Ausstellung in Kiel: Elmschenhagen während der NS-Herrschaft

Die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs, die Zerstörung von Humanität, Demokratie und Freiheit durch die Nazis, hat sich auch in Elmschenhagen zugetragen.
Diese Zeit dem Vergessen in unseren Stadtteilen zu entreißen, diese wichtigen historischen Ereignisse für die heutige Gesellschaft – auch fast acht Jahrzehnte nach dem Kriegsende – sichtbar und sie so für ihre Debatten und Zukunftsentwürfe verfügbar zu machen, ist das Ziel einer Ausstellung, die am 3. November in der Maria- Magdalenen-Kirche eröffnet wird

Erstmals wird die Geschichte des Kieler Stadtteils Elmschenhagen zwischen 1933 und 1945 in einer Wanderausstellung dokumentiert. Erstellt vom Runden Tisch gegen Rassismus und Faschismus Elmschenhagen, zeigt die Wanderausstellung auf fast 30 Tafeln die Geschichte der bis 1939 noch eigenständigen Landgemeinde Elmschenhagen.

Themen sind etwa der Wandel von einer „Hochburg der Sozialdemokratie“ zum Teil der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“, der Bau der neuen Wohngebiete für die Familien der Arbeiter der Kriegsmarinewerft, rassistische Verfolgung, Kriegsgefangenschaft, Zwangsarbeit und Bombenangriffe.

In einzelnen biografischen Beispiele geht es zudem um Themen aktive Unterstützung, Mitläufertum und Widerstand. Das Foto zeigt einen Umzug in Elmschenhagen im Nationalsozialismus, das Aufnahmedatum ist unbekannt.

Heute gibt es in Kiels Stadtteilen nur noch wenige bauliche Zeugnisse dieser Zeit, die kaum noch als solche erkannt werden.

Veranstaltungen oder andere Projekte, die an die Zeit der NS- Herrschaft erinnern, gibt es kaum. Aber auch in Elmschenhagen und Kroog wurden Menschen ausgegrenzt, entwürdigt, mit Gewalt bedroht und ihrer Freiheit beraubt.

Auch hier wurden demokratische Werte und Strukturen zerschlagen, waren die Gräuel des Krieges direkt erfahrbar, gab es Luftangriffe mit Toten, Verletzten und Bombenschäden.

Doch es gab auch Menschen, die sich dieser Enthumanisierung des Lebens entgegenstellten, die unter schwierigsten Umständen individuelle Freiräume für solidarisches Handeln nutzten und für Freiheit und den Schutz von Menschen eintraten.

Die Ausstellung zeigt exemplarisch – auch an biographischen Beispielen – die Realität der Jahre 1933 bis 1945. Sie dokumentiert u.a. den Bau der Gartenstädte und die Umbenennungen der Straßennamen, das Leben der Zwangsarbeiter- / innen und Kriegsgefangenen in den Lagern, die Veränderungen des gesellschaftlichen Lebens, den Umgang von Pastoren und Künstlern mit dem Nationalsozialismus.

Ausstellungseröffnung: Freitag, 3. November, 18.30 Uhr, Maria-Magdalenen-Kirche

Zur Eröffnungsfeier werden Pröpstin Almut Witt und Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer erwartet. In die Ausstellung wird der Hamburger Historiker Frank Omland vom Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein (AKENS) einführen.

WO? Wann?

Die Ausstellung „Elmschenhagen während der Naziherrschaft 1933–1945“ ist vom 4. bis 23. November 2023 in der Maria-Magdalenen-Kirche in Elmschenhagen-Süd zu sehen (Im Dorfe 1, 24146 Kiel).

Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 14:00 bis 18:00 Uhr, Samstag und Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr.

Zur Trinitatisgemeinde Kiel gehören die
drei Kirchen: Maria-Magdalenen-Kirche, Stephanuskirche, die Weinbergkirche und drei Gemeindezentren, die im Januar 2002 fusionierten. Die Gemeinde umfasst die etwa 7.000 evangelisch-lutherischen Christinnen und Christen der Stadtteile Elmschenhagen, Kroog, Wellsee und Rönne. https://www.trinitatis-kiel.de

Beitragsfoto: Umzug in Elmschenhagen im Nationalsozialismus, das Aufnahmedatum ist unbekannt, ebenso der Urheber. Quelle Trinitatisgemeinde Kiel

Autor: Willi Schewski

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