Von Kalifornien nach Brasilien – die Welt zuhause in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein an nur einem Tag auf Weltreise gehen? Kein Problem. Von Kalifornien nach Russland – ein Katzensprung. Und auch von Norwegen nach Brasilien ist es nicht besonders weit. Hier ein paar Tipps:

Nordsee
England auf Nordstrand

England gehört zu der nordfriesischen Halbinsel Nordstrand. Die Bezeichnung des Ortes stammt aus dem Plattdeutschen: Einst hieß der Fleck „Enges Land“ und bezeichnete den kleinen Hafen. Aufgrund des doch sehr besonderen Namens wurde das Ortsschild von England in der Vergangenheit bereits öfter geklaut, sodass es mittlerweile extra fest montiert ist. www.nordstrand.de/ 

Rund um die Welt in Welt
Auf Weltreise gehen ganz ohne Stress. Nichts leichter als das. In Nordfriesland auf der Nordsee-Halbinsel Eiderstedt liegt die kleine Gemeinde Welt. Da der Ort nur etwa 230 Einwohner hat, die auf zirka acht Quadratkilometern leben, ist es hier ein Leichtes, in kürzester Zeit einmal durch die ganze Welt zu reisen – sogar zu Fuß – und das ist wohl einmalig! www.gemeinde-welt.de

„Feuerland“ in Büsum
Der Expeditionskutter „Feuerland“, mit dem der berühmte „Flieger von Tsingtau“ am 23. November 1927 in See stach, wurde in Büsum gebaut. Gunther Plüschow war Pilot, Kapitän und Buchautor zugleich. Durch seine im Ullstein-Verlag erschienenen Kriegstagebücher „Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau“ wurde Plüschow mit über 700.000 verkauften Exemplaren zum Nationalhelden.

Als erster Pilot erkundete er Feuerland aus der Luft und brachte Fotos und Filmmaterial von den lebensgefährlichen Einsätzen mit. Der Kutter, mit dem er nach Feuerland aufbrach, steht heute als Kulturdenkmal in Flensburg auf der Museumswerft und soll wieder instand gesetzt werden. Mehr über den waghalsigen Pionier Gunther Plüschow erfahren Büsum-Besucher im museum am meer. www.museum-am-meer.de


Ostsee und Holsteinische Schweiz
Von Kalifornien nach Brasilien

In fünf Minuten von Kalifornien nach Brasilien? Ist das möglich? Ja – und sogar zu Fuß! Das Ostseebad Schönberg umfasst mehrere Strandabschnitte, darunter auch Kalifornien und Brasilien. Zu ihrem Namen kamen

sie, weil ein Fischer einst eine morsche Planke mit dem Schriftzug „California“ fand und das Stück Holz an seine Haustür nagelte. Ein zweiter Fischer wollte mithalten und schrieb „Brasilien“ auf ein Holzstück. Und so blieb es bei diesen exotischen Namen. Zurzeit hat der Strandabschnitt Kalifornien 426, Brasilien nur 19 Einwohner. www.schoenberg.de

Rußland auf Schwansen
Taiga und Tundra sind weit, aber ein bisschen erinnert das Moor Rußland an die weiten Landschaften seines riesigen Namensvetters. Dabei ist es ein etwa 150 Hektar großes Hochmoor, gelegen zwischen Holzdorf, Waabs

und Loose auf der Halbinsel Schwansen. Der Name „Rußlandmoor“ stammt von der kleinen Siedlung „Rußland“ am nordöstlichen Rande des Moores ab, an der sich um 1820 ein russischer Einwanderer angesiedelt haben soll. www.ostseefjordschlei.de/entdecken/aktiv-in-der-natur/besondere-orte-im-gruenen/gruene-orte/

Norwegen in Angeln
Oslo ist weit und von Fjorden keine Spur. Trotzdem sind wir in Norwegen. Der Ort mit dem Namen des skandinavischen Landes ist ein Dreiseithof in der Gemeinde Mohrkirch. Im Wohnhaus, 1886 von Landwirt Jacob Thomsen gebaut, hat die Familie Waterhues ihr Domizil.

Im Dachgeschoss des Wohnhauses sind zwei Ferienwohnungen eingerichtet. Außerdem können Urlauber hier Reitkurse buchen oder ein Pferd ausleihen. Den Namen „Norwegen“ erhielt der Hof von einem Weg, dem „Norderweg“, der hier früher entlangführte. Im Volksmund entwickelte sich daraus später der „skandinavische Begriff“ Norwegen. www.hof-norwegen.de/


Binnenland
Grönland bei Glückstadt

Ist Grönland 3.000 Kilometer von Schleswig-Holstein entfernt? Nein. Denn von Glücksstadt aus sind es nur zehn Kilometer und schon steht man mitten im Dörfchen Grönland. Eisfrei, aber trotzdem nicht leicht zu erreichen.

Denn um zum Namensdoppelgänger zu gelangen, geht es erstmal durch die Hölle. Der Grillchaussee folgen, dann durchs Fegefeuer und erst jetzt ist Grönland erreicht. Den Namen hat der Ort übrigens von der grünen Umgebung der Elbmarschen. www.glueckstadt-tourismus.de

Sibirien bei Elmshorn
Während es im „richtigen“ Sibirien eiskalt ist und Reisende oft nur mühsam von Ort zu Ort gelangen, geht es in Sibirien bei Elmshorn sehr gemütlich zu. Der Name für den Ortsteil stammt sehr wahrscheinlich aus dem

Volksmund und bezeichnet ein vor einhundert Jahren einsam gelegenes Grundstück mit Moor-, Wald- und Heideflächen. Heute befindet sich in Sibirien ein beliebtes Ausflugslokal mit Minigolfanlage – ein schönes Ziel für eine Fahrradtour. www.sibirien-elmshorn.dewww.holstein-tourismus.de/de/erlebnisse/fuer-aktive/radfahren/tagestouren.html

Foto: © Amtsarchiv Büsum-Wesselburen

Die Geheimnisse der Schiffsmodelle: St. Clemens Kirche in Büsum

Schiffsmodelle hängen nicht ohne Grund in einer Kirche an der Küste. Ob Walfangschiff, Kriegsfregatte oder schnittiger Seebäder-Dampfer – sie sind mehr als Schmuck. Sie hängen oder stehen dort zum Dank und aus Dankbarkeit, sicher auch zum Repräsentieren von Person, Familie oder Gilde. Wähnten sich Seefahrer sicherer auf See, wenn sie der Heimatgemeinde ein Schiff spendierten? Sie zeigen Verbundenheit ebenso wie Zusammenhalt. Die Kirche ein sicherer Hafen in schwerer Zeit.

Büsum war einst eine Insel und Seefahrt prägt das Nordsee-Heilbad bis heute. Vor knapp 900 Jahren wurde ein Ort an dieser Küste erstmals erwähnt und einen Hafen dürfte es seit dieser Zeit geben. Nicht nur die Schifffahrt bestimmte und bestimmt das Bild in Büsum, über Jahrhunderte tat dies auch die Nordsee – und zwar tiefgreifend, grundlegend, prägend. Ortsbild und Charakter, die schöne Atmosphäre von Büsum, bestimmt die Nordsee bis heute.

Sturmfluten verschlangen einst ganze Ortsteile der mittelalterlichen Siedlung. Auch der Geist des heiligen St. Clemens, immerhin Schutzpatron der Schiffer und Küstenbewohner, half nicht immer – um 1280 wurde ihm die Kirche von Büsum geweiht, rund 80 Jahre später ging sie in einer mörderischen Jahrtausendflut unter.

Wer durch die historischen Gassen von Büsum spaziert, merkt, dass es ein wenig aufwärts geht zur Kirche von St. Clemens, sie liegt auf einer Wurt, einem aufgeschütteten Hügel. Manches Mal suchten die Menschen bei Sturmflut Zuflucht in der Kirche, und St. Clemens aber hielt Stand und Versprechen.

Es ist eine schöne Kirche, alt und ehrwürdig, eine, die auch von Seefahrt erzählt. Im Kirchspielsiegel übrigens trägt St. Clemens einen Anker. Die Bronzetaufe gilt als ältestes Inventar, sie ist rund 700 Jahre alt, und wurde vom Freibeuter Cord Widderich nach Büsum verbracht – er nahm sie während eines Beutezuges von anderswo mit.

Von Büsum in Dithmarschen fuhr er, der Dithmarscher Freibeuter, los auf Kaperfahrt, nach Büsum kehrte er zurück. Vielleicht ein wenig geläutert. Und in Büsum hängt auch ein Schiff in der Kirche: Das Modellschiff ist rund 180 Zentimeter lang und es trägt den Namen Der milde Herbst.

Der Autor Rainer Thun berichtet in seinem Buch „Die St.-Clemens-Kirche zu Büsum“, dass Pastor Gazert es im Jahre 1807 als Abschiedsgeschenk von seiner Gemeinde auf Föhr bekam. Der Pastor ließ das Schiff in die Büsumer Kirche hängen.

Zwar sehe es aus wie ein (dänisches) Kriegsschiff, aber es könne sich ebenso gut um ein Handelsschiff mit Kanonenbestückung handeln – so sei eine Verteidigungsmöglichkeit an Bord doch allemal besser gewesen als eine Versicherung.

Oft wurden solche Modelle von Schiffergilden gestiftet und der Kirche mitsamt Segenswunsch vermacht, die Besatzung fühlte sich dann auf ihrem echten Schiff sicherer wenn sie das Modell samt Gelübde im sicheren Hafen ihrer heimatlichen Kirche wähnte. Kanonen an Bord aber konnten nicht schaden und gegen die Gewalt der See half der gute Glauben.

Foto: Ein Schiffsmodell hängt in der St. Clemens Kirche in Büsum | (C) Tourismus Marketing Service Büsum GmbH