13. Dezember 1810: Napoleon Bonaparte annektiert die norddeutschen Küstengebiete

Geschichte ereigne sich immer zweimal, „das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce“. In diesen Zeiten wäre die Marx’sche Vermutung aus „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“ geradezu beruhigend. Was wir aber seit 2014 und aktuell seit dem 24. Februar 2022 erleben, ist alles andere als eine Farce. Der russische Diktator Putin führt einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Geschichte ereignet sich immer zweimal: war es 1810 noch der Anfang vom Ende von Napoleon, so müssen wir hoffen, dass Putins Ende ebenso folgt (2023?) – und danach wieder Frieden in Europa herrscht.

Durch ein Dekret Napoleon Bonapartes werden die norddeutschen Küstengebiete annektiert, um die Wirksamkeit der Kontinentalsperre (1) zu erhöhen. Unter anderem werden das Herzogtum Oldenburg und die Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck ein Teil des französischen Kaiserreichs. Es war der Anfang vom Ende des Kriegstreibers Napoleon Bonaparte.

Was ging voraus? Nach dem Ende des Reiches und der Niederlage Preußens 1806 gegen Napoleon begann „der Korse“ damit, Deutschland nach seinen Vorstellungen umzugestalten. Vor allem der Norden erhielt bald ein neues politisches Gesicht, indem etwa durch die Gründung des „Königreiches Westphalen“ ein neuer Vasallenstaat unter einem Verwandten Napoleons entstand.

Am 13. Dezember 1810 ging Napoleon noch einen Schritt weiter: er annektierte ein Gebiet vom Emsland im Westen über Oldenburg, Bremen, Hamburg, Teile Hannovers (mit ganz Lauenburg) bis nach Lübeck und machte diese Territorien zu integralen Bestandteilen des „Französischen Kaiserreiches“.

Frankreich grenzte jetzt offiziell bei Lübeck an die Ostsee (bis 1813). Die ehemalige Hansestadt und Lauenburg bildeten zusammen mit den neuen Distrikten Lüneburg, Hamburg und Stade ein neues französisches Departement, das „Département des Bouches de l’Elbe“ (2).

Mit dem Russlandfeldzug von 1812 sank Napoleons Stern und 1814 wurde das Departement offiziell wieder aufgelöst, die Souveränität der Hansestädte, des damals hannoverschen Lauenburgs und der anderen zuvor annektierten Gebiete wiederhergestellt.

Lübecker Franzosenzeit

Kämpfe auf dem Markt vor dem Rathaus

Die Geschichte um die Hansestadt Lübeck in der Zeit Napoleons muss jedoch vollständig erzählt werden. Vor der Bildung des „Département des Bouches de l’Elbe“ wozu, wie beschrieben, auch Lübeck gehörte, ereignete sich im Jahre 1806 die Schlacht bei Lübeck.

Am 6. November 1806 traten Truppen Preußens und Frankreichs aufeinander. Die von Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher geführten preußischen und schwedischen Truppen (etwa 21.000 Soldaten) erlitten eine vernichtende Niederlage, waren sie doch von der Anzahl der Soldaten massivst unterlegen. Am Morgen des 6. November 1806 griffen die Franzosen u.a. unter Führung von Marschall Jean Baptiste Bernadotte mit einer Stärke von 53.000 Mann Lübeck an.  

Es entwickelte sich eine blutige Schlacht an den Toren und in der Stadt. Unter General Blüchers Führung gelang es einigen Tausend preußischen Soldaten, Lübeck durch das Holstentor zu verlassen und in Richtung Schwartau zu entkommen, während die Franzosen bereits die Stadt zu plündern begannen.

7. November 1806: Kapitulation & Blüchereiche

Blüchers Flucht war jedoch aussichtslos, da Travemünde bereits in der Hand der Franzosen war. Schließlich kapitulierte General Blücher am 7. November 1806. Die Verluste der Preußen und Schweden waren enorm. 3.000 Mann sollen gefallen sein,  während die französischen Verluste nur gering ausfielen.

Die Kapitulationsverhandlungen sollten sich als zäh erweisen. Blücher widersprach die vom französischen Marschall Jean Baptiste Bernadotte angebotene Kapitulationsurkunde mehrmals. Erst als Bernadotte zur Vermeidung weiterer Kämpfe und Toter versprach, eine Ehrerbietung vor den Preußen zu nehmen, unterzeichnete Blücher die Kapitulationsurkunde im Ratekauer Pastorat.

Kleine Annekdote: Blücher selbst schrieb den Ortsnamen im Protokoll der Kapitulation „Radkau“ (3).  Infolgedessen wurde das Dorf Ratekau in zeitgenössischen Berichten, aber auch in der historischen Literatur, eher als „Radkau“ bekannt als unter seinem heutigen Namen.

Unter der Blüchereiche in Ratekau

Nach Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde im Ratekauer Pastorat trafen sich Blücher und Bernadotte unter der Büchereiche in Ratekau (eine 1998 abgestorbene – Stieleiche in / bei Ratekau an der Landesstraße 309 Eutin-Lübeck) . Als persönliche Geste verzichtete Bernadotte auf die Annahme von Blüchers Degen. Während der preußische Armeeführer seine Waffen behalten durfte, legten seine Soldaten ihre Waffen nieder und es begaben sich die restlich verbliebenen 8.000 Soldaten in Gefangenschaft. 

An das Ereignis erinnern

  • ein durch einen Schwartauer Bürger 1856 an der Eiche aufgestellter Gedenkstein mit der Inschrift „Blücher 6./7. November 1806“.
  • ein in den 1970er Jahren aufgestellter Gedenkstein der die Lebensdaten (1742–1819) und ein Relief von Generalfeldmarschall Blücher zeigt.

Neben der abgestorbenen Eiche ist eine neue Eiche gepflanzt worden. Die Blüchereiche findet sich im Wappen der Gemeinde Ratekau.

Blüchers Legende

Blüchers Rückzug nach Lübeck machte ihn zu einer Legende in ganz Deutschland und Europa. Für Lübeck hingegen begann die Franzosenzeit, die bis 1813 andauerte.

Der Krieg gegen Preußen war damit aber noch nicht beendet. Nach schweren Kämpfen und der zugunsten der Franzosen entschiedenen Schlacht bei Friedland am 14. Juni 1807 wurde in Tilsit Frieden geschlossen.

Quellen / Weiterführende Informationen

(1) Die Kontinentalsperre war eine von Napoleon am 21. November 1806 in Berlin verfügte Wirtschaftsblockade über das Vereinigte Königreich und dessen Kolonien. Das in Frankreich schon 1796 bestehende Importverbot für britische Waren wurde infolge der militärischen Siege Napoleons auf die kontinentaleuropäischen Staaten ausgeweitet. Großbritannien sollte mit den Mitteln des Wirtschaftskrieges zu Verhandlungen mit Frankreich gezwungen und die französische Wirtschaft gegen europäische und transatlantische Konkurrenz geschützt werden. Die Kontinentalsperre bestand von 1806 bis 1813.

(2) Das Département des Bouches de l’Elbe (dt.: Departement der Elbmündung, in historischen Quellen auch: der Elbmündungen) war das Departement Nr. 128 des ersten Französischen Kaiserreichs. Es entstand als eines von vier hanseatischen Departements am 1. Januar 1811 infolge der Annexion des Gebietes durch Frankreich und wurde nach dem Sieg der Alliierten am 30. Mai 1814 aufgelöst.

(3)  Friedrich Christoph Förster: Der Feldmarschall Fürst Blücher von Wahlstatt und seine Umgebungen. Brockhaus, Leipzig 1821, S. 67

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

2 Kommentare zu „13. Dezember 1810: Napoleon Bonaparte annektiert die norddeutschen Küstengebiete“

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