Herzenssache Natur: Schleswig-Holsteins erste Naturpark-Rangerinnen

Sie heißen Martina Kallenberg und Derya Seifert und sind die ersten weiblichen Naturpark-Rangerinnen in Schleswig-Holstein

Weltweit gibt es sie und ihr Job ist beliebt, aber auch anspruchsvoll: Ranger*. Sie sind Vermittler zwischen Mensch und Natur, helfen Naturschätze zu bewahren und setzten sich für eine intakte Umwelt ein.

Seit dem 1. Juni 2021 ergänzen zwei Rangerinnen das Team des Naturparks Lauenburgische Seen. Martina Kallenberg und Derya Seifert sind die ersten ihrer Art in Schleswig-Holsteins Naturparken und allein deswegen schon eine Besonderheit.

Ob mit Gruppen oder Schulkassen die Natur entdecken, auf Gebietsüberwachung im Naturschutzgebiet präsent sein oder auch mal mit der Motorsäge einen Wanderweg freischneiden: die Aufgaben der Rangerinnen sind vielfältig.

Dazu gehören Naturschutz, Besucherinformation, Gebietskontrollen, Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung. Die vier Monate Einarbeitungszeit sind wie im Flug vergangen. „Wir sind jeden Tag im Naturpark unterwegs und lernen immer noch viele interessante, für uns neue Ecken im Naturpark kennen. Die einzigartige Natur ist wunderschön!“ wird Derya Seifert zitiert.

Die Biologin aus Hamburg war vorher im niedersächsischen Wattenmeer tätig und begeistert sich für Gewässer. „Vor allem die vielen verschiedenen Seen und Quellen haben es mir angetan und der Schutz der ökologisch wertvollen Uferzonen liegt mir besonders am Herzen.“

Ihre Kollegin Martina Kallenberg, die es für die neue berufliche Herausforderung aus Baden-Württemberg in den Norden gezogen hat, liebt vor allem die Waldnatur:

Als Forstingenieurin habe ich eine besondere Beziehung zum Wald mit all seinen Facetten. Der Wald ist in unser Kultur tief verankert und ich möchte eine positive Beziehung zwischen Mensch und Wald fördern.

Doch besonders die Abwechslung und Vielfalt der verschiedenen Landschaften machen den besonderen Charme des Naturparks aus – da sind sich die beiden einig.

Für den Naturpark sind die Rangerinnen nun im gesamten Naturparkgebiet unterwegs und stehen als Ansprechpartnerinnen rund um den Naturpark auch für sensible Themen zur Verfügung. Dabei werben die beiden Frauen für eine naturverträgliche Form der Freizeit- und Erholungsgestaltung in der Region.

Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteuren wie der unteren Naturschutzbehörde, den Kreisforsten und vielen weiteren Partnern stehen dabei besonders im Fokus.

Die Einstellung der Rangerinnen ist einer der großen Erfolge aus einem Prozess, der sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Schleswig-Holsteins Naturparke sind seit 2017 Teil einer Qualitätsoffensive des Dachverbandes VDN (Verband Deutscher Naturparke e.V.).

Seit dieser Zeit wächst auch die Wahrnehmung und Ausstattung seitens des Umweltministeriums im nördlichsten Bundesland. Die Aufgaben der Naturparke gewinnen stetig an Bedeutung in Zeiten von Klimawandel, Biodiversitätsstrategie und Veränderungen im ländlichen Raum.

Der Naturpark Lauenburgische Seen hat 2020 in einem umfangreichen Prozess mit mehreren Workshops einen ambitionierten 10-Jahresplan aufgestellt, der unter breiter Beteiligung von Fachöffentlichkeit und Bürgerinnen und Bürgern Aufgaben für die nächsten Jahre festlegt.

Dabei sind die Aufgaben zum Naturschutz und Erhalt der natürlichen Vielfalt wichtiger denn je. Vor allem die gezielte Besucherlenkung und Information vor Ort durch persönliche Präsenz und die Sensibilisierung von Einheimischen und Gästen für Naturschutzthemen rückte immer mehr in den Fokus.

Im Aufgabenspektrum stehen auch praktische Naturschutzmaßnahmen. Zurzeit legen die beiden Rangerinnen ein Biotop für Zauneidechsen, Ringelnattern und Co. an.

Im Projektgebiet in Farchau wird ein neuer Lesesteinhaufen angelegt, der Unterschlupf und sonnige Bereiche für die wärmeliebenden Reptilien schafft. Das ist ein neuer Projektbaustein, mit dem das Gebiet in Farchau für Natur und Mensch weiterentwickelt wird.

Dazu gehört eine Obstwiese, die besonders zu dieser Jahreszeit einen Besuch wert ist. Hier kann man sich über alte Apfelsorten informieren und einen Blick von einem Steg über das bewegte Relief der eiszeitlich geformten Landschaft schweifen lassen.

Der 1961 gegründete Naturpark Lauenburgische Seen liegt im Kreis Herzogtum Lauenburg im Südosten von Schleswig-Holstein direkt an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern in der von der Weichseleiszeit geprägten Jungmoränenlandschaft des Schleswig-Holsteinischen Hügellandes.

Der Naturpark ist mit über 470 km² der drittgrößte Naturpark Schleswig-Holsteins mit ausgedehnten Waldgebieten. Der Naturpark Lauenburgische Seen umfasst 40 Seen, grenzt direkt an das mecklenburgische Biosphärenreservat Schaalsee an und bildet mit diesem zusammen ein großes Schutzgebiet entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Die größten Seen im Naturpark sind der Ratzeburger See und der Schaalsee, die durch den bei Salem beginnenden Schaalsee-Kanal miteinander verbunden sind.

Im Naturpark liegen weiter die Kreisstadt Ratzeburg und Mölln mit dem Hellbachtal. Durch den Naturpark verläuft – an einigen Stellen, wie bei Fredeburg, noch als mittelalterliche Trasse – die Alte Salzstraße von Lüneburg nach Lübeck. Der Naturpark wird nach Westen zwischen Berkenthin und Büchen in etwa durch den Elbe-Lübeck-Kanal begrenzt. 

Durch die Landschaft verläuft der Naturparkweg, der die fünf Naturparke in Schleswig-Holstein für Wanderer verbindet.

*Rangerinnen und Ranger heißen in Deutschland offiziell Naturwacht, Naturschutzwacht oder Nationalparkwacht. Sie gehören zu einer kleinen Berufsgruppe von derzeit etwa 500 Frauen und Männern, die sich hauptamtlich um Naturschutz und Gästebetreuung in den Nationalen Naturlandschaften, in Naturschutzbehörden und in Biologischen Stationen kümmern.

Geprüfter Natur- und Landschaftspfleger/Geprüfte Natur- und Landschaftspflegerin

Der Ranger repräsentiert in Deutschland den ersten nichtakademischen Naturschutzberuf. Die staatliche Anerkennung des Berufes geschah am 14. März 1998 mit Inkrafttreten der Fortbildungsverordnung (Bundesgesetzblatt Nr. 14 vom 13. März 1998) zum/r Geprüften Natur- und Landschaftspfleger/in.

Darin wurde die berufliche Qualifizierung für die Tätigkeit als Ranger bundesweit einheitlich geregelt. Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung ist die Herkunft aus einem „grünen“ Beruf.

Zudem gibt es eine Seiteneinstiegsklausel, die es auch Menschen mit anderer beruflicher Vorbildung ermöglicht, den Beruf auszuüben. Das bedeutet, dass die notwendigen Kenntnisse auch auf andere Weise erworben und nachgewiesen werden können.

Bisschen Geschichte zum Beruf: 1872 wurde in den USA der erste Nationalpark ausgewiesen, der Yellowstone-Nationalpark. Acht Jahre später nahm dort Harry Yount als erster Nationalpark-Ranger der Welt seine Arbeit auf.

Beitragsfoto: Schleswig-Holsteins erste Naturpark-Rangerinnen: Martina Kallenberg (li.) und Derya Seifert; Quelle: Kreis Herzogtum Lauenburg

Neue Streuobstwiese dank gut gebuchter Green Tiny Houses: Ein Beispiel für nachhaltigen Tourismus

Sie erfreuen sich großer Beliebtheit: die Green Tiny Houses auf dem Naturcampingplatz Salemer See*. Im Mai 2020 bezog das erste von ihnen einen wunderschönen Stellplatz mit Seeblick. Im Sommer 2021 folgte das zweite nachhaltige Raumwunder.

Betrieben werden beide Häuser von der Green Tiny Houses GmbH & Co. KG, einem Unternehmen, das sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat. Dazu gehört für Geschäftsführer Jan Sadowsky auch, dass die Region und der Naturschutz von den Mieteinnahmen profitieren sollen. Aus diesem Grund entsteht eine neue Obstbaumpflanzung ganz in der Nähe des Campingplatzes.

Es ist eine wichtige Säule unseres nachhaltigen Gesamtkonzeptes, die Standorte unserer Häuser zukunftsweisend zu fördern“, wird Sadowsky zitiert. Daher spendet er fünf Prozent der Mieteinnahmen an ein regionales nachhaltiges Naturschutzprojekt – in Salem fast 3.000 €.

Für Günter Schmidt, Geschäftsführer der Herzogtum Lauenburg Marketing und Service GmbH (HLMS), war dies von Anfang an ein überzeugendes Argument: „Die Green Tiny Houses treffen Zeitgeist und Nachfrage. Ihre Attraktivität verdanken sie aber auch der besonderen Natur, in die sie sich harmonisch einfügen. Dass ein Teil der erzielten Einnahmen der Natur wieder zugutekommt, ist für uns ein Paradebeispiel des nachhaltigen Tourismus.

Claudia Rösen, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung beim Naturpark Lauenburgische Seen**, hatte auch gleich die passende Idee für die Verwendung der Mittel: „Wir nutzen einen Teil des Geldes und pflanzen heute eine neue Streuobstwiese. Insgesamt fünf Bäume, darunter Äpfel, Zwetschgen, Pflaumen und Birnen, werden auf dieser Waldlichtung zwischen Ratzeburg und Salem gepflanzt.

Mit den regionalen, robusten Sorten wird die Biodiversität gefördert, indem die Obstbäume im Frühjahr Nektar und Pollen für zahlreiche unterschiedliche Insekten wie Bienen, Hummeln oder auch Käfer bieten.

Im Spätsommer und Herbst kommen dann viele Tiere in den Genuss der reifen Früchte wie zum Beispiel Wildvögel, Dachse, Füchse und Co. Wenn die Bäume alt und knorrig sind, werden sie auch als Nistplätze für Vögel oder Höhlen für Fledermäuse gefragt sein.

Die Green Tiny Houses am Salemer See freuen sich auch im nächsten Jahr über guten Zuspruch. Aktuell sind sie in der Winterpause, aber bereits jetzt für Zeiträume ab April 2022 buchbar (https://www.herzogtum-lauenburg.de/greentinyhouse). Auf www.greentinyhouses.com sind außerdem Gutscheine für alle Standorte erhältlich.

*Der Salemer See ist ein See im Kreis Herzogtum Lauenburg im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein südlich des Ortes Salem. Der See ist ca. 36 ha groß und bis zu 9,6 m tief.

Der See lässt sich unter Einschluss des Pipersees nahezu ufernah begehen (etwa 7 km). Auf der Ortsseite von Salem sind etwa 500 Meter durch Privatbebauungen gesperrt. Im Osten des Sees findet sich ein weitläufiger Campingplatz mit öffentlicher Badestelle. Salem selbst hat ebenfalls einen kleinen Sandstrand und Restauration ufernah.

**Der 1961 gegründete Naturpark Lauenburgische Seen liegt im Kreis Herzogtum Lauenburg im Südosten von Schleswig-Holstein direkt an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern in der von der Weichseleiszeit geprägten Jungmoränenlandschaft des Schleswig-Holsteinischen Hügellandes.

Der Naturpark ist mit über 470 km² der drittgrößte Naturpark Schleswig-Holsteins mit ausgedehnten Waldgebieten. Der Naturpark Lauenburgische Seen umfasst 40 Seen, grenzt direkt an das mecklenburgische Biosphärenreservat Schaalsee an und bildet mit diesem zusammen ein großes Schutzgebiet entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Die größten Seen im Naturpark sind der Ratzeburger See und der Schaalsee, die durch den bei Salem beginnenden Schaalsee-Kanal miteinander verbunden sind.

Im Naturpark liegen weiter die Kreisstadt Ratzeburg und Mölln mit dem Hellbachtal. Durch den Naturpark verläuft – an einigen Stellen, wie bei Fredeburg, noch als mittelalterliche Trasse – die Alte Salzstraße von Lüneburg nach Lübeck. Der Naturpark wird nach Westen zwischen Berkenthin und Büchen in etwa durch den Elbe-Lübeck-Kanal begrenzt.

Durch die Landschaft verläuft der Naturparkweg, der die fünf Naturparke in Schleswig-Holstein für Wanderer verbindet.

Beitragsfoto: Baumpflanzaktion Quelle: Kreis Herzogtum Lauenburg

Gewalt in der Partnerschaft: „37°“-Reportage im ZDF 

Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums wird etwa jede vierte Frau in Deutschland mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch einen ihrer Partner. Betroffen sind Frauen aller sozialen Schichten. Und auch Männer erleben häusliche Gewalt

Für die Reportage „Schlag ins Herz – Wenn aus Liebe Gewalt wird“, die am Dienstag, 30. November 2021, 22.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird, hat Autorin Natalie Suthor Betroffene begleitet, einen Täter befragt und ein Frauenhaus besucht.

Die Autorin geht den Fragen nach, wie Menschen in solche Beziehungen geraten können, wie sie mit dem Erlebten umgehen und wie effektive Hilfe aussehen kann. 

Beispiel Jenny Schmetzer

Die alleinerziehende Jenny Schmetzer (45) war auf der Suche nach Liebe und Glück, als sie ihren vermeintlichen Traummann kennenlernte. Alles schien perfekt, bis er eines Tages zuschlug. Schmetzer wird zitiert: „Ich war wie in einer Schockstarre, ich habe noch nie in so hasserfüllte Augen geschaut„.

Am nächsten Morgen flüchtete sie mit ihrer Tochter zu einer Freundin, doch nach unzähligen Reueschwüren verzieh sie ihm und kehrte zurück. Ein Fehler: Demütigungen und Gewalt wurden zum Alltag.   

Zuflucht Frauenhaus

Wenn die Gewalt eskaliert, können Frauen in ein Frauenhaus flüchten. Daniela Albring leitet ein autonomes Frauenhaus in Nordrhein-Westfalen. Sie weiß: „Es ist nicht immer nur das typische blaue Auge, was wir so denken. Gewalt fängt viel eher an.“

Eine Betroffene, die in diesem Frauenhaus lebt, berichtet von ihren Gewalterfahrungen. „Man muss sich bewusst machen, dass es bei den Frauen, oft lebensbedrohlich und der letzte Schritt ist“, betont die Frauenhausleiterin.

 Auch Männer erleben häusliche Gewalt   

Auch wenn 81 Prozent aller Menschen, die häusliche Gewalt erleben, weiblich sind, gibt es auch Männer, die Gewalt in der Partnerschaft erleben. „Wer glaubt schon einem Mann, der sagt: Ich werde von meiner Partnerin misshandelt“, dachte sich der heute 39-jährige Tami Weissenberg (Name geändert).

Jahrelang hat er eine Beziehung ausgehalten, die von psychischer und physischer Gewalt gegen ihn geprägt war. Wie so viele, sah auch er jahrelang keine Möglichkeit, sich von seiner Partnerin zu lösen, auch weil es keine Hilfsangebote für Männer gibt. Dass sich das ändert, dafür setzt er sich heute ein.  

Der 37-jährige Martin (Name geändert) konnte nie verstehen, wie Männer ihren Frauen gegenüber gewalttätig werden können, bis auch er zuschlug. Hilfe hat er beim Projekt ORANGE in Thüringen gesucht und gefunden.

ORANGE ist ein Unterstützungs- und Beratungsangebot Männer, die in Partnerschaften gewalttätig geworden sind. Primäres Ziel ist die Vermeidung erneuter Gewalt. Christoph Kuchinke ist für ORANGE als Sozialarbeiter tätig. „Es geht hier nicht um Schuld, das entscheidet das Gericht. Hier geht es um Verantwortung.“  

Experten gehen davon aus, dass sich durch die Coronapandemie die Situation in den Haushalten deutlich verschärft hat. Aktuelle Zahlen gibt es nicht, aber die Sorgen- und Hilfstelefone melden einen Anstieg von Anrufen.   

Linktipp für Männer, die Gewalt ausüben und Hilfe suchen:

männerberatungsnetz.de. Beratung für Jungen, Männer & Väter. Auf der Website ist eine „Beratungslandkarte“ zu finden. Neben den Kontaktinformationen regionaler Beratungsstellen werden zusätzlich Informationsportale und Telefon-Hotlines aufgeführt, die in Notlagen direkt und unkompliziert Unterstützung anbieten – egal, wo man sich gerade aufhält. Hier klicken.

Sendetermine Reportage „Schlag ins Herz – Wenn aus Liebe Gewalt wird“: Dienstag, 30. November 2021, 22.15 Uhr im ZDF. Die „37°“-Sendung steht zusätzlich bereits am Sendetag ab 8.00 Uhr in der ZDFmediathek zur Verfügung.  

Mehr zum Thema Gewalt im Blog:

„Thema häusliche Gewalt: Projekt `DrachenMut#kindernichtalleinelassen` startet durch (Link)

Sexuelle Gewalt durch Frauen -Forschungsprojekt liefert Erkenntnisse über psychische Folgen (Link)

Gemeinsam gegen Kindesmisshandlung – Deutscher Kinderverein macht mit emotionalem Film auf das erschütternde Thema aufmerksam (Link)

Femizid – Wenn Männer Frauen töten (Link)

Beitragsfoto: Beim Blick auf Fotos von früher sieht Jenny Schmetzer das Leid, das sie damals erlebte. Copyright: ZDF/Nathalie Suthor

Sexuelle Gewalt: Missbrauchsbeauftragter und Kultusbehörden wollen 1 Mio. Lehrkräfte digital fortbilden

Mit der KOSTENLOSEN digitalen Fortbildung „Was ist los mit Jaron?“ werden in nur vier Stunden Lehrerinnen oder Schulsozialarbeiter zu sexuellem Missbrauch fortgebildet und ihnen aufgezeigt, welche Wege der Hilfe es gibt.

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) Johannes-Wilhelm Rörig und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg Britta Ernst haben am 25. November 2021 in Berlin die bundesweite digitale Fortbildung „Was ist los mit Jaron?“ vorgestellt.

Der digitale Grundkurs vermittelt Lehrer:innen, Schulsozialarbeiter:innen und weiteren schulischen Beschäftigten Basiswissen und Handlungssicherheit, wie Kinder und Jugendliche besser vor sexueller Gewalt geschützt werden können.

Der Kurs wurde vom UBSKM in Kooperation mit den Kultusbehörden der Länder entwickelt. Er ist bundesweit in allen Ländern als Fortbildung anerkannt und kann ab heute kostenfrei unter www.was-ist-los-mit-jaron.de absolviert werden.

Er wurde gemeinsam mit Präventionsexpert:innen entwickelt und vorab in Fokusgruppen und Fortbildungsveranstaltungen einzelner Bundesländer getestet.

Schule kann auch Tatort sein“

Johannes-Wilhelm-Rörig, Unabhängiger Beauftragter wird zitiert: „In jeder Schulklasse in Deutschland gibt es 1-2 Schülerinnen und Schüler, die von sexueller Gewalt betroffen sind. Die Täter und Täterinnen sind meist Erwachsene, die die Kinder und Jugendlichen gut kennen.

Das macht es den Betroffenen schwer sich anzuvertrauen, vor allem wenn der Missbrauch in der eigenen Familie stattfindet.

Lehrerinnen oder Schulsozialarbeiter sind täglich in Kontakt mit ihren Schülerinnen und Schülern, sie können Veränderungen wahrnehmen, belasteten Kindern und Jugendlichen Gesprächsangebote machen und ihnen Zugang zu Hilfe ermöglichen.

Hierfür müssen sie keine Kinderschutzexperten sein – sollten aber im Sinne des Kinderschutzes wissen, was sie bei einem Verdacht tun können.

Schule kann auch Tatort sein. Schule ist aber vor allem zentraler Schutzort, wenn es um Hilfe für von sexueller Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche geht – vorausgesetzt die Lehrkräfte wissen Bescheid und wissen, wie sie helfen können.

Fortbildung orientiert sich an Beispielen aus dem schulischen Alltag 

„Was ist los mit Jaron?“ ist ein Serious Game – ein Format, das es den Teilnehmer:innen ermöglicht, sich durch virtuelle, schulische Alltagssituationen zu bewegen und im Umgang mit Kindesmissbrauch und Missbrauch von Jugendlichen sicherer zu werden.

In circa vier Stunden vermittelt der Online-Kurs anhand praxisnaher Fallbeispiele grundlegendes Wissen zum Thema sexueller Kindesmissbrauch, zum Beispiel zu Täterstrategien, zur sensiblen Gesprächsführung mit

belasteten Schüler:innen, zu konkreten Unterstützungsangeboten, zur Rolle von schulischen Beschäftigten beim Umgang mit sexueller Gewalt und wann die Kinderschutzakteure außerhalb der Schule einbezogen werden und übernehmen sollten.

Bereits 2016 hat Rörig die Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ in Kooperation mit den Kultusbehörden der Länder zur Entwicklung von Schutzkonzepten in Schulen gestartet.

Er appellierte erneut an die Länder, die Entwicklung von Schutzkonzepten in allen 16 Schulgesetzen verbindlich festzuschreiben – inklusive der Bereitstellung der erforderlichen Ressourcen Zeit und Geld. „Kinderschutz ist Beziehungsarbeit, dafür brauchen Lehrerinnen und Lehrer nicht nur mehr Wissen, sondern dringend auch mehr Zeit.

Weitere Informationen und Materialien: www.was-ist-los-mit-jaron.de. Hier gibt es zahlreiche Materialien und Informationen zur Verbreitung und Nutzung für Multiplikatoren und weitere Interessierte, u. a. auch für die Online-Nutzung wie z. B. Banner oder Social Media Kacheln.

Film: „Was ist los mit Jaron?“ — Serious Game gegen sexuelle Gewalt an Kindern

Mehr zum Thema Gewalt im Blog:

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Böse Bauten: Der Fladenbunker in Kiel

Der Kieler Flandernbunker präsentiert sich als ein kompakter, trutziger grauer Betonwürfel. Doch der Eindruck täuscht, …

Er wurde in den Kriegsjahren 1942 und 1943 erbaut und findet sich am Nordende des Hindenburgufers im Kieler Stadtteil Wik: der Flandernbunker. Gegenüber den Bunker liegt das Haupttor zum Tirpitzhafen. Im Flandernbunker war die Flugabwehr- und Notkommando-Zentrale Kiels untergebracht.

Seinen Namen erhielt er nach dem nebenan gelegenen ehemaligen Flanderndenkmal, das an die Gefallenen des „Marinekorps Flandern“ im Ersten Weltkrieg erinnerte. Der benachbarte Marine-Sportplatz trug den Namen „Flandernplatz“.

Der Fladenbunker ist mächtig: Er besitzt eine Grundfläche von 550 qm und ist mit seinen drei Etagen 12,5 m hoch. Seine Wandstärke beträgt 2,5 m, die der Decke 3,7 m. 

Neben den militärischen Einrichtungen waren auch Räume für die Zivilbevölkerung. Nach dem Krieg wurde der Bunker durch die Engländer entfestigt.

Laut einem Artikel in den „Kieler Nachrichten“ vom 13. Okt. 1950 sollte auch der Flandernbunker zum Wohnraum – der in den Jahren nach dem Krieg noch sehr knapp war – umgestaltet werden.

Doch es kam anders, und er diente als Materiallager zunächst für das Polizei-Beschaffungsamt, dann für die neu aufgebaute Marine. Auch eine Bundeswehr-Apotheke war hierzu geplant. Aufgrund veränderter Bedarfssituation wurde der Flandernbunker schließlich aus dem Bundesbesitz ausgegliedert und an privat verkauft.

Vom Bunker zur Bildungseinrichtung: „Eckstein der schleswig-holsteinischen Gedenkstätten und Vorbild für zivilgesellschaftliches Engagement“

Im Februar 2001 ersteigerte nach langem Leerstand der Verein „Mahnmal Kilian“ (1995 gegründet) den „Flandernbunker“. Seit 2005 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Das „böse Bauten“ auch zu „guten Bauten“ umgewandelt werden können zeigt sich beim Flandernbunker.

Zur Gedenkfeier des 20-jährigen Bestehens des Verein „Mahnmal Kilian“ hatten sich 2015 im Flandernbunker zahlreiche Politiker, Vertreter der Gedenkstätten und Kultureinrichtungen eingefunden.

Der Landtagspräsident von Schleswig-Holstein, Klaus Schlie, der selbst ausgebildeter Pädagoge und Historiker ist, sagte: „Der Flandernbunker ist ein Ort, der sich als wichtiges Zentrum zur Vermittlung historischer Kenntnisse für Diskussionen und Ausstellungen etabliert hat„.

Gerhard Fouquet, Vorsitzender der Bürgerstiftung Gedenkstätten Schleswig-Holstein, sagte: „Der Flandernbunker steht heute für das zertrümmerte Kiel, für die vielen Millionen Toten, für die Gefallenen, für die in den Konzentrationslagern und durch sogenannte Einsatzkommandos Ermordeten, für die im Widerstand gegen die NS-Herrschaft sich Opfernden, für die im Bombenkrieg umgekommenen Männer, Frauen und Kinder in dem durch NS-Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg„.  Quelle: Verein Mahnmal Kilian

In dem Bunker finden regelmäßig Veranstaltungen zur Geschichte, Völkerverständigung und Friedenssicherung statt. Hier ein Beispiele:

Freitag, 3. Dezember, 19 Uhr, Flandernbunker Die Fluchtgeschichte meiner Großmutter: Vortrag von Tom Kienel.

Der 17-jährige Schüler war während eines Schulprojektes beim Verein Mahnmal Kilian in seinen Familiendokumenten auf die Geschichte seiner Urgroßmutter gestoßen: „Mein Vortrag im Flandernbunker handelt von dem Fluchttagebuch meiner Uroma Adelheid Kienel. Sie wurde im Februar 1945 aus ihrem Heimatort Kleinoels in Schlesien vertrieben und musste einen großen Teil ihrer Familie zurücklassen.

Auf ihrer Flucht erfuhr sie viel Gewalt und Ablehnung. Diesen Vortrag halte ich, weil ich das Glück habe ihr Tagebuch zu besitzen und der Meinung bin, dass man diese Geschichte mit anderen Menschen teilen sollte, um die Zeitzeugen und ihre Geschichte nicht zu vergessen.

Außerdem soll mein Vortrag dazu dienen einen Eindruck von der Zeit des Krieges zu bekommen – in diesem Fall aus der Sicht eines jugendlichen Mädchens.“

Der Vortrag ist ein Programmpunkt der aktuellen Ausstellung „Was bedeutet mir Heimat?“. Tom Kienel hatte sie zusammen mit seiner Klasse des 12. Jahrgangs an der Gemeinschaftsschule Probstei in Schönberg im Flandernbunker erarbeitet.

Dazu hatte sich die Klasse mit den Themen Heimat und Migration befasst, Zeitzeugen mit Flucht- und Asylerfahrung kennengelernt und die Stadt Stettin in Polen besucht. Eintritt frei – Spenden erbeten. Es gelten die aktuellen Pandemieregeln.

Wie komme ich da hin?

Mit Bussen der KVG:

Linien 41/42 und 32/33: Haltestelle Mercatorstraße (170 m Fußweg) 
Linien 6, 11, 91/92, 501/502, 900/901: Haltestelle Elendsredder (450 m Fußweg)

Bei Anreise mit dem PKW nutzen Sie gerne den folgenden Routenplaner: (Anreiseplanung mit OpenRouteservice)

Beitragsfoto: Flandernbunker am Hindenburgufer erbaut 1944 ; Quelle: Wikipedia / Fotograf: Wusel007

Filmtipp ZDF-History: Das dunkle Erbe

Viele Traditionsvereine haben sich lange Zeit schwer damit getan, ihre braune Vergangenheit aufzuarbeiten; einige haben noch heute Nachholbedarf, wie Rainer Fromm und Udo Frank in der Dokumentation „ZDF-History. Das dunkle Erbe“ zeigen. Der Film sorgt für einige Denkmalstürze von Funktionären, aber auch von Spielern, die in ihren Clubs bis heute verehrt werden. Die meisten waren Überzeugungstäter, die nie ein Zeichen der Reue gezeigt haben. Leider zeigt das ZDF die Doku – im Gegensatz zur sonstigen Fußball-Berichterstattung – nicht zur besten Sendezeit.

Kaum ein Sportereignis hat die Deutschen so bewegt wie das „Wunder von Bern“, der WM-Titel 1954. Doch auf dem Erfolg lastet ein dunkles Erbe: der Schatten der NS-Zeit.

Eine „Stunde null“ hat es nach 1945 im deutschen Fußball nie gegeben. Beim Deutschen Fußballbund und seinen Vereinen wirkten auch Jahre nach dem Krieg noch immer ehemalige Nazi-Sportfunktionäre, frühere SS-Leute und NSDAP-Parteikader, oft in führenden Positionen.

Wie Peco Bauwens, der erste Nachkriegspräsident des DFB. Auf der Siegesfeier nach dem WM-Triumph 1954 führt er den Titel in nationalistischem Überschwang auf die Wahrung des „Führerprinzips“ zurück.

An seiner Seite hat er noch immer DFB-Funktionäre mit NSDAP-Vergangenheit, er fördert ihre Karrieren und hält auch nach 1945 alte Beziehungen aufrecht. 

ZDF-Recherchen decken jetzt auf, wie Bauwens auch persönlich in verbrecherische Abgründe des NS-Regimes geriet. Als Mitinhaber eines Baugeschäfts in Köln profitierte er von der Ausbeutung von KZ-Häftlingen, die unterirdische Anlagen für die deutsche Rüstungswirtschaft errichten mussten.  

Andere Fußballidole bereicherten sich an jüdischem Eigentum, wie Fritz Szepan von Schalke 04 oder Rudolf Gramlich von Eintracht Frankfurt. Beide konnten ihre Karrieren nach dem Krieg nahtlos fortsetzen, wirkten als hochgeachtete Vereinsfunktionäre.

In Gelsenkirchen spricht man bis heute voller Ehrfurcht vom „Schalker Kreisel“. In den Dreißigerjahren pflegte das Team rund um Legenden wie Fritz Szepan und Ernst Kuzorra seine Gegner mit perfektem Kurzpassspiel zu zerlegen; zwischen 1934 und 1942 wurden die Schalker sechsmal Deutscher Meister.

Dass Szepan damals zu einem Spottpreis ein jüdisches Kaufhaus erworben hat – die Besitzer wurden deportiert und ermordet –, war nach dem Krieg, als er erst Trainer und dann Präsident des Clubs wurde, allenfalls ein Randthema. Seine Wiedergutmachungszahlung in Höhe von tausend Mark muss der Familie wie eine Verhöhnung vorgekommen sein.

Der spätere Eintracht-Frankfurt-Präsident Rudolf Gramlich, der maßgeblich an der Gründung der Bundesliga beteiligt war, gehörte zu der für ihre Gräueltaten berüchtigten Totenkopfeinheit der Waffen-SS. 2002 hat ihm der Verein posthum die Ehrenpräsidentschaft aberkannt.

Das Fußball-Idol vom Hamburger SV „Tull“ Harder verdingte sich sogar als Wachmann im KZ Neuengamme und leitete später ein „Außenlager“ in Hannover-Ahlem. Er wurde 1947 als Kriegsverbrecher zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner vorzeitigen Entlassung 1951 war er beim HSV ein gern gesehener Gast; kein Geringerer als Bauwens lobte ihn als „Vorbild für die Jugend“.

Neue Erkenntnisse zeigen, dass auch beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München braune Flecken auf der scheinbar weißen Weste zu finden sind. Selbstdarstellungen des Vereins, die von einem „Judenklub“ sprechen, der von den Nazis geschmäht und angeblich verfolgt wurde, entpuppen sich als Legende. Der Aufstieg des Klubs in den 1960er-Jahren ist auch Männern mit NS-Vergangenheit zu verdanken. 

Der von den Ultras verehrte erste Nachkriegspräsident Kurt Landauer, ein Jude, war im KZ Dachau. Tatsächlich hat der Verein seine jüdischen Mitglieder ab 1935 genauso ausgeschlossen wie alle anderen deutschen Clubs.

Präsident Wilhelm Neudecker, in dessen Ära 1962 bis 1979 die Bayern ihre ersten großen Erfolge feierten, war SS-Mitglied, sein Geschäftsführer Walter Fembeck war bei der Waffen-SS.

Fromm und Frank haben mit Hilfe von Historikerinnen und Historikern sowie Sportjournalisten und Sportbuchautoren wie Hartmut Scherzer und Dietrich Schulze-Marmeling noch weitere Fälle dieser Art aufgetan.

Die meisten waren Überzeugungstäter, die nie ein Zeichen der Reue gezeigt haben. Umso wichtiger wäre es, dass die Vereine wie auch der DFB ihr dunkles Erbe gründlich aufarbeiten.

„ZDF History: Das dunkle Erbe“. 28. November, ZDF, 0.35 Uhr; Video verfügbar ab 27.11.2021, 23:45 in der Mediathek.

Foto: Im deutschen Fußball dominierte nach dem Ende des „Dritten Reichs“ personelle und politische Kontinuität – beim Deutschen Fußballbund (DFB) und seinen Vereinen. Bis heute sind diese dunklen Verstrickungen nicht umfassend aufgearbeitet. © ZDF/Wolfgang Morell

Thema häusliche Gewalt: Projekt „DrachenMut#kindernichtalleinelassen“ startet durch

Partnerschaften können glücklich machen – oder auch unglücklich. Partnerschaften fordern die Akteure und sie können sie auch überfordern. Und in nicht wenigen Partnerschaften kommt es zu Gewalt, unter der dann ganz besonders die vulnerableren Angehörigen dieser Partnerschaft, meistens die Frauen und auf jeden Fall die betroffenen Kinder leiden.

Es ist daher eine der wichtigsten Aufgaben der Gesellschaft, Kinder und Jugendliche zu stärken und sie vor Gewalt zu schützen. Das Angebot „DrachenMut“ des Kinderschutz-Zentrums Westküste im Diakonischen Werk Husum soll dazu entscheidend beitragen. Dieses wurde im Rahmen eines Pressegesprächs am 17. November im Kreishaus in Husum vorgestellt.

Der nordfriesische Kreistag hatte in seiner Sitzung am 12. November entschieden, „DrachenMut Mittel“ für zwei weitere Jahre zur Verfügung zu stellen. Der Kreis Nordfriesland finanziert somit eine halbe Projektstelle, die anderen 50 Prozent trägt der Kreis Dithmarschen.

DrachenMut#kindernichtalleinelassen – Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche, die zuhause Zeugen von Gewalt werden

Mit „DrachenMut#kindernichtalleinelassen“, wie das Projekt offiziell heißt, gibt es in Nordfriesland sowie in Dithmarschen erstmals ein eigenständiges und proaktives Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche, die zuhause Zeugen von Gewalt werden (*Adressen siehe unten!).

Mit Notfall-Kontaktkarten für Jungen und Mädchen sowie Informationsmaterialien für Eltern und Multiplikatoren startet das Kinderschutz-Zentrum Westküste nun mit der Öffentlichkeitsarbeit für das Angebot.

Landrat Florian Lorenzen wird zitiert: »In Haushalten, in denen es zu Gewalt in Paarbeziehungen kommt, leben oft auch Kinder. Sie sind damit ebenso Opfer der körperlichen, psychischen oder verbalen Gewalt, die meist ihre Mütter, vereinzelt aber auch ihre Väter, durch den Partner erleiden. Ihnen durch die Förderung des Projekts zu helfen, war für uns deshalb eine Herzensangelegenheit

»Ein vergleichbares Projekt gibt es in Schleswig-Holstein bisher nur in Flensburg«, berichtete Ursula Funk, Leiterin des Kinderschutz-Zentrums Westküste. Die Grundlage für DrachenMut: die Istanbul-Konvention, ein völkerrechtlicher Vertrag, mit dessen Unterzeichnung sich die Vertragsstaaten unter anderem dazu verpflichtet haben, Hilfsmaßnahmen für Kinder vorzuhalten, die häusliche Gewalt miterleben.

Kinderschutz-Zentrum Westküste

Jährlich entfallen im Kinderschutz-Zentrum Westküste mit Sitz in Husum, Niebüll, Heide und Marne 15 Prozent der insgesamt über 400 Beratungsanmeldungen auf Kinder und Jugendliche, die Zeugen häuslicher Gewalt sind. Viele Betroffene sind zwischen sechs und zwölf Jahren.

»Hinzu kommen die vielen Fälle, in denen erst im Laufe der Gespräche herauskommt, dass die Jungen und Mädchen Streit und Gewalt zwischen ihren Eltern kennen. Das Dunkelfeld ist um ein vielfaches höher und der Bedarf eines verstärkten Beratungsangebots und breiter Öffentlichkeitsarbeit deshalb sehr groß«, betonte Ursula Funk.

»Betroffene Kinder leiden unter einer enormen psychischen Belastung. 95 Prozent glauben, sie seien schuld daran, dass ihre Eltern streiten oder ihre Mutter bedroht, geschlagen oder verbal erniedrigt wird«, berichtete Peter Raben, Leiter des Kreisjugendamtes. »Hinzu kommt der Geheimhaltungsdruck, denn oftmals wird ihnen verboten, anderen davon zu erzählen«, ergänzt Raben.

Die innere Anspannung der Kinder und Jugendlichen zeige sich im Alltag auf unterschiedliche Weise: aggressive Auffälligkeiten, depressiver Rückzug, Traumareaktionen wie Schlafstörungen oder Selbstverletzungen gehören dazu.

Das Ziel von DrachenMut: Jungen und Mädchen von ihren Schuldgefühlen zu entlasten, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und sie dazu zu ermutigen, sich der Polizei oder anderen Menschen anzuvertrauen.

Mit Jugendlichen kann zudem erarbeitet werden, wie man gegenüber den Eltern ein klares »Stopp« und die Bitte, sich Hilfe zu holen, kommuniziert. Auf diesem Weg setzt das Kinderschutz-Zentrum Westküste unter anderem auf Einzel- und Gruppenberatungen für Kinder und Jugendliche, Einzel- oder Familiengespräche mit Eltern sowie Informations- und Fortbildungsveranstaltungen für Multiplikatoren.

Darüber hinaus betreibt es Aufklärungsarbeit zu Auswirkungen häuslicher Gewalt und vermittelt Betroffenen Hilfsangebote.

»Mit Tätergruppen oder Frauenberatungsstellen gibt es beispielsweise bereits Angebote für Erwachsene, die Gewalt ausüben oder erfahren. Wir wollen das Leid der Kinder mit unserem Projekt jetzt sichtbar machen«, erklärte Ursula Funk. Für die Leiterin des Beratungszentrums dürfen die Kleinsten nicht aus dem Blick geraten. Ihr Wunsch für „DrachenMut“ war daher eine proaktive Kontaktaufnahme zu Betroffenen über Bezugspersonen, zuständige Jugendämter oder andere Einrichtungen.

„DrachenMut“ entstand deshalb in Kooperation mit den Frauenberatungsstellen in Dithmarschen und Nordfriesland. Darüber hinaus setzte das Kinderschutz-Zentrum Westküste von Anfang an auf eine intensive Zusammenarbeit mit der Polizei und den Jugendämtern der Kreise Nordfriesland und Dithmarschen.

»Es ist uns gelungen, ein abgestimmtes Verfahren zwischen den beteiligten Stellen beim Thema häusliche Gewalt zu entwickeln«, berichtete Ursula Funk. So wird die Polizei künftig bei Einsätzen direkt vor Ort auf das Projekt hinweisen und auch die Frauenberatungsstellen und Jugendämter informieren über das Hilfsangebot in ihrem Kontakt mit den Familien.

Doch nicht nur hier sollen die Informationsmaterialien künftig eingesetzt werden. Das Kinderschutz-Zentrum Westküste wird sie auch Schulen, Kindergärten, Jugendzentren und Schulsozialarbeitern zur Verfügung stellen.

So sollen betroffene Kinder und Eltern über möglichst viele Multiplikatoren auf das Angebot aufmerksam und das Dunkelfeld immer kleiner werden.

»Innerhalb der Präventionsarbeit zum Thema häusliche Gewalt ist es notwendig, Kinder und Jugendliche so gut wie möglich zu stärken. So soll verhindert werden, dass sie sich ihrerseits später in Paarbeziehungen begeben, in denen sich Erlebtes wiederholt.

Stattdessen sollen sie für ihre Kinder versorgende und schutzgewährende Elternteile sein. Angebote wie DrachenMut sind deshalb enorm wichtig für unsere Gesellschaft«, hielt Landrat Florian Lorenzen fest. Quelle: Kreis NF ++ Ende Meldung ++

Weitere Informationen

Flyer DrachenMut#kindernichtalleinelassen (hier klicken)

Fakten:

Im Jahr 2020 kam es zu 146.655 Fällen von partnerschaftlicher Gewalt, dabei wurden 139 Frauen und 30 Männer getötet.

Insgesamt gab es im Jahr 2020 782 Tötungsdelikte, wobei es in Polizei und Justiz mittler- weile seit Jahren zum Allgemeinwissen gehört, dass mindestens die Hälfte dieser Tötungsdelikte einmal mit partnerschaftlicher Gewalt begonnen hatte.

In Bezug auf betroffene Kinder wurden keine separaten Zahlen erhoben.

Allerdings ist festzustellen, dass mindestens jedes vierte Tötungsdelikt gegen ein Kind in Zusammenhang mit einer Trennung der Erziehungspersonen bzw. mit einem Streit ums Sorge- oder Umgangsrecht verbunden war.

Bei partnerschaftlicher Gewalt wird gegen Kinder ausgeübte Gewalt nicht separat erhoben.

Sie fließt in besonders schweren Fällen nach § 225 StGB unter dem allerdings bagatellisierenden Begriff „Kindesmisshandlung“ oder unter die „sonstigen Körperverletzungsdelikte“ in die Statistiken ein und kann so am Ende nicht mehr partnerschaftlicher Gewalt zugeordnet werden.

Laut polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) gab es in 2020 insgesamt 4542 polizeilich bekannt gewordene Fälle von Kindesmisshandlung.

Weitere Einzelheiten zu den mittelbaren und unmittelbaren Folgen partnerschaftlicher Gewalt finden sich hier.

*Adressen:

Kinderschutz-Zentrum Westküste
Husum
Neustadt 49
25813 Husum
Telefon 04841 691450

Kinderschutz-Zentrum Westküste
Heide
Markt 34
25746 Heide
Telefon 0481 6837307

Kinderschutz-Zentrum Westküste
Niebüll
Schmiedestraße 11
25899 Niebüll
Telefon 04661 901966

Kinderschutz-Zentrum Westküste
Marne
Schillerstraße 11
25709 Marne
Telefon 04851 9524029

Foto: O-Bild eines Kindes, das zuhause Zeuge von Gewalt war

Kreis Herzogtum Lauenburg: Geschichten und Geschicke 

Der Kreis Herzogtum Lauenburg ist ein Kreis im Bundesland Schleswig-Holstein und gehört zur Metropolregion Hamburg. Der Kreis ist der südlichste Kreis Schleswig-Holsteins.

Er grenzt im Nordwesten und Norden an den Kreis Stormarn und an die kreisfreie Stadt Lübeck,

im Osten an den Landkreis Nordwestmecklenburg und an den Landkreis Ludwigslust-Parchim, beide in Mecklenburg-Vorpommern,

im Süden auf der anderen Seite der Elbe an den Landkreis Lüneburg und an den Landkreis Harburg in Niedersachsen 

und im Westen an das Land Hamburg.

Der Kreis ist auch heute noch sehr waldreich und enthält mit dem Sachsenwald das größte zusammenhängende Waldgebiet Schleswig-Holsteins und mit dem Naturpark Lauenburgische Seen einen der ältesten Naturparks in Schleswig-Holstein.

Der Kreis war seit dem 14. Jahrhundert ein Herzogtum; nach der Angliederung an die preußische Provinz Schleswig-Holstein 1876 durfte der neue Kreis als Reminiszenz an seine Vergangenheit die Bezeichnung „Herzogtum“ weiterführen.

Sie hat sich bis heute im amtlichen Namen des Kreises erhalten. Verwaltungssitz des Kreises ist Ratzeburg, die größte Stadt ist Geesthacht.

Etwas Geschichte:

Das Kreisgebiet entspricht im Wesentlichen den nordelbischen Teilen des historischen Herzogtums Sachsen-Lauenburg.

In Nord-Süd-Richtung verlief hier im Frühmittelalter der Limes Saxoniae als Schutzstreifen des Sächsischen Reiches vor den Slawen.

Nach dem Aussterben der letzten askanischen Herzöge und einem langwierigen Erbfolgestreit fiel das Herzogtum zunächst 1702 an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg („Kurhannover“),

ab 1811 gehörte es als Teil des Département des Bouches de l’Elbe kurzzeitig zu Frankreich und fiel dann auf dem Wiener Kongress 1815 an das dänische Königshaus. Es wurde jedoch staatsrechtlich nie Teil Dänemarks, sondern war mit der dänischen Krone durch Personalunion verbunden.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 wurde es kurzzeitig von Österreich verwaltet und 1865 als Folge der Gasteiner Konvention in Personalunion mit Preußen vereinigt.

Der preußische König Wilhelm I. wurde als „Herzog von Lauenburg“ neuer Landesherr und der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck übernahm das Amt des „Ministers für Lauenburg“.

Am 1. Juli 1876 wurde das Herzogtum als „Landkreis Herzogtum Lauenburg“ in die preußische Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert. Als Nachfolger der Lauenburgischen Ritter- und Landschaft übernahmen Kreisausschuss und Landrat 1882 die Bestimmung im Lauenburgischen Landeskommunalverband, der seit 1872 über das Gros des ehemals landesherrlichen Vermögens verfügte.

Durch das Groß-Hamburg-Gesetz erhielt der Kreis am 1. April 1937 die mecklenburgischen Exklaven Domhof Ratzeburg, Hammer, Horst, Mannhagen, Panten und Walksfelde, die lübeckischen Exklaven Albsfelde, Behlendorf, Düchelsdorf, Giesensdorf, Groß Schretstaken, Harmsdorf, Hollenbek, Klein Schretstaken, Nusse, Poggensee, Ritzerau, Sierksrade und Tramm sowie von Hamburg die Stadt Geesthacht.

NSDAP-Kreisleiter war der schon 1928 der NSDAP beigetretene Hans Gewecke. Gewecke ließ in Lauenburg eine große Herberge für die Hitlerjugend bauen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Kreis Teil der britischen Besatzungszone. Durch Veränderung der Zonengrenze zwischen Großbritannien und der Sowjetunion im sogenannten Barber-Ljaschtschenko-Abkommen vom 13. November 1945 wurden die Nachbargemeinden Ratzeburgs, Ziethen, Mechow, Bäk und Römnitz, am 26. November 1945 dem Kreis Herzogtum Lauenburg zugeschlagen.

Sie gehörten bis dahin zum mecklenburgischen Kreis Schönberg (bis 1934 Teil von Mecklenburg-Strelitz) und kamen im Austausch gegen die lauenburgischen Gemeinden Dechow, Thurow (heute Ortsteil der Gemeinde Roggendorf) und Lassahn (heute Ortsteil der Stadt Zarrentin am Schaalsee) zur britischen Zone.

Diese Gebietsveränderung wurde auch nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 beibehalten.

Bisschen Kultur: Dreimal Kunst im Herzogtum Lauenburg

Ernst Barlach, einer der wichtigsten und bekanntesten Künstler des deutschen Expressionismus lebte als Kind und Jugendlicher in Ratzeburg. Zum 150. Geburtstag des Bildhauers im vergangenen Jahr hat die Stadt im Ernst-Barlach-Museum einen multimedialen Denkraum eröffnet.

Auch der bekannte Grafiker A. Paul Weber lebte von 1936 bis 1980 in Ratzeburg – seine Arbeiten zeigt das A. Paul-Weber Museum.

Eine der bedeutendsten Kunstfördereinrichtungen Schleswig-Holsteins ist das Künstlerhaus Lauenburg. Hier leben und arbeiten Stipendiaten unterschiedlicher Genres. Im historischen Gebäude im Herzen der Altstadt sind Besucher willkommen – häufig gibt es Lesungen, Ausstellungen oder Konzerte. www.herzogtum-lauenburg.de

Gemeinsam gegen Kindesmisshandlung – Deutscher Kinderverein macht mit emotionalem Film auf das erschütternde Thema aufmerksam

Die Zahlen erschüttern: Jeden dritten Tag stirbt ein Kind aufgrund von Misshandlung – meist durch die eigenen Eltern. Allein im Jahr 2020 sind in Deutschland 152 Kinder getötet worden und noch viel mehr erleben grausame Gewalt. Die Zahlen beweisen:

Kindesmisshandlung ist immer noch trauriger Alltag in unserem Land. Um Aufmerksamkeit auf das erschütternde Thema zu lenken, veröffentlicht der Deutsche Kinderverein anlässlich des Weltkindertages am 20.11.2021 einen Film, der auf emotionale Weise das Leid betroffener Kinder zeigt:

Rainer Rettinger, Geschäftsführer des Deutschen Kindervereins:

„Auch heute werden Kinder im eigenen Zuhause, das eigentlich ein sicherer Ort sein sollte, getreten, geschlagen und gequält. Eine Vorstellung, die selbst für Erwachsene nicht auszuhalten ist, weshalb viele Menschen die Augen vor dem Thema verschließen. Unser Ziel ist es, mit diesem emotionalen Film die Augen der Menschen zu öffnen.“ 

Dass Kindesmisshandlung immer noch ein Tabuthema ist, zeigt auch der Entstehungsprozess des Films, welcher von der Kreativagentur Scholz & Friends und dem Filmproduzenten Kai Ole Petersen entwickelt und produziert wurde.

Ein Team aus fast 30 Freiwilligen aus der Werbe- und Filmbranche arbeitete mit vollem Einsatz daran das Thema möglichst authentisch in einem Film umzusetzen. Dazu wurde im Team offen über eigene Erfahrungen gesprochen. Das traurige Resultat: Einige der Mitwirkenden waren selbst von Kindesmisshandlung betroffen. 

Zunächst produzierte das Team den Film, ohne seinen Absender zu kennen. Dazu André Sternberg, Head of Creation bei Scholz & Friends: „Wir wollten einen Film machen, der möglichst viel Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Thema wirft. Mit dem Deutschen Kinderverein haben wir einen Absender gefunden, der sich seit Jahren für den Schutz von Kindern einsetzt und in diesem Bereich ein wichtiger Impulsgeber ist.“ 

Der Name des Films „Die Bedrohte Art“ ist angesichts der hohen Anzahl von Kindesmisshandlungen ein treffender Titel. Außerdem ist der Film während des Lockdowns entstanden. So belegen die Zahlen aus 2020 (angezeigte Fälle) und mehrere Studien eine Zunahme der Gewalt gegen Kinder während des Corona-Lockdowns und sind sicher noch häufiger unbemerkt geblieben.

Quelle: Deutscher Kinderverein: Der DKV will bundesweit als kompetente Leitstimme agieren und als Impulsgeber die Aufgabe als Kinderlobbyist gegen Kindesmisshandlung, Verwahrlosung, Vernachlässigung und Sexuelle Gewalt wahrnehmen. Er steht für einen kindzentrierten Kinderschutz. Link

Literaturempfehlungen:

Michael Tsokos & Saskia Guddat – Deutschland misshandelt seine Kinder (Link)

Sven Fuchs – Die Kindheit ist politisch!: Kriege, Terror, Extremismus, Diktaturen und Gewalt als Folge destruktiver Kindheitserfahrungen (Link)

Herbert Renz-Polster – Erziehung prägt Gesinnung: Wie der weltweite Rechtsruck entstehen konnte – und wie wir ihn aufhalten können (Link)

Ingrid Müller-Münch – Die geprügelte Generation: Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen (Link)

Lloyd deMause – Hört ihr die Kinder weinen: Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit (Link)

Lloyd deMause – Das emotionale Leben der Nationen (Link)

Alexander Markus Homes – Von der Mutter missbraucht: Frauen und die sexuelle Lust am Kind (Link)

Mariella Mehr – Daskind – Brandzauber – Angeklagt: Romantrilogie (Link)

Mariella Mehr – Steinzeit (Link)

Andreas Altmann – Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend  (Link)

Markus Breitscheidel – Nicht auf den Kopf!: Meine persönlichen Erfahrungen mit Gewalt in der Familie (Link)

Manfred Bieler – Still wie die Nacht: Memoiren eines Kindes (Link)

Carl-Heinz Ballet – Untertan Kind. Nachforschungen über Erziehung.

Linktipp:

Blog Sven Fuchs: Kriegsursachendestruktive Politik und Kindheit Das weltweiteenorme Ausmaß vielfältiger Gewalt gegen Kinder und die An- oder auch Abwesenheit von … Kriegsursachendestruktive Politik und Kindheit.(Link)

Alice Miller – Website der 2010 verstorbenen Kindheitsforscherin (Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch)

Herbert Renz-Polster – Website und Blog „Kinder verstehen“: Auf der Webseite des Kinderarztes, Wissenschaftlers und Autors Dr. Herbert Renz-Polster finden sich Informationen rund um die kindliche Entwicklung, die kindliche Gesundheit sowie zu Erziehungsfragen. Zentral stehen dabei die alltäglichen Fragen der Eltern – etwa zum Schlafen, zum Essen, zum Stillen oder zur Förderung und Bildung der Kinder. Bei kontroversen Fragen bezieht er eindeutig Stellung. (Link)

Artikel zum Thema im Blog:

SEXUELLE GEWALT DURCH FRAUEN -FORSCHUNGSPROJEKT LIEFERT ERKENNTNISSE ÜBER PSYCHISCHE FOLGEN (Link)

FEMIZID – WENN MÄNNER FRAUEN TÖTEN (Link)

TRAUMAFOLGEKOSTEN FÜR DEUTSCHLAND: 11 MILLIARDEN EURO (Link)

Foto: Symbol, Kind hat Angst, Archivaufnahme, 1972

Husumerin Dörte Hansen wird neue Mainzer Stadtschreiberin 

Zum 37. Mal vergeben: Stadtschreiber-Literaturpreis des ZDF, 3sat und der Landeshauptstadt Mainz /

Die Schriftstellerin Dörte Hansen wird Mainzer Stadtschreiberin des Jahres 2022. Die Autorin, 1964 in Husum in Nordfriesland, geboren, ist damit die 37. Trägerin des von ZDF, 3sat und der Stadt Mainz vergebenen Literaturpreises.

Gemeinsam mit dem ZDF wird die Schriftstellerin eine Dokumentation nach freier Themenwahl produzieren und zeitweilig die Stadtschreiberwohnung im Mainzer Gutenberg-Museum beziehen.

Die Verleihung des mit 12.500 Euro dotierten Preises ist für Anfang März 2022 geplant.

Die Jury:

„Dörte Hansen wird von Leserinnen und Lesern, Literaturkritikerinnen und -kritikern gleichermaßen geliebt und gelobt.

Hansen beherrscht es meisterlich, in ihren Romanen unsentimental und lebensnah davon zu erzählen, wie es ist, sich nach der ländlichen Heimat zu sehnen und zugleich von ihr davonlaufen zu wollen.

Dörte Hansen schreibt keine Heimatidyllen, sondern eher bitterzarte Dorfromane in einer Welt, die zu verschwinden droht.“

Über die Autorin:

Nach dem Abitur studierte Hansen an der Uni Kiel Soziolinguistik, Anglistik, Romanistik und Frisistik. In Hamburg wurde sie 1994 mit einer soziolinguistischen Arbeit promoviert.

Viele Jahre arbeitete Hansen als Journalistin für Hörfunksender der ARD sowie für diverse Zeitschriften und bis 2012 als Kulturredakteurin bei NDR Info.

2015 errang sie mit ihrem ersten Roman „Altes Land“ einen Millionenerfolg. Die Geschichte um eine junge Frau, die auf der Flucht aus Ostpreußen versucht, im Alten Land heimisch zu werden, wurde 2020 unter der Regie von Sherry Hormann für das ZDF verfilmt.

Ihr zweiter Roman „Mittagsstunde“ (2018) erzählt die Geschichte eines nordfriesischen Straßendorfs von den 1960er-Jahren bis in unsere Gegenwart. Auch dieses Buch wurde zum Bestseller. Anna-Sophie Mahler inszenierte es 2021 in einer musikalischen Bühnenfassung für das Hamburger Thalia Theater. Eine Kinoverfilmung unter der Regie von Lars Jessen in Ko-Produktion mit dem ZDF ist zurzeit in Arbeit.

Dörte Hansen wurde bereits mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrer Familie in Husum.

Foto: Dörte Hansen / Bildrechte: ZDF / Fotograf: Sven Jaax