1. Juli 1890: Helgoland wird im Tausch gegen Kolonien deutsch

Der 1. Juli 1890 ist ein geschichtsträchtiger Tag für Helgoland. An diesen Tag wurde der Vertrag über die Kolonien und Helgoland zwischen dem Deutschen Reich und dem Vereinigten Königreich unterzeichnet. Die Briten übergaben Helgoland an das Deutsche Reich, während das Vereinigte Königreich im Gegenzug gewisse Gebiete in Ostafrika an das Deutsche Reich abtrat. Die offizielle Übergabe fand am 9. August 1890 statt. Helgoland wird deutsch. Mehr Geschichte hinter der Geschichte hier im Blog

Die Geschichte der Insel Helgolands liest sich spannend, hatte sie doch verschiedene Bedeutungen und Funktionen. Der 1. Juli 1890 hielt als ein bedeutender Tag Einzug in die Geschichtsbücher, die Insel, zuvor von den Dänen und Briten besetzt, wird deutsch. Dazu gab es eine Vorgeschichte:

Neben der strategischen Bedeutung als Seefestung und wichtiger Stützpunkt der Seelotsen gestaltete sich die Insel auch als bedeutungsvolles Handelszentrum. Helgoland wurde belagert und war ab 1714 dänisch. Ab 1807 besetzten die Briten im Krieg gegen Napoleon die Insel, als Kriegshafen auf hoher See. Danach verlor die Insel für die Briten strategisch von Bedeutung. Am 1. Juli 1890 ließ man sich auf einen Deal mit dem Deutschen Reich ein.

Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Vereinigten Königreich über die Kolonien und Helgoland

Es kam zu Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Vereinigten Königreich über die Kolonien und Helgoland. Dieser ist auch als Helgoland-Sansibar-Vertrag bekannt. Gemäß dieser Vereinbarung trat Großbritannien Helgoland an das Deutsche Reich ab. Im Gegenzug trat das Deutsche Reich einige Gebiete in Ostafrika ab: Das Protektorat über Witu, die Somaliküste, Sansibar und die Insel Pemba. Die Übergabe vom Vereinigten Königreich an Helgoland fand an zwei Tagen statt.

Übergabe am 9./10 August 1890 mit viel Prunk und Pomp

Das Protokoll sah vor, dass am  9. August 1890 die Übergabe mit einer symbolischen Zeremonie auf Helgoland durchgeführt wurde. Die britische Flagge wurde eingeholt, und die deutsche Flagge gehisst, um die formelle Übernahme der Insel durch Deutschland zu markieren. Anschließend verließen die britischen Truppen die Insel und die deutschen Streitkräfte übernahmen die Kontrolle.

Einen Tag nach der offiziellen Übergabe, am 10. August 1890 betrat der deutsche Kaiser Wilhelm II. persönlich die Insel, um die Übernahme zu besiegeln und symbolisch seine Präsenz zu zeigen.

Kaiser Wilhelm II. wurde begleitet von einer Ehrengarde und Würdenträgern, um die deutsche Flagge zu hissen und seine Ansprüche auf die Insel zu unterstreichen. Dieser Akt markierte symbolisch die endgültige Übernahme Helgolands durch das Deutsche Kaiserreich und die Einbindung der Insel in das deutsche Territorium.

Vor der ehemaligen englischen Kaserne feiern deutsche Soldaten. Konsul Johann Gottlob Bufe (1832–1898), Helgoländer Brauereibesitzer, sitzt in Zivil auf einem Hummerkorb. 1890 hatte er bei der Übergabe den Kaiser begrüßt.

Während der Zeremonie hielt er eine Ansprache, in der er die Bedeutung der Insel für das Kaiserreich betonte und den Bürgern von Helgoland die deutsche Staatsangehörigkeit zusicherte.

Nach der Zeremonie erkundete Kaiser Wilhelm II. die Insel weiter. Er besuchte wichtige Standorte und Einrichtungen, darunter militärische Anlagen, den Leuchtturm und das Rathaus. Er traf sich auch mit lokalen Einwohnern, um ihre Anliegen und Bedürfnisse zu besprechen.

Der Besuch von Kaiser Wilhelm II. auf Helgoland hatte einen starken propagandistischen Charakter und diente dazu, die Einheit des Deutschen Kaiserreichs zu demonstrieren und das nationale Prestige zu stärken. Der Kaiser wollte die Bedeutung der Insel als strategischen Stützpunkt und Symbol der deutschen Macht in der Nordsee hervorheben.

Der Besuch von Kaiser Wilhelm II. hatte auch politische Bedeutung, da er die neue Phase in den deutsch-britischen Beziehungen nach der Übergabe von Helgoland widerspiegelte. Durch seine Präsenz wollte der Kaiser die deutsche Souveränität über die Insel betonen und zugleich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern stärken.

Nach der Übergabe von Helgoland an das Deutsche Kaiserreich im Jahr 1890 wurden den Helgoländern verschiedene Vergünstigungen gewährt. Diese Vergünstigungen wurden als Ausgleich für den Verlust ihrer britischen Staatsangehörigkeit und die damit verbundenen Privilegien gewährt.

Einige der Vergünstigungen, die den Helgoländern gewährt wurden, umfassten:

Helgoland heute. Foto von Anatol Rurac auf Unsplash
  1. Steuerliche Privilegien: Die Helgoländer erhielten steuerliche Vergünstigungen, um ihre wirtschaftliche Stabilität zu unterstützen. Dies umfasste niedrigere Steuersätze und teilweise Steuerbefreiungen.
  2. Handelsfreiheiten: Den Helgoländern wurden besondere Handelsfreiheiten gewährt, um ihre wirtschaftliche Tätigkeit zu fördern. Sie hatten das Recht, Handel zu treiben und unter bestimmten Bedingungen waren sie von bestimmten Handelsbeschränkungen befreit.
  3. Schutz der Fischereirechte: Da die Helgoländer traditionell vom Fischfang lebten, wurden ihnen besondere Rechte und Schutzmaßnahmen für ihre Fischereiaktivitäten gewährt. Dies umfasste das Recht auf bestimmte Fischereireviere und den Schutz vor Überfischung durch externe Interessen.
  4. Aufrechterhaltung der eigenen lokalen Regierung: Die Helgoländer behielten ihre eigene lokale Regierung, die ihnen eine gewisse Autonomie und Selbstverwaltung ermöglichte. Dies erlaubte den Helgoländern, ihre eigenen Angelegenheiten zu regeln und ihre spezifischen Bedürfnisse und Interessen zu berücksichtigen.
  5. Staatsangehörigkeit: Die Helgoländer konnten sich zwischen deutscher und britischer Staatsangehörigkeit entscheiden – nur elf werden Briten.
  6. Wehrpflicht: Vor dem 1. Juli 1890 geborene Bewohner sind von der Wehrpflicht befreit.

Diese Vergünstigungen waren Teil der Bemühungen des Deutschen Kaiserreichs, die Helgoländer in die neue politische Ordnung zu integrieren und ihre Loyalität zu gewinnen. Sie sollten auch dazu dienen, die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand der Insel zu fördern.

Insel Helgoland weiter umkämpft

Während des Ersten Weltkriegs wurde Helgoland von Deutschland zu einer stark befestigten Festung ausgebaut. Die Insel diente als Marinestützpunkt und U-Boot-Basis und spielte eine Rolle in den Seekriegsaktivitäten der kaiserlichen Marine.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Helgoland gemäß dem Versailler Vertrag von 1919 entmilitarisiert und unter alliierter Kontrolle gestellt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Insel erneut von der deutschen Marine genutzt und später von den Alliierten bombardiert. Die britische Royal Air Force führte im Jahr 1947 eine gezielte Bombardierung durch, um die militärische Infrastruktur auf der Insel zu zerstören.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Helgoland von Großbritannien besetzt und als Bombenabwurfgebiet genutzt. Die Insel wurde 1952 wieder an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben. Seitdem wurde Helgoland zu einer beliebten Touristenattraktion.

Mehr über Helgoland hier im Blog:

17. Mai 1545: Der Pirat Peter Wiben wird auf Helgoland getötet

9. September 1913: Luftschiff „Zeppelin Sachsen“ stürzt in die Nordsee

20. Dezember 1950: Gewaltlose Invasion auf Helgoland

„Schöne Aussichten“: Reisereportagen von der Nordseeküste Schleswig-Holsteins (2)

James Krüss – der Mann, der „Timm Thaler“ erfand

Nordsee: Das Geheimnis um Doggerland – nun gelüftet?

Sagen und Legenden in Schleswig-Holstein: Das heilige Land

Beitragsbild: Parade zur Abtretung Helgolands an Deutschland am 10. August 1890 (Quelle)

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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