Orkan Adolph-Bermpohl: Der schwerste Sturm in der Deutschen Nordsee seit Beginn der Aufzeichnungen

Der schwerste Orkan in der deutschen Nordsee seit Beginn der Aufzeichnungen: Der Adolph-Bermpohl-Orkan führte 1967 zu Chaos und Verwüstung. Doch wie konnte es zu solch schweren Schäden kommen? Ein Blick auf die damaligen Herausforderungen in der Unwetterwarnung und das Krisenmanagement der Behörden. Zudem werfen wir einen Blick auf die Auswirkungen auf die Schifffahrt und die verheerenden Folgen für die Küstenregionen. Ein Sturm, der bis heute unvergessen ist

Am 23. Februar 1967 fegte der Adolph-Bermpohl-Orkan über die Nordsee. Ursprünglich als Tief Xanthia bekannt, erhielt der Orkan später seinen Namen vom Seenotrettungskreuzer Adolph Bermpohl, der während des Sturms verunglückte. Bei dem Unglück kamen die gesamte vierköpfige Besatzung des Kreuzers sowie drei zuvor gerettete niederländische Fischer ums Leben. 

Der Orkan erreichte Rekordwindgeschwindigkeiten über der Nordsee, die über mehrere Stunden hinweg im Durchschnitt 149,4 km/h betrugen. Dieser Spitzenwert wurde auf Helgoland bis heute nicht wieder erreicht. Das Orkantief, das den Sturm auslöste, wurde aufgrund seiner südlichen Zugbahn, die über die südliche Nordsee nach Jütland führte, als Schnellläufer eingestuft.

Herausforderungen in der Unwetterwarnung der 1960er-Jahre

In den 1960er-Jahren waren die Informationstechnologie und die Versorgungsinfrastruktur noch nicht so weit entwickelt wie heute. Die Behörden verfügten über Telefon, Sprechfunk und Fernschreiber, die Bevölkerung nur über Radio und Fernsehen. Bei Unwettern kam es auf dem Land und in Teilen der Städte zu Stromausfällen. Dies machte eine Warnung der Bevölkerung über Radio und Fernsehen schwierig.

Auch die Wettervorhersage war noch nicht so genau wie heute. Wetterbeobachtungen erfolgten auf See und wurden per Sprechfunk weitergeleitet. Dies führte dazu, dass Unwetterwarnungen oft erst zu spät herausgegeben werden konnten, wenn das Unwetter bereits die betroffene Region erreicht hatte. Dies führte zu Überraschungen und zu schweren Schäden.

Probleme bei der Vergleichbarkeit von Orkanen

Der Adolph-Bermpohl-Orkan gilt als schwerster Orkan in der Deutschen Nordsee seit Beginn der Aufzeichnung. Ein direkter Vergleich mit anderen Orkanen ist jedoch schwierig, da die Windmessung in den 1960er-Jahren noch nicht so genau war wie heute.

Auf See wurde die Windstärke damals anhand der Beaufort-Skala qualitativ erhoben. An Land wurden Windgeschwindigkeiten mit Anemometern gemessen, aber diese Modelle waren bei extremen Windgeschwindigkeiten begrenzt. Sie konnten nur Windgeschwindigkeiten von bis zu 158 km/h erfassen.

Daher ist es nur möglich, die Windgeschwindigkeiten des Adolph-Bermpohl-Orkans mit anderen Orkanen zu vergleichen, die ebenfalls mit Anemometern mit einer Messgrenze von 158 km/h gemessen wurden.

Krisenmanagement

Im Gegensatz zur Sturmflut 1962 waren die zuständigen Behörden in der Hansestadt Hamburg auf eine möglicherweise gefährliche Situation vorbereitet; hier wie auch in Flensburg und Husum wurde Katastrophenalarm ausgelöst.

Die gefährdeten Wohngebiete auf der Veddel und in Waltershof sowie in Finkenwerder wurden rechtzeitig evakuiert, an anderen Orten war eine Evakuierung vorbereitet. Deichbrüche konnten in Hamburg verhindert werden.

Schäden an den Küsten von Schleswig-Holstein

Der in seiner Stärke bis dahin beispiellose Orkan führte an der gesamten deutschen Nordseeküste zum Ausfall des Tideniedrigwassers. Statt zu fallen, stiegen die Wasserstände an den Pegeln nach dem Mittagshochwasser noch weiter an. Diese Entwicklung an den Pegeln führten sowohl bei der Bevölkerung als auch bei den verantwortlichen Behörden für große Bestürzung.

Obwohl die Sturmflut bei weitem nicht die Höhe erreichte wie die Februarflut 1962, kam es an den seitdem noch nicht verstärkten bzw. gerade fertiggestellten Deichen zum Teil zu schweren Schäden.

Kreise Nordfriesland / Dithmarschen

Besonders betroffen waren hierbei die Seedeiche vor dem Finkhaushalligkoog (bei Husum), dem Christianskoog und der Elbdeich bei Brunsbüttel. Auf Sylt kam es zu großen Dünenabbrüchen.

Kreise Pinneberg und Steinburg

Zu Überflutungen kam es auch in den ebenfalls noch nicht von Sperrwerken geschützten Flussgebieten von Pinnau, Krückau und Stör. Auf Grund der exponierten Lage der Flussmündungen wurden hier ähnliche Wasserstände erreicht wie bei der Sturmflut 1962. In Elmshorn wurde die Innenstadt überflutet. Zu Überflutungen kam es auch in Uetersen und Itzehoe.

Hamburg

Schwere Schäden entstanden auch in den vor den Hauptdeichen gelegenen und damals noch nicht durch Hochwasserschutzwände gesicherten Hafen- und Industriegebieten an Weser und Elbe.

In Hamburg gelang es Einsatzkräften einen beginnenden Bruch des Elbdeichs bei Kirchwerder zu verhindern. Auch an den Deichabschnitten an der Süderelbe sowie im Stromabschnitt zwischen Hamburg und Geesthacht kam es zu kritischen Situationen, Deichbrüche konnten jedoch durch die rechtzeitig eintreffenden Einsatzkräfte verhindert werden.

Schäden im Binnenland

Im Binnenland kam es zu schweren Verwüstungen. Allein in Hamburg starb Mensch und etwa 60 wurden verletz. In den Innenstädten wurden zahllose Schaufensterscheiben durch den enormen Winddruck zerstört.

In Schleswig-Holstein musste auf Grund der schweren Sturmschäden Katastrophenalarm ausgelöst werden; Schwerpunkt der Schäden waren dabei die nördlichen Landesteile, insbesondere Flensburg.

Im damaligen Landkreis Husum wurden 75 Prozent der Gebäude schwer beschädigt, mehrere Bauernhäuser wurden durch den Sturm vollständig zerstört.

Im Fährhafen Puttgarden (Fehmarn) wurden mit Kraftfahrzeugen beladene Güterwagen vom Sturm in Bewegung gesetzt und stürzten in den Hafen. Auf Grund der schweren Sturmschäden kam der Verkehr in Schleswig-Holstein fast vollständig zum Erliegen.

Auswirkungen auf die Schifffahrt

Aufgrund unzureichender Wettervorhersagen wurden Schiffe auf See von dem plötzlich aufkommenden Orkan überrascht. Mindestens 44 Seeleute starben, darunter die Besatzung des Seenotkreuzers Adolph Bermpohl, der bei dem Versuch, einen Havaristen zu retten, selbst sank.

Quellen / Weiterführende Informationen

 Das Unglück der „Adolph Bermpohl“. NDR, 23. Februar 2017

Simone Viere, Thomas Morell: Helgoland erinnert an den Untergang der „Adolph Bermpohl“.

Prager, Hans-Georg (2012): Retter ohne Ruhm: Das Abenteuer der SeenothilfeErfurt: 106

Hamburger Abendblatt Nr. 47 vom 24. Februar 1967

Beitragsbild: Symbol vom Ostseesturmhochwasser 2023

Autor: Willi Schewski

Freier Presse- & Agenturfotograf, Videojournalist & Blogger. Was? #Geschichte #Psychohistorie #News. Wo? #SchleswigHolstein, #Hamburg (und den Rest der Welt)

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