4. Juni 1849: Seegefecht bei Helgoland 

Das Seegefecht bei Helgoland war eine Kampfhandlung des Schleswig-Holsteinischen Krieges, die am 4. Juni 1849 in der Deutschen Bucht zwischen drei Schiffen der Reichsflotte und einer dänischen Segelkorvette und später auch einem Raddampfer ausgetragen wurde. Das Gefecht war das einzige der Reichsflotte und auf deutscher Seite das bisher einzige unter schwarz-rot-goldener Flagge

Am 4. Juni 1849 trafen deutsche und dänische Kriegsschiffe in der Nordsee nahe der Insel Helgoland aufeinander. Der Schleswig-Holsteinische Krieg (auch Schleswig-Holsteinische Erhebung) war ein Konflikt zwischen Dänemark auf der einen Seite und den Herzogtümern Schleswig und Holstein auf der anderen, die damals in Personalunion mit Dänemark verbunden waren.

Im Seegefecht bei Helgoland kämpften die dänische Flotte unter dem Kommando von Admiral Edouard Suenson und die deutsche Flotte unter dem Kommando von Karl Rudolf Brommy gegeneinander.

Die deutschen Schiffe bestanden aus einer Kombination von Kriegsschiffen der Schleswig-Holsteinischen Marine und der Reichsflotte, einer provisorischen Flotte, die von einigen deutschen Staaten aufgestellt worden war.

Das Seegefecht war Teil eines größeren Konflikts zwischen den deutschen und dänischen Streitkräften, der sich über Land und See erstreckte. Es endete jedoch ohne klaren Sieger.

Keine unmittelbaren Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Schleswig-Holsteinischen Krieges

Obwohl die deutschen Schiffe einige Erfolge erzielten, konnten sie die dänische Flotte nicht entscheidend schlagen oder besiegen. Das Seegefecht bei Helgoland hatte somit keine unmittelbaren Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Schleswig-Holsteinischen Krieges.

Der Konflikt setzte sich noch mehrere Jahre fort, bevor 1851 der Frieden von Malmö geschlossen wurde. Dieser legte die Bedingungen für die zukünftige Verwaltung von Schleswig und Holstein fest und führte letztendlich zur späteren Annexion beider Gebiete durch Preußen und Österreich im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864.

Bericht in der Presse

Vossische Zeitung. Titelseite vom 22. März 1848

Die einflussreiche und angesehene bVossische Zeitung (1) brachte in ihrer Ausgabe vom 7. Juni 1849, S. 5, folgende Notiz über das Gefecht:

Cuxhafen, 5. Juni, Vorm. (pr. elektr.=magnet. Tel.) 6 Uhr Morgens. Die drei deutschen Kriegsdampfböte, „Barbarossa“, „Hamburg“ und „Lübeck“ sind gestern Abend spät von der Weser hier angekommen und auf der Rhede vor Anker gegangen. Kommandeur Abendroth ging bald darauf an Bord derselben.7 Uhr 30 Minut.

Ziemlich übereinstimmenden Mittheilungen zufolge von Leuten, welche gestern Abend an Bord der deutschen Kriegsdampfer gewesen sind, sollten die letztern gestern Morgen 9 Uhr von Bremerhaven auslaufen, waren aber erst um 11 Uhr abgegangen.

Sie bekamen die dänische Corvette diesseits Helgoland in Sicht, diese aber setzte beim Erscheinen der Dampfböte sogleich alle Segel und ging, unter immerwährendem Alarm=Schießen für die westwärts stehenden dänischen Fregatten seewärts.

Von der frischen nördlichen Briese begünstigt gelang es der Corvette, bei Helgoland vorbeizukommen. Während der Zeit war auch der „Geyser“, aus der Elbe kommend, sogleich westwärts nach den Fregatten gegangen und kehrte jetzt mit denselben zurück, was den Kommandeur der deutschen Kriegsdampfboote bewog, um nicht Alles sofort aufs Spiel zu setzen, sich nach der Elbe zurückzuziehen.

Der „Geyser“ und eine Fregatte verfolgten unsere Dampfböte noch bis in die Nähe des großen Feuerschiffes vor der Elbe und der „Geyser“ warf von dort noch eine Bombe, welche in der Luft zerplatzte.

Es ist überhaupt von beiden Seiten sehr viel, aber ohne besondern Erfolg geschossen, von den dänischen Kugeln hat keine unsere Dampfböte erreichen können, während behauptet wird, daß einige Schüsse der Unsrigen gut getroffen haben.

Die Befehlshaber der deutschen Dampfböte sprechen sich höchst befriedigend über den Muth ihrer Mannschaften aus.– Nachmittags 4 Uhr. Unsere Umgebung hat heute ein festliches Aussehen, denn der deutschen Dampf=Flottille zu Ehren flaggt hier Jeder, der nur irgend im Besitz einer Flagge ist. –

Man hat hier gegen Mittag eine Zeit lang wieder ganz deutlich Kanonendonner seewärts wahrgenommen. – Die deutschen Kriegs=Dampfböte „Barbarossa“ und „Lübeck“ so wie die Schiffe „Ellen Simpson“, „Rapide“ und „Anita“ liegen hier noch auf der Rhede vor Anker. Deutsches Kriegs=Dampfboot „Hamburg“ 2 Uhr 45 Min. von hier aufgegangen, vermuthlich nach Glückstadt. 4 Uhr Nichts in Sicht.

Keine bis zurückhaltende Berichte in der übrigen deutschen Presse über das Gefecht

In der regionalen Presse der Elbe- und Wesermündung wurde das Gefecht seinerzeit mit keinem Wort erwähnt. Weder in „Der Beobachter“, „Ein Volksblatt“, noch im „Der oldenburgische Volksfreund“ findet sich in den Ausgaben ein Hinweis auf den Vorstoß nach Helgoland.

Dieses ist um so bemerkenswerte als doch die Presse ausgiebig über die militärischen Operationen in Schleswig-Holstein berichtete. Zudem unterhielt Großherzog August von Oldenburg enge Beziehungen zur Reichsflotte, da er Brake als Reichskriegshafen favorisierte. Brake (Unterweser), wo ein Teil der Flotte stationiert war, verfügte seinerzeit noch nicht über ein eigenes Pressemedium.

Warum diese Zurückhaltung in der deutschen Presse geübt wurde, ist bislang unbekannt.

(1) Die Vossische Zeitung war eine einflussreiche und angesehene Tageszeitung, die in Berlin von 1704 bis 1934 erschien. Sie war eine der ältesten und renommiertesten Zeitungen in Deutschland und hatte einen starken Einfluss auf die öffentliche Meinung und den politischen Diskurs ihrer Zeit. Die Zeitung, die Positionen des liberalen Bürgertums vertrat, musste 1934 wegen erheblicher Druckausübung durch den NS-Staat eingestellt werden.

Beitragsbild: Seegefecht vor Helgoland 1849 zwischen Einheiten der dänischen Flotte und der Reichsflotte. Vorn die drei deutschen Schiffe; zwischen ihnen die dänische Korvette Valkyrien. Links kommen die dänische Radkorvette Gejser und zwei weitere Fregatten hinzu. Gemälde von Lüder Arenhold (1854-1915) um 1905

Autor: Willi Schewski

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