergegangen ist.

Dieser Fahrt von Andreas Busch sollten dann durch ihn in den nächsten 50 Jahren noch viele weitere Begehungen des Gebietes erfolgen, um mit Kompass, Maßband, Skizzenblock und Fotoapparat Kulturspuren im Watt, alte Warften, Brunnenreste und Schleusenartefakte dazu zu bringen, ihre Geschichte zu erzählen.

Diese Exkursion im Mai 1921 gilt als der Beginn der wissenschaftlichen Erforschung des Rungholtthemas und hat heute über die Landesgrenzen hinaus ein deutschlandweites Interesse wachgerufen.

Der Nordstrander Heimatverein hat die Federführung bei der Gestaltung der Jubiläumsfeierlichkeiten zu diesem Anlass übernommen. Das  Festprogramm wurde vom Veranstalter aufgrund der Corona-Pandemie um ein Jahr auf das Jahr 2022 verschoben, dass dann unter  Rungholtjubiläum „100+1“ begangen wird.

Weitere Informationen: www.heimatverein-nordstrand.de und www.nordstrand.de

Übrigens: Busch ging von 1890 bis 1899 auf die Nordstrander Volksschule, die anfangs einklassig, danach zweiklassig geführt wurde. Bereits während dieser Zeit erstellte er gerne Landkarten. Seine mangelnde Schulbildung verwehrte ihm jedoch, den Berufswunsch des Landmessers auszuüben. Stattdessen arbeitete er als Landwirt.

Bei der Würdigung seines Schaffens ist zu berücksichtigen, dass seine Schulbildung gering war. 1963 erhielt er die Universitätsmedaille der Universität Kiel.

Foto: Ein Modell des Ortes Rungholt (C) Inselarchiv Nordstrand

Beitragsfoto: Der Gedenkstein zu Andreas Busch (C) Inselarchiv Nordstrand

Schöne Wandertouren an der Nordsee Schleswig-Holstein: Wandern auf Hallig Langeneß

Es ist eine schöne Statistik*: Im Jahr 2020 gingen rund 1,83 Millionen Personen im Alter von 14 bis 19 Jahren häufig oder ab und zu Wandern. Insgesamt gingen in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre rund 38,84 Millionen Personen in ihrer Freizeit häufig oder ab und zu Wandern.

Hier ein paar Wandertipps für die Nordsee: Wandern auf Hallig Langeneß

Auf der Hallig Langeneß wartet ein ganz besonderes Erlebnis auf Sie. Hier können Sie direkt auf Höhe des Meeresspiegels, inmitten des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer die einmalig schöne Weite des UNESCO-Biosphärengebietes der Halligen erleben.

Verlaufen können Sie sich nicht – aber mit den Augen schier endlos den Horizont bereisen.

Reih um liegen die nordfriesischen Inseln und Halligen. Bei gutem Wetter ist sogar der Leuchtturm von Hörnum auszumachen. Festes Schuhwerk, Fernglas und eine Kamera reichen als Ausrüstung, um der besonderen Melodie der Meeres und der hiesigen Vogelwelt zu lauschen.

Die Tour entlang der Halligkante finden Sie in der Sammlung Expedition Uthlande https://www.ihko.de/index.php?id=95&L=1%2527A%253D0

oder auch auf Outdooractive https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/langeness/expedition-uthlande-langeness-von-halligstorch-bis-halligflieder/45161425/#dm=1

www.langeness.de und www.halligen.de

*Quelle: Statistika

Foto: Hallig Langeneß 1 (C) Alina Ciesielski

Wahre Sehnsuchtsorte: Friedrichskoog, Trischendamm & Seehundstation

Es gibt sie noch – die Orte, an die man so gerne zurückkehrt! Entlang der Nordseeküste von Schleswig-Holstein gibt es diese versteckten, vielleicht noch unbekannten oder gar belebten Orte, die keiner vergisst, weil die Erinnerungen an den Besuch einen nicht mehr loslassen- wahre Sehnsuchtsorte… hier ein Tipp: Friedrichskoog

Der kleine Ort Friedrichskoog an der Nordsee ist zwar nicht sonderlich groß, hat aber trotzdem so einiges für Ruhesuchende und Naturliebhaber zu bieten. Ein Ort, den in Friedrichskoog jeder einmal besucht haben sollte, ist der Trischendamm. (im Bild)

Der Damm wurde 1935/36 gebaut, um das Land vor der heranströmenden Strömung zu schützen. Ein Besuch lohnst sich, bietet der Trischendamm docj Besuchern die Gelegenheit für einen einzigartigen Spaziergang. Urlauber können auf dem Trischendamm ganz entspannt 2,2 Kilometer ins Wattenmeer hinauslaufen; an Salzwiesen entlang und umgeben von der salzigen Meeresluft läuft man dem Meer entgegen. Am Ende des Trischendamms genießt man den wunderbaren Ausblick auf das Wattenmeer. www.friedrichskoog.de

Seehundstation Friedrichskoog

Um den Tag an der Nordsee perfekt zu machen, sollte ein Besuch in der Seehundstation nicht fehlen. Die Seehundstation in Friedrichskoog ist die einzige autorisierte Aufnahmestelle für Seehunde und Robben in Schleswig-Holstein.

Für alle die diese besonderen Tiere gerne aus der Nähe betrachten möchten und allerhand über die Meeresbewohner lernen wollen, ist die Seehundstation das ideale Ausflugsziel. Hier kann man sich eine Pause vom Alltag gönnen und eine andere Welt kennenlernen. Weitere Infos: https://www.seehundstation-friedrichskoog.de

Foto: Hmwpriv – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=87289305

DIE STILLEN ECKEN DER NORDSEE MIT GESCHICHTE:  Hoch oben in Nordfriesland im Rickelsbüller Koog

Es gibt sie noch – die Orte, an die man so gerne zurückkehrt! Entlang der Nordseeküste von Schleswig-Holstein gibt es diese versteckten, vielleicht noch unbekannten oder gar belebten Orte, die keiner vergisst, weil die Erinnerungen an den Besuch einen nicht mehr loslassen- wahre Sehnsuchtsorte, … hier ein Tipp:

Hoch oben in Nordfriesland im Rickelsbüller Koog

Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, die Landgewinnung. Einsame Wege im flachen Land und Bauernhöfe stehen auf Warften in der Weite eines endlosen Meeres grüner Wiesen und Weiden. Ein Meer waren Teile dieser Gegend tatsächlich, seit Jahrhunderten schützen sich die Leute vor der Nordsee; rangen die Menschen dem Meer Boden

ab und machten ihn urbar, sicherten damalige Inseln in einer amphibischen Welt. Wer mit dem Rad an der Küste Nordfrieslands unterwegs ist, passiert manchmal alte Deiche im Hinterland, Geschichtslinien, und radelt vorbei an „Halligen“, die nicht mehr im Meer liegen.

Es ist eine karge Landschaft unter dem Wind, doch eine voll intensiver Schönheit und Sinneseindrücke gerade im Herbst. Lange stand es unentschieden zwischen Land und Meer. Manche Höfe tragen den Begriff „Hallig“ nicht nur im Namen, es waren einst sichere Eilande in einer Welt, die nicht mehr Land war und noch nicht Meer. Alle Wege nach Westen enden am Meer, die Deiche werden jünger und höher.

Eine schöne Radroute führt zum Beispiel zum Rickelsbüller Koog. Dieses Gebiet, unmittelbar südlich der Grenze zu Dänemark, ist eines der letzten an der Nordsee, das eingedeicht wurde, das Projekt wurde Anfang der 1980er Jahre fertiggestellt.

Das alte Rickelsbüll ging im Jahre 1615 in einer Orkanflut unter, so wie andere Siedlungen auch. Statt Glockengeläut des alten Kirchspiels die Rufe der Vögel. Längst ist auf dem Weg nach Westen an dieser Stelle aus Feld und Flur eine amphibische Welt geworden – Wasser, Schilf, Inseln; ein Refugium für Vögel.

Goldregenpfeifer rasten hier zum Beispiel und wenn sie zu tausenden am Boden stehen, schimmert es wie Gold. Spektakulär ist das Luft-Ballett der Alpenstrandläufer; wenn sie in wilden Formationen durch Luft tanzen. Man sagt, dass mit jeder Generation eine Deichlinie weiter westwärts rückte.

Und die Leute nannten es Koog, was sie an Land gewannen. Ein alter Deich führt zur Kirche von Alt-Horsbüll, auch sie liegt auf einer Warft. Die Blätter der Silberpappeln flirren im Licht und die Nordsee ist längst zu spüren.

Auch die Kirche von Fahretoft steht trutzig auf ihrer Warft. Vor Jahrhunderten kein sicheres Land, stattdessen legten Schiffe an. Die Kirche von Fahretoft steht umgeben von mächtigen Pappeln und Eschen und wacht über weites Land. Das einst ein Meer war. Und nun sicher hinter dem letzten, neuesten Deich liegt.

Erweiterte Informationen über den Koog:

Der Bau des Rickelsbüller Koogs begann 1979, die Einweihung erfolgte 1981. Er ist nach dem in der Großen Schadensflut am 1. Dezember 1615 untergegangenen Dorf Rickelsbüll benannt, dessen Überreste sich unter dem Deich zwischen dem Wiedingharder Neuen Koog und dem Rickelsbüller Koog befinden. 1982 wurde der Koog zum Naturschutzgebiet erklärt.

Am 10. Dezember 1997 wurde ein Infopavillon eröffnet, der sowohl in Deutsch als auch in Dänisch über die anzutreffenden Vogelarten informiert.

Beitragsfoto: Rickelsbüller Koog von oben. Bildautor: Ra Boe / Wikipedia, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19426760

Die stillen Ecken der Nordsee mit Geschichte: Auf Spurensuche im Sylter Osten

Es gibt sie noch – die Orte, an die man so gerne zurückkehrt! Entlang der Nordseeküste von Schleswig-Holstein gibt es diese versteckten, vielleicht noch unbekannten oder gar belebten Orte, die keiner vergisst, weil die Erinnerungen an den Besuch einen nicht mehr loslassen- wahre Sehnsuchtsorte, … hier ein Tipp:

Auf Spurensuche im Sylter Osten

Vor 1000 Jahren, die Wikinger. Wind zupft an den letzten Rosenblüten und weht in Wellen über das Gras, Beeren prangen saftig und sommersatt an den Büschen. Die Schritte schlagen in den Sand und der Weg führt vorbei an der Heide in die Einsamkeit, im Sylter Osten ist es still.

Auf drei Seiten glitzert das Wattenmeer und in der Ferne klingen die Glocken von Morsum. Der Pfad verliert sich nach links, nach rechts und der Blick schweift über das Hügelige. In der gefällig gewellten Landschaft fallen kleine Kuppen auf, kaum mehr als einen guten Meter hoch – Grabhügel.

Und diese Gegend haben sich Archäologen genauer angesehen – denn der Sylter Osten ist eine der schönsten bronze- und wikingerzeitlichen Sakrallandschaften Deutschlands. Nachdem im Jahre 2015 ein Schatz offenbart wurde, ein Landwirt hatte den schon Jahrzehnte zuvor bei Morsum entdeckt, rückten die Altertumsforscher an und keine Viertelstunde später schrillten die Detektoren:

nach und nach kam ein spektakulärer Silberschatz zusammen – Münzen, Barren, Schmuck. Tausend Jahre alt und von den Wikingern vergraben, es ist ein überaus bedeutender Fund.

Auf Sylt traf sich schon damals die High-Society, denn der Schmuck – teils aufwendig mit Mustern tierähnlicher Wesen verziert – war ein beachtliches Kapital, Wikinger-Oberschicht. Dann verschwanden die Wikinger im Dunkel der Zeit und es wurde wieder still im Sylter Osten, Jahrhundert um Jahrhundert legte sich über die Gräber.

An diesem Abend ist es einsam und ruhig, kaum jemand ist noch unterwegs in dieser wildromantischen, nordisch-herben Landschaft und das tiefstehende Licht setzt Akzente, wird golden und warm. Brombeere und Schlehe leuchten, man nascht am Strauch.

Und blickt dabei auf das weite Wattenmeer und denkt an Wikinger-Fürsten und Leute aus der Bronzezeit, die hier ihre Toten bestatteten. Noch früher taten dies auf Sylt die Menschen in der Steinzeit und vor Archsum ging nicht nur ein Steingrab in der Zeit verloren, sondern auch in der Nordsee unter.

Der Weg führt hinunter an die Wasserkante und vorbei am Morsum Kliff: in Farben von Ocker und Rost, in creme und weiß, ragt die Steilküste auf wie Mauern und Zinnen einer Burg in der Phantasie. Wer allein unterwegs ist, wandelt auf traumhaft-leerer Bühne, fühlt sich ein wenig entrückt und wie aus der Zeit gefallen.

Bald geht es hinauf nach „Klein-Afrika“, so heißt ein fast wüstenhaftes Gebiet, und der Sand weht knisternd. Herüber vom Gräberfeld, wie von einer Insel in der Zeit. Was ist schon ein Jahrtausend in ewiger Ruhe an diesem schönen, stillen Ort.

Erweiterte Infos über Sylt-Ost:

Der Osten der Insel bildete bis zum Zusammenschluss mit Westerland 2009 kommunalpolitisch die Großgemeinde Sylt-Ost mit rund 5500 Einwohnern. Sie war ein Zusammenschluss der zuvor selbstständigen Dörfer der so genannten Nössehalbinsel: Tinnum, Archsum, Morsum mit Keitum (einschl. Munkmarsch) als Verwaltungsmittelpunkt.

Die Weiden der Marsch prägen bis heute das Landschaftsbild und boten über viele Jahrhunderte die Grundlage für den Broterwerb in diesen Dörfern. Die Siedlungsgrenzen von Tinnum gehen mittlerweile fast unmerklich in das Siedlungsgebiet von Westerland über und so profitiert Tinnum von der unmittelbaren Nähe zur Inselmetropole.

Die Tinnumburg (siehe Beitragsfoto oben), südwestlich des Ortes gelegen, ist ein kreisförmiger Wall mit einem Durchmesser von 120 Metern und einer Höhe von 8 Metern. Sie wurde etwa im 1. Jahrhundert v. Chr. errichtet, vermutlich als heidnische Kultstätteoder Wehranlage gegen Angriffe von Mensch und Meer.

Vor der Marscheindeichung 1938 ragte die Burg bei Sturmfluten inselartig aus dem Wasser. Die Burg hatte mindestens zwei Tore (im Osten und Süden). Vielleicht hatte sie ein drittes Tor im Westen, das auf ein kleines, am Döplem gelegenes Plateau führte.

Grabungen in den Jahren 1870, 1948 und 1976 erbrachten den Beweis, dass die Tinnumburg zu den in der frühen römischen Kaiserzeit errichteten Rundwällen auf den nordfriesischen Inseln gehörte. Die Grabungsergebnisse ergaben, dass es sich hierbei um eine germanischeKultstätte handelte.

Sie wurde, nachdem sie eine Zeit lang brach lag und vermoorte, erneut im 8. bis 10. Jahrhundert benutzt. Die Innenbebauung bestand aus Sodenwandhäusern. Aus dieser Zeit stammt auch der heute sichtbare Wall, der über dem Wall aus der Zeit um Christi Geburt errichtet wurde.

Die gleich alte Lembecksburg auf Föhr brachte Vergleichsfunde zur Tinnumburg.

Bildautor: Holger Weinandt – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6778497

Die stillen Ecken der Nordsee mit Geschichte: Steinbeile auf Amrum

Wer sich abseits der bekannten Gästeströme auf Entdeckungsreise begibt, der kann sie entdecken, die stillen und manchmal unscheinbaren Schönheiten voller Historie an der Nordsee Schleswig-Holstein, hier ein Beispiel:

Steinbeile auf Amrum

Vor 6000 Jahren bis Christi Geburt. Was hat es mit dem durchbohrten Schädel auf sich? Der Weg führt durch den Wald, in Höhe des Ortes Nebel auf Amrum stehen ausgedehnte Kiefernbestände und noch immer liegt das Aroma von Harz in der Luft.

Es ist ein Weg in die Einsamkeit und einer, der in die dunkle Vorzeit führt. Er endet am Teich der Vogelkoje, dem Ort, wo sie einst Enten fingen. Der Wald weicht und die Landschaft öffnet sich, mächtige Dünen bauen sich auf.

Das Tal ist breit und offen, doch Sand ist überall – er weht und prickelt und knirscht. Und aufzuhalten ist er nicht. In einem freien Areal steht ein Haus, das in seiner absoluten Ursprünglichkeit wie verwachsen mit der Landschaft scheint.

In der Tat sind die Originalhäuser an dieser Stelle im Sand versunken, dies ist der Nachbau eines eisenzeitlichen Wohn- und Stallhauses. Um Christi Geburt stand hier eine kleine Siedlung, bis sie von den Wanderdünen verschluckt wurden. Ohnehin:

Die Gegend sah damals ganz anders aus – ohne Dünen (die kamen erst im Mittelalter), mit ausgedehnten Wäldern (Baumstuppen finden sich bei tiefster Ebbe manchmal im Watt) und Mooren. Denn der Meeresspiegel lag deutlich tiefer als heute. Dann kam das Meer so unaufhaltsam wie der Sand und vieles ging unter.

Die Zeitreise geht hier noch weiter zurück, auf 4000 bis 6000 Jahre vor Heute: Folgt man dem Pfad weiter Richtung Meer, trifft man auf sonderbare Steinsetzungen – es sind Grabkammern. Schon in der Steinzeit waren hier Leute unterwegs.

Und die bohrten offenbar Löcher in die Köpfe ihrer Zeitgenossen, wohl zu medizinischen Zwecken, das belegen die Schädelfunde. Zudem fanden die Forscher Steinbeile und Bernsteinkugeln. Längst hat der Sand damit begonnen, wieder zu begraben und was unter der gewaltigen Dünenlandschaft, die sich hier ausbreitet, verborgen liegt, weiß kein Mensch.

Es bleibt ein Geheimnis dieses Landes am Meer. Der Pfad führt durch die Dünen, es schmeckt nach Staub und riecht nach Meer, das bald mächtig vor dem Horizont liegt. Am Ende dieser Wege in die Einsamkeit.

Foto: Das eisenzeitliche Haus auf Amrum (C) Kai Quedens

St. Peter-Ording historisch: Vom Armenhaus zum Badeparadies

Die Ortsgeschichte von St. Peter-Ording: Vom Armenhaus zum BadeparadiesDer Weg St. Peter-Ordings zum beliebten Urlaubsort. Wer heute nach St. Peter-Ording reist, entdeckt einen Urlaubsort, der seinen Gästen sehr viele Wünsche erfüllt: Fröhliches Strandleben, vielseitige Trend- und Wassersportangebote, Unterkünfte für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel, ein breites kulinarisches Angebot, Shopping-Möglichkeiten und abwechslungsreiche Veranstaltungen.

Nicht zuletzt aber auch traumhafte Nordsee-Natur, weite Sandbänke und frische Meeresbrise. Die natürlichen Gegebenheiten, der Sand und die Luft waren die Voraussetzungen, damit sich St. Peter-Ording in seiner heutigen Form entwickeln konnte. Doch es brauchte viel Zeit. Lange machte die Natur den Menschen das Leben schwer und erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen einige Pioniere, Wege aus dem kargen Leben zu suchen.

Am Anfang standen Wasser, Sand und zerrissenes Marschland

Erstmals urkundlich erwähnt wurde St. Peter 1373, wenige Jahre nach der „großen Mandränke“, einer Sturmflut, die1362 z.B. dem nahe gelegenen mittelalterlichen Handelsplatz Rungholt den Untergang brachte. Die Sturmflut führte auch dazu, dass der Rand des verbliebenen Festlands in drei Inseln zerriss, die Dreilande.

Über Jahrhunderte wuchsen sie zusammen, um die heutige Halbinsel Eiderstedt zu bilden. Auf einer der damaligen Inseln, der Harde Utholm, liegen die Wurzeln St. Peter-Ordings. Bewohnt war das Gebiet zu jener Zeit allerdings schon seit ca. 600 Jahren, ab dem 7./8. Jahrhundert siedelten sich auf den Inseln immer wieder Friesen an.

Im 11./12. Jahrhundert brachten sie das Christentum in die Region, vier Jahrhunderte später die Reformation. Zeugnisse davon sind bis heute die 18 Kirchen auf Eiderstedt, darunter die rund 800 Jahre alte Kirche St. Peter im Ortsteil Dorf.

Anfang des 16. Jahrhunderts lebten in St. Peter und Ording rund 1000 Menschen. Wer fruchtbares Marschland im Landesinneren besaß, hatte Glück. Heideland und das Land nahe der Küste, dem durch beständigen Wind stets die Versandung drohte, boten jedoch kaum Erträge.

Erst Jahrhunderte später kam man auf den Gedanken, zum Schutz gegen Windflug Bäume zu pflanzen. So aber verdingte sich ungefähr ein Drittel der Menschen als Tagelöhner, ohne dass es ausreichend Arbeit gegeben hätte. Fischfang als Zubrot und für den Eigenbedarf sicherte das ärmliche Leben. An diesen Verhältnissen änderte sich bis ins 19. Jahrhundert hinein kaum etwas.

Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Gäste

Als gegen Ende des 19. Jahrhundert zunächst die erste Unterkunft in Ording und wenig später das Strandhotel als erster Logierbetrieb mit Verpflegung in den Dünen zwischen Ording und St. Peter entstand, war dies ein kleiner, von Rückschlägen begleiteter Anfang des Fremdenverkehrs.

Es brauchte Wagemut und Kapital, im Sand nahe der Nordsee – zumal in einer nur mit Pferdekutschen erreichbaren Gegend – auf das Erholungsbedürfnis der Großstädter aus Hamburg zu setzen. Dennoch folgten wenig später das Hotel Wilhelminenhöhe am Standort der DÜNEN-THERME, das Hotel Stadt Hamburg, heute durch das Haus Loreley ersetzt, das Hotel Sanct Peter am Ort des heutigen ambassador hotel & spa, das Hotel Germania, wo das gleichnamige Appartementhaus steht und das Hotel Seeburg.

Zu jener Zeit zählte man rund 500 Gäste pro Jahr. Nach der Jahrhundertwende entstanden in den Dünen weitere Unterkünfte, Villen und Erholungsheime. Am Strand bot der erste Pfahlbau, die so genannte Gift-

bude, Erfrischungen an. Ab 1929 wurde die Badallee in Richtung St. Peter mit Ziegelsteinen befestigt, 1932 folgte der Anschluss des Ortes an die Bahn. Zwei Weltkriege und die von Flüchtlingsunterbringung bestimmte Nachkriegszeit ließen die Weiterentwicklung immer wieder stocken.

Doch von den 1950er Jahren an entwickelte sich St. Peter-Bad und ab 1967 die Gesamtgemeinde St. Peter-Ording mit Ording, St. Peter-Bad, St. Peter-Dorf und Böhl beständig zum Kur- und Urlaubsort weiter.

Eine ungewöhnliche Entdeckung brachte 1957 den Durchbruch

Nachdem die heilsame Wirkung von Meerwasser, Schlick und Seeluft schon früh zur Ansiedlung von Erholungsheimen und Kurkliniken geführt hatte, brachte das Jahr 1957 eine Sensation und den Durchbruch für St. Peter-Ording als Ort der Erholung, Genesung und Gesundheitsförderung:

Bei den vorbereitenden Arbeiten für den Bau des Kurmittelhauses wurde auf dem Gelände der heutigen DÜNEN-THERME eine Schwefelsole-Quelle von höchster Qualität entdeckt – ein Schwefel- sowie besonders Jod- und Magnesium-haltiges Heilwasser.

Es wird seither zur Behandlung von Hauterkrankungen, rheumatischen Erkrankungen sowie entzündlichen Vorgängen genutzt und führte zur Zertifizierung St. Peter-Ordings als Nordseeheil- und Schwefelbad. Die Zertifizierung gab der Bedeutung als Kurort weiteren Auftrieb.

Denn auf der Basis der drei ortsgebundenen Heilmittel Schwefel-sole, Schlick und Meerwasser bietet St. Peter-Ording bis heute in der DÜNEN-THERME zahlreiche therapeutische Behandlungen an.

St. Peter-Ording investiert und erneuert kontinuierlich

Begleitet vom Bau des Kurmittelhauses und des ersten Meerwasserwellenbads (1968) entwickelte sich St. Peter-Ording schnell zu einem der führenden Kurorte in Deutschland. Vorhandene Kliniken wurden ausgebaut, weitere Kurkliniken entstanden.

In den 1960er und 1970er Jahren wichen die Pionierbauten Strandhotel, Hotel Germania und Sanct Peter Hotel modernen Neubauten, von letzterem blieben Haus Martje Flors und Haus Fernsicht bis heute erhalten. Auch das Hotel Seeburg existiert noch in der ursprünglichen Form.

Wie vielen Kurorten setzten die Gesundheitsreformen der 1990er Jahre dem beständigen Aufschwung in St. Peter-Ording zunächst zu. Mit kontinuierlichen Investitionen gelang es dem Ort jedoch, am Puls der Urlauberwünsche zu bleiben:

Besondere Meilensteine waren die Erweiterung und Modernisierung des Meerwasserwellenbads zum Freizeit- und Erlebnisbad DÜNEN-THERME mit Neubau der Saunalandschaft 1997/98, die Eröffnung des Gesundheits- und Wellness-Zentrums in der DÜNEN-THERME sowie die Verlängerung der Seebrücke 2005, die

Neugestaltung der Buhne und der Erlebnis-Promenade mit DÜNEN-HUS 2008, die nochmalige Erneuerung der DÜNEN-THERME 2014 und der Bau der neuen Natur-Erlebnis-Promenade 2020/21.

Während dieser Zeit entstanden auch zahlreiche neue Unterkünfte, darunter moderne Hotels. Einer der Haupttrümpfe St. Peter-Ordings jedoch bleibt das, was von Anfang an da war: die unverwechselbare Nordseenatur mit Watt, Strand und Meeresbrise.

Informationen zu Urlaubserlebnissen in St. Peter-Ording sind auf der Website www.st-peter-ording.dezu finden. Dort steht eine große Auswahl an Quartieren, von modernen Lifestyle-Hotels in mehreren Kategorien über das Fünf-Sterne-Haus oder kleinere familiengeführte Hotels und Pensionen bis zu komfortablen Ferienwohnungen, zur Online-Buchung bereit.

Zusätzlich bieten die Mitarbeiter*innen der Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording in den Tourist-Infos persönliche Beratung zu Gastgebern und Unterkünften sowie zur Region. Sie sind Montag bis Freitag von 9.00 bis 17.00 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10.00 bis 16.00 Uhr telefonisch unter 04863 / 999-0 sowie per E-Mail unter buchung@tz-spo.de erreichbar.

Zahlreiche Ideen und Impulse für die Reise nach St. Peter-Ording geben auch Facebook (facebook.com/stpeterording/), Instagram (instagram.com/stpeterording/) und der Podcast Deichmomente (www.spo-eiderstedt.de/eiderstedt/podcast-deichmomente).

Bildquellen:

Beitragsfoto: Bild von früher, Familie im Strandkorb in St. Peter-Ording, Foto ©Kulturtreff St. Peter-Ording e.V.

Hotel Germania, früheres Hotel in St. Peter-Ording, Foto ©Kulturtreff St. Peter-Ording e.V.

SAGEN UND LEGENDEN in Schleswig-Holstein: Herrenhaus Hoyerswort & der Tanz mit dem Teufel

Das Herrenhaus Hoyerswort ist das einzige ehemalige Herrenhaus der Landschaft Eiderstedt. Der zweiflügelige Bau der Renaissance mit einem Treppenturm ist von einem doppelten Wassergraben umgeben.

Das Herrenhaus steht etwa eineinhalb Kilometer südlich des Kirchorts Oldenswort im schleswig-holsteinischen Kreis Nordfriesland, einer Gemeinde des Amtes Eiderstedt.

Das Herrenhaus steht auf einer wohl schon zur römischen Kaiserzeit bewohnten Warft (auch Warf, Werfte, Worth, Wurt, Wurth, Wierde oder Terp). Erbauer des Hauses war der Staller (Amtmann) Caspar Hoyer (1540–1594). Sein Vater, Lange Harm Hoyer, diente dem Herzog von Schleswig-Holstein und späteren dänischen König Friedrich I. als Heerführer.

1513 wurde er geadelt und erhielt Friedrichs uneheliche Tochter Catharina (1491–1534) zur Frau. Als diese starb, heiratete er 1535 Maria Knutzen (~1515–1560), die Tochter einer anderen unehelichen Tochter Friedrichs.

Aus dieser zweiten Ehe stammt Caspar Hoyer. Dieser war seit 1563 Rat des Herzogs Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf. Bereits ein Jahr später erhielt er 200 ha Land sowie das Grundstück geschenkt, auf dem er später das Herrenhauses errichten ließ. 1587 wurden Hoyersworth alle Rechte eines Ritterguts verliehen. Quelle

Und um dieses Rittergut, der Hoyersworth, rankt sich eine Sage, die es nun hier zu erzählen gibt:

Ein junges Mädchen auf Eiderstedt tanzte vor langer Zeit so gern. Auch wenn der Teufel sie zum Tanzen auffordern sollte – ausschlagen täte sie es selbst ihm nicht. Und so soll es sich vor langer Zeit zugetragen haben:

Im Herrenhaus Hoyerswort auf Eiderstedt ist ein Fest und plötzlich tritt ein Fremder ein. Er fordert das Mädchen auf, das doch nie einen Tanz ausschlug und selbst mit dem Teufel tanzen würde.

Klar ist, wer der Fremde ist und wie das Ganze ausgeht. Sie tanzen bis das Mädchen tot ist und ihm Blut aus dem Mund fließt, die Wand des Festsaals ist nun beschmutzt und für immer ein mahnendes Mal. Für immer?

Alfred Jordy ist heute Hausherr auf Eiderstedt und er weiß, hinter welchem Wandbehang ein Fleck zu sehen ist. Immer noch und scheinbar unauslöschlich. Denn die Geschichte geht weiter. Jordy:

Jede Nacht, Punkt Mitternacht, steigt das Mädchen aus dem Grab und geht in den Tanzsaal. Dort bricht die Musik los und jeden, der zufällig im Saal ist, fordert sie zum Tanz auf.

Tue dies ein Christ, so raunen es manche Leute, sei das Mädchen erlöst. Getraut aber habe sich das bislang noch niemand.

Die Nacht auf Hoyerswort ist inzwischen mondhell und die leisen Töne von Violinen wehen über den Hof. Heute ist es nur ein Konzert, aber wer traut sich hinauf in den Tanzsaal?

Ein Fleck ist dort wirklich an der Wand, hinter einem Behang, Blut und unauslöschlich soll es sein, sagt die Sage. Den habe man schon oft überstrichen, aber das Zeichen tauche immer wieder auf – sagt Alfred Jordy.

Sie glauben das nicht? Fahren Sie nach Hoyerswort! Es gibt dort schöne Ferienwohnungen und ein Café, ein Museum und eine Töpferei. Und es gibt den Saal, oben, wo Mann ein mitternächtliches Tänzchen wagen kann, auf knarrenden Dielen, im herrschaftlichen Saal, zur Geisterstunde. Dann, und erst dann, ist das arme Mädchen erlöst.

Textquelle & Beitragsfoto: Herrenhaus Hoyerswort © Alfred Jordy

Sagen und Legenden in Schleswig-Holstein: Der Rote Haubarg und die Sache mit dem Teufelspakt

Der Rote Haubarg auf Eiderstedt (nahe der Gemeinde Witzwort im Kreis Nordfriesland) ist ein Wahrzeichen der Halbinsel; ein prächtiger, schöner Hof, ein riesiges Gebäude. Haubarge werden als die größten Bauernhöfe der Welt bezeichnet, auf Eiderstedt sind sie typisch. Und dieser ist geheimnisvoll dazu, und von einer Sage umwoben.

Heute ist hier auch ein schönes Gasthaus (und ein Museum). Rot allerdings ist der Haubarg heute nicht: der Vorgängerbau wurde 1647 errichtet und war mit roten Ziegeln bedeckt, brannte jedoch hundert Jahre später ab.

Vor dem Bau soll hier ein ärmliches Haus gestanden haben, bewohnt von einem jungen Mann. Dieser Mann war in die Tochter eines reichen Mannes aus der Nachbarschaft verliebt. Mädchen und Mutter waren ihm gewogen, der Vater nicht.

Pakt mit dem Teufel

Der junge Mann, ebenso verliebt wie verzweifelt, ging in seiner Not einen Pakt mit dem Teufel* ein: Er verschrieb ihm seine Seele – wenn der Teufel ihm bis zum ersten Hahnenschrei ein großes Haus mit hundert Fenstern bauen würde.

Der Teufel kam in der Nacht, riss die Kate ab und zog den Haubarg hoch. In seiner Angst (Seele in Gefahr!) lief der junge Mann ins Haus seiner Angebeteten und weckte die Frauen, gestehen konnte er den Pakt mit dem Teufel nicht.

Die Mutter blickte aus dem Fenster und sah das Drama sich zuspitzen; sie sah, wie auf dem Haubarg bereits, es war noch Nacht, das Dach gedeckt wurde.

Der junge Mann gestand nun alles; Seele weg wenn der Hahn kräht und der Haubarg fertig ist. So rannte die Mutter schnell in den Stall und schüttelte einen Hahn. Was der tat?

Er krähte in der Nacht. Und der Teufel hatte damit die Wette verloren, weil erst 99 Fenster eingesetzt waren – und das 100. noch fehlte.

Der Teufel fuhr zum Fenster hinaus und das junge Paar zog ein. Und die 100. Scheibe, so will es die Legende wissen, fehle im Roten Haubarg noch immer: Denn so oft wie sie am Tage eingesetzt werde, so oft zerbreche sie wieder. – Ende Legende –

Übrigens: Der Rote Haubarg liegt südlich der Gemeinde Simonsberg im Adolfskoog. Von der Nordsee ist er ungefähr 1,5 Kilometer entfernt. Witzwort liegt rund drei Kilometer südlich.

Der Haubarg ist mit einer Firsthöhe von 17 Metern ungewöhnlich hoch. Er hat wie alle Haubarge einen rechteckigen Grundriss und steht auf acht Ständern. Und – und jetzt nicht lachen – er hat tatsächlich 99 Fenster!

Der Rote Haubarg ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Er wird als Restaurant und Museum betrieben. Das Restaurant befindet sich in den ehemaligen Wohnräumen. Im Museum wird eine Ausstellung zur Geschichte der Eiderstedter Landwirtschaft gezeigt.

* Wissenswertes über Teufelspakt:

Ein Teufelspakt oder Teufelsbündnis ist ein Handelsbündnis zwischen dem Teufel und einem Menschen. Dabei wird dem Teufel eine menschliche Seelegegen Reichtum, Macht, Talent, magische Kräfte oder ähnliche Gaben versprochen. Ein derartiger Pakt ist Gegenstand vieler volkstümlicher Sagen und Legenden. Auch in der Literatur wird das Motiv mehrfach aufgegriffen.

Im Zuge der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung wurde der aus biblischen und anderen Quellen hergeleitete,

bei Augustinus auch bei Thomas von Aquin (Summa theologica II, Qu. 96, a 2) genannte Pakt mit dem Teufel (bzw. mit Dämonen, insbesondere als Inkubus bzw. Sukkubus) gemäß der damaligen christlichen Dämonologie („Hexenlehre“) als Ursprung der Kräfte einer Hexe angesehen.

Das Bündnis mit dem Teufel kann sowohl ausführlich mit allen Feierlichkeiten oder auch nur durch eine einfache Abmachung geschlossen werden.

Bei einem Pakt handelt es sich um eine Bindung für lange Zeit, dies beinhaltet, sich ein Wesen durch Versprechen dienstbar zu machen und dafür im Jenseits – also nach dem Ableben – für dieses zu arbeiten.

Dafür dient der Geist dem Magier für gewisse Zeit. Nach seinem Ableben geht der Magier in die Sphäre des Geistes ein, um dort seine Verpflichtungen abzuleisten. Oft ist die Gegenleistung eine Art Geschenk für Anhängerschaft.

Im übertragenen Sinn wird auch dann von einem Teufelspakt gesprochen, wenn ein Mensch zur Erreichung eines Ziels auf Bündnisse mit Menschen oder Mächten eingeht,

die seinem Ziel und seinen Idealen eigentlich entgegenstehen (wie im obigen Beispiel mit dem roten Haubarg). Besonders in feuilletonistischen Kommentaren zu Politik und Zeitgeschehen ist das Bild beliebt.

Beitragsfoto: Matthias Süßen – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=95014718