Marie Norden: Die Vergessene Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts

Das Leben von Friederike Marie Ernstine Wolfhagen, die 1812 in Tönning geboren wurde, ist beinahe vergessen. Doch in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs und politischer Veränderungen fand sie ihren eigenen Weg als Schriftstellerin. Unter dem Pseudonym Marie Norden veröffentlichte sie historische Romane und setzte sich für die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen ein. Mit ihrem politischen Engagement und literarischen Schaffen hinterließ sie ein bedeutendes Erbe, das wir neu entdecken sollten.

Sie ist heute fast vergessen, die am 13. November 1812 in Tönning (damals Herzogtum Schleswig, heute Kreis Nordfriesland) zur Welt gekommene Friederike Marie Ernstine Wolfhagen, auch als Marie Norden bekannt. Emanzipatorisch, sozialkritisch, patriotisch – Friederike Wolfhagen verteidigte schreibend ihre Ideale und kämpfte mit literarischer Beharrlichkeit für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit.

Eine Schriftstellerin muss sich gefallen lassen, für ihre Producte die hochmüthige Geringschätzung vieler Menschen hinzunehmen, welche nichts von Damen Geschriebenes lesen, sie hören auch von manchen Geschlechtsgenossinnen, daß sie selten Bücher von Damen in die Hand nehmen, da diese ihnen nicht genügen

Friederike Marie Ernstine Wolfhagen stammte aus einer wohlhabenden bürgerlichen Familie. Ihr Vater war Advokat und Bürgermeister, ihre Mutter starb, als sie 16 Jahre alt war. Sie erhielt eine private Ausbildung, die sie nach Kopenhagen führte.

Dort widmete sie sich autodidaktischen Studien, insbesondere den Wissenschaften und der Ästhetik. Sie litt seit ihrem achten Lebensjahr an Kopfschmerzen, die ihre Gesundheit schwächten. In den 1840er-Jahren pflegte sie ihre Eltern und veröffentlichte Romane, von denen sie gut leben konnte.

Der literarische Beginn und das Streben nach finanzieller Unabhängigkeit

Mit 24 Jahren veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Marie Norden ihre ersten drei historischen Romane. Später widmete sie sich dem Thema der finanziellen Unabhängigkeit von Frauen, die ihren eigenen Weg durch selbstständige Arbeit suchten.

Nachdem ihr Vater aus gesundheitlichen Gründen als Bürgermeister zurücktrat, zog die Familie nach Wandsbeck. Dort trug sie nach seinem Tod mit ihren Schriften zum Lebensunterhalt der Familie bei.

Sollte das weibliche Wesen getadelt werden, wenn es die Feder in die Hand nimmt, weil es mit ihr mehr gewinnen kann als mit der Nadel?

Die Bestimmung der Frauen, 1849

Engagement in der Märzrevolution und Kritik am dänischen Königreich

Im Jahr 1848 zog sie mit ihrer Mutter und einer unverheiratet gebliebenen Schwester nach Dresden und engagierte sich in Aufsätzen für die Demokratiebewegung während der Märzrevolution. In ihren Abhandlungen „Die Friedensfrage in Schleswig-Holstein“ und dem historischen Roman „Die Dänen hinter dem Danewerk“ kritisierte sie das dänische Königreich.

In der brisanten Schleswig-Holstein-Frage, die spätestens 1848/49
zum Symbol für das Streben nach nationaler Einheit avancierte, positionierte sich Friederike Wolfhagen politisch eindeutig und kompromisslos (1):

Sie war nicht nur Demokratin, sondern auch Patriotin, die aus ihrer Gesinnung niemals einen Hehl machte, hier aber vorsichtig agieren musste. Sie blieb ihrer Position auf der Seite der deutsch gesinnten National- und Verfassungsbewegung mit einer gelegentlich offen dänenfeindlichen Haltung treu.

Während dieser Zeit wurde ihr jüngerer Bruder, der als Polizeimeister in Friedrichstadt tätig war, von dänischen Truppen verhaftet. Sie schloss bald Freundschaft mit der sozialdemokratischen Schriftstellerin Louise Otto (2) und schrieb Beiträge für eine von ihr herausgegebene Frauenzeitschrift (3),

bis diese aufgrund des Pressegesetzes verboten wurde, das Frauen die Leitung einer Redaktion untersagte. Privates Glück fand Friederike Wolfhagen nicht, zumindest nicht im klassischen Sinn einer Ehe und Familie (4).

Trotz gesundheitlicher Probleme veröffentlichte sie alle ein bis zwei Jahre ein weiteres Buch bis zu ihrem Tod am 3. Juli 1878.

Quellen / Weiterführende Informationen

(1) Norden, Marie: Die Friedensfrage in Schleswig-Holstein, in: Kühne, Gustav (Hg.): Europa. Chronik der gebildeten Welt, 2. Halbjahr, Nr. 43, 19.8.1848, S. 196–171, Nr. 44, 21.8.1848, S. 173 ff; Nr. 45, 22.8.1848, S. 177 ff; Nr 46, 23.8.1848, S. 182 ff; Freund: „Mag der Thron“, S. 446 ff.; dies.: Eine „Augenzeugin des Maiaufstandes“, in: Akteure, S. 467 ff.

Weitere, ausführliche Informationen über Marie Norden, hier: Digitales Deutsches Frauenarchiv

(2) Louise Otto-Peters (1819-1895) war eine deutsche Schriftstellerin, Journalistin und Aktivistin, die eine Schlüsselrolle in der frühen deutschen Frauenbewegung spielte. Geboren in Meißen, Sachsen, erlebte Otto-Peters aus erster Hand die sozialen und politischen Einschränkungen, denen Frauen ihrer Zeit unterlagen.

Dies motivierte sie dazu, sich als lautstarke Fürsprecherin für die Rechte der Frauen zu engagieren und mit ihrem Schreiben und Aktivismus den Status quo in Frage zu stellen.

Otto-Peters begann ihre literarische Karriere mit dem Schreiben von Romanen und Gedichten, oft unter Pseudonymen, um Zensur zu vermeiden.

1849 gründete sie die „Frauen-Zeitung“ (3), eine der ersten deutschen Publikationen, die sich den Frauenfragen widmete. Durch die Zeitschrift behandelte Otto-Peters ein breites Spektrum von Themen, darunter Frauenbildung, Beschäftigung und Rechtsansprüche.

1865 gründete Otto-Peters den Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF), den ersten nationalen Frauenverein in Deutschland. Der ADF kämpfte für die Rechte der Frauen in verschiedenen Bereichen, darunter Bildung, Arbeit und Politik. Otto-Peters war bis zu ihrem Tod 1895 Präsidentin des ADF.

Otto-Peters‘ Beiträge zur deutschen Frauenbewegung waren bedeutend. Sie half, die Aufmerksamkeit auf die Frauenfragen zu lenken, traditionelle Geschlechterrollen in Frage zu stellen und den Grundstein für zukünftige Generationen von Feministinnen zu legen. Ihr Vermächtnis lebt im fortwährenden Kampf für die Geschlechtergerechtigkeit weiter.

(4) Scheve: Phrenologische Frauenbilder, S. 197; Therese Wolfhagen an Franz Brümmer, Staatsbibl. Berlin, S. 3.

Beitragsbild: H. Wolfhagen: Portraetter af Slegten Wolfhagen, Kopenhagen 1913

Nachtrag: Text erweitert und korrigiert am 13.11.23, 10.45 h

Autor: Willi Schewski

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