Nordfriesland – 7 Flaggen für Nordstrand

Wer sich der Halbinsel Nordstrand auf dem Landweg über den Damm bei Schobüll, einem Ortsteil von Husum, nähert, trifft auf sie: die sieben Flaggen. Eng beisammen stehen sie zur Begrüßung auf einen Parkplatz linkerhand kurz nach der Dammüberfahrt.

Die erste Frage, die sich ortsunkundige Menschen stellen, ist, warum „stehen“ sie im Wind und warum bewegen sich nicht? Ganz einfach, sie sind nicht aus weichem Stoff gefertigt, sondern grob aus unterschiedlichen Gesteinen wie Granit, Gneis, Kalk und Sandstein gehauen und auf rund fünf Meter hohen Masten aus Lärchenholz befestigt.

Holz ist vergänglich aber elastisch genug, um im Wind schwanken zu können, ohne zu brechen. Es ist andererseits konservierbar. Die Steine dagegen haben den Hauch von Ewigkeit. Bildhauer Tom Müller erschuf die sieben Flaggen im Jahre 2007.

Dabei sind die Flaggen entgegen die übliche Windrichtung unterschiedlich ausgerichtet. Warum aber sieben Flaggen? In der Zahlensymbolik ist die Sieben eine vollendete Zahl, die Summe aus der Zahl des Irdischen, repräsentiert durch die Vier, und der Zahl des Göttlichen, verkörpert durch die Drei.

7 hat auch einen direkten Bezug zur Insel Nordstrand, fügt sich doch die Insel aus 7 Kögen zusammen: Angefangen mit dem „Friedrichs-Koog“ (Eindeichung (E:) 1654-56, heute „Alter Koog“), Osterkoog (E: 1657, früher Marie-Elisabeth-Koog), Trendermarschkoog, (E: 1663, früher Trindermarsch-Koog), Neukoog (E: 1691, früher Neuer Koog,), Elisabeth-Sophien-Koog (E: 1771, früher Christianskoog), Morsumkoog (E: 1866) bis zum jüngsten Koog, dem Pohnshalligkoog, der erst 1925 vollendet wurde.

Dem Blanken Hans*, eine bildhafte Bezeichnung für die tobende Nordsee bei Sturmfluten, zu trutzen stellt die Menschen auf Nordstrand immer wieder eine neue Herausforderung. Die großen „Mandränken“ von 1362 und 1634 hat die Geschichte Nordstrands wesentlich geprägt. Um sich zu schützen und um Land vom Meer zurück zu gewinnen, begann man ab Mitte des 17. Jahrhunderts mit dem Bau der eingedeichten Kögen.

Die sieben Flaggen strahlen dabei eine hohe Symbolkraft aus. Ähnlich wie die Bewohner den Naturgewalten trotzen, stemmen sich auch die sieben Flaggen gegen den Wind. Damit stehen sie für das Leben mit dem Meer, das Freud und Leid gleichermaßen mit sich bringt.

„Sie wehen gegen den Wind und sie leben aus dem Kontrast zwischen der scheinbaren Leichtigkeit und der tatsächlichen Schwere des Materials“, sagte der Künstler bei der Einweihung am 4.12.2007. Und der damalige Kreispräsident Helmut Wree ergänzte: „Wir an der Küste müssen Flagge zeigen“.

*Die sprachliche Herkunft des Namens ist ungeklärt; eine Vermutung leitet ihn von der Bezeichnung der Gischt als blank („weiß“) her. Der Chronist Anton Heimreich führte den Ausdruck in seiner Nordfriesischen Chronik 1666 auf den Deichgrafen von Risum zurück, der nach Fertigstellung eines neuen Deiches der Nordsee herausfordernd „Trotz nun blanke Hans“ entgegengerufen haben soll. Kurze Zeit später brach der Deich bei der Burchardiflut im Oktober 1634. (Quelle).

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