Von der Irrationalität von Wladimir Putins Ukraine-Krieg

Der deutsche Vizekanzler und gebürtige Schleswig-Holsteiner, Dr. Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) sprach kürzlich in der ZDF-Talkshow bei Lanz von der Irrationalität von Putins Denken und Handeln.
Um die Irrationalität des Kreml-Despoten zu erfassen, müssen wir tiefer in seine Vergangenheit und die kindliche Psyche von Wladimir Wladimirowitsch Putin hineinschauen. Was wir dort entdecken, lässt einem erschaudern.

Jede Kindererziehungspraxis in der Geschichte wird im erwachsenen politischen Verhalten wieder-aufgeführt.“ Wenn wir TV-Sendungen anschauen, erfahren wir einiges über das Leid des Krieges in der Ukraine, teilweise in Liveschalten aus den Kriegsgebieten. Wir erfahren einiges über das – irrationale – Handeln des Kriegs-Verantwortlichen, der 1952 in Leningrad geborene Wladimir Wladimirowitsch Putin, seine Propaganda-Maschinerie, wir erfahren wie Militärfachleute und Politiker die Lage einschätzen. Das wir weniger erfahren, ist die psychologische Dimension dieses Krieges. Warum führt Putin Krieg, wie tickt er? Wie ist Putins Irrationalität, die der deutsche Vizekanzler Dr. Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) vor großem TV-Publikum am 26. Februar 2022 im ZDF-Talk „Lanz“ beschrieb, zu erklären? Hier ein Versuch:

Wenn wir, wie oben angedeutet, TV-Nachrichten und Talkshows zu dem Thema Ukraine-Krieg anschauen und wir uns ob der fürchterlichen Bilder und Erzählungen erschaudern und wir uns ob eines – eher nicht wahrscheinlichen – Weltkrieges ängstigen, erfahren wir nichts darüber: wie tickt seine Psyche? Woher kommt Putins Hass? Manche würden sagen, Putin ist psychisch krank. Ist er ein Psychopath? Nicht auszuschließen, dazu weiter unten mehr.

Putins traumatische Kindheit – der Schlüssel zu seinem Kriegs-Handeln als Erwachsener

Sven Fuchs (1) ist Forscher und Buchautor („Die Kindheit ist politisch! Kriege, Terror, Extremismus, Diktaturen und Gewalt als Folge destruktiver Kindheitserfahrungen„) und legt seinen Focus auf Psychohistorie. Was ist Psychohistorie? Die Psychohistorie untersucht historische Vorgänge der ferneren und unmittelbaren Vergangenheit mit Mitteln der Psychologie und der Psychoanalyse.

Während die herkömmliche Geschichtswissenschaft stark deskriptiv ( „die Tatsache beschreibend“ ) orientiert ist, befasst sich die Psychohistorie vor allem mit den motivationalen (Psychologie, Pädagogik: „die Motivation betreffend, auf Motivation beruhend“ ) Aspekten historischer (und zeitgenössischer) Abläufe. Wichtig wird daher die Rekonstruktion bewusster und unbewusster Motive historischer Subjekte.

Lloyd deMause (1931 – 2020) ist ein Pionier der Psychohistorie und hat auf diesem Gebiet immer noch großen Einfluss. Psychohistorische Aspekte finden sich in den Werken von Alice Miller (1923 – 2010), Julian Jaynes (1920 – 1997) und August Nitschke (1926 – 2019), obwohl sie selten als Psychohistoriker bezeichnet werden. Und ebenso Sven Fuchs.

Schauen wir nun auf Sven Fuchs Einschätzung zu Putin: „Putin war das Kind kriegstraumatisierter Eltern“, schreibt er bei Twitter und bezieht sich hierbei auf den deutschen Psychotherapeuten und Psychoanalytiker mit Schwerpunkt pränatale und perinatale Psychologie und Medizin, Ludwig Janus, er zitiert:

Aus diesem Echoraum heraus argumentiert Putin, es gehe in der Ukraine um einen von Nazis durchgeführten Genozid und eine tödliche Einkreisung von der NATO

Weiter zitiert Fuchs Putin: „Mein Vater hat den Krieg überlebt, fünf seiner Brüder sind gefallen. Meine Mutter hat die Deutschen trotzdem nicht gehasst – ich kann das bis heute nicht begreifen“ (Quelle: Faz)

Putins Stellvertreter-Hass gegen die Ukraine, die er – unbelegt und irrational (Habeck) – als „Nazis“ betitelt, sei, im Sinne von Fuchs, die „Inszenierung eigener traumatische Kindheitserfahrungen (u.a. Misshandlungen durch den Vater) UND die Trauma-Geschichte der Eltern/Nation“, die sich „verdichten … zu einer kritischen Traumamasse.“. (Quelle: Sven Fuchs/Twitter)

„Putin erzählt von Kriegs-Erlebnissen seiner Familie“

Putin hat in einem Essay am 9. Mai 2015, dem „Tag des Sieges“, in einem Kreml-nahen Literaturmagazin „Russki Pioner“ von Kriegs-Erlebnissen seiner Familie berichtet. Er beschreibt nahezu tödliche Konfrontationen seines Vaters mit deutschen Soldaten, aber auch eine versöhnliche Haltung seiner Eltern. Nahezu alles, was er über den Krieg wisse, schreibt Wladimir Wladimirowitsch Putin, habe er als Kind bei Erwachsenengesprächen aufgeschnappt. Sein Vater habe zudem nur ungern über diese Themen gesprochen. Quelle

Im mirror (UK) heißt es über Putins Mutter, das diese, wie er in in Leningrad fast verhungert wäre. Putin wird zitiert (Übersetzung): „Einmal wurde meine Mutter vor Hunger ohnmächtig. Die Leute dachten, sie sei gestorben, und legten sie zu den Leichen. Zum Glück wachte Mama noch rechtzeitig auf und fing an zu stöhnen.

Dass unverarbeitete Traumata von Eltern auf den Nachwuchs übertragen werden können, davon gehen viele Experten heute … selbstverständlich aus. Sie nennen es transgenerationale Trauma-Weitergabe. Wurden die Trauma-Erlebnisse seiner Eltern aus dem 2. Weltkrieg auf Putin weitergegeben?

In einem interessanten Artikel vom 10. März 2022 heißt es: „Wladimir Putin: Führte seine Kindheit zu seinen Gräueltaten?“: Laut Psychologen könnte seine schwere Kindheit schuld an der jetzigen Situation sein. „Was hat das alles mit seinen jetzigen Verbrechen zu tun? Die polnisch-schweizerische Psychologin Alice Miller (†87) etwa glaubte, dass Menschen nicht böse geboren werden. Vielmehr sind Vernachlässigung, Verachtung, Gewalt oder Missbrauch in der Kindheit schuld. Solche Kinder neigen später dazu, die ihnen zugefügte Gewalt zu verherrlichen und selbst solche Gewalt auszuüben.“ …

Alice Miller schrieb in einem Essay: «Alle Kindheitsgeschichten von Serienmördern und Diktatoren, die ich untersucht habe, zeigten, dass sie ausnahmslos Opfer extremer Grausamkeit waren. So wurde Adolf Hitler (†56) von seinem Vater geschlagen, der Papa von Josef Stalin (†74) misshandelte seinen Sohn brutal. Auch Chinas Mao Zedong (†82) und der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu (†71) hatten eine schwere Kindheit.“ (Quelle)

Fest steht, Putins Kindheit war traumatisch, nicht erlebter er nur passiv das Leiden seiner Mutter mit sondern wurde er auch physisch misshandelt, wir lesen: „Putin war ein Straßenkind, klein für sein Alter und wurde schikaniert, so dass er sich schnell abhärten musste … Putins Eltern arbeiteten so gut wie rund um die Uhr … Er war sich selbst überlassen. Er hing auf dem Hof mit anderen Jungen herum …“ (Quelle)

Weitere Quellen berichten von Vladimir Putins Kindheit-Erfahrungen aus Gewalt, Gewalt, Gewalt! Quelle: Kremlin Rising. Vladimir Putin’s Russia and the End of Revolution

Putins Lehrerin Vera Gurewitsch berichtete, als Putin im Alter von 14 Jahren einem seiner Mitschüler das Bein brach, habe er gesagt, dass manche `nur Gewalt verstehen`.“ Früh hatte er selbst seine „Lektionen“ von seinem gewalttätigen/harten Vater gelernt + auf den Hinterhöfen als Schläger.

Kommen wir zurück auf Autor Sven Fuchs. In einem Aufsatz in der „Zeitschrift für Kinder“ mit dem Titel „Gewalt gegen Kinder betrifft uns alle“ schreibt er:

Der Vater von Putin kämpfte im Zweiten Weltkrieg an der Front und wurde dabei fast getötet. Putins Mutter kam ebenfalls fast zu Tode, als ihre Heimatstadt Leningrad belagert und ausgehungert wurde. Allerdings starben ihre beiden Söhne, davon wohl einer auf Grund der Belagerung. Es ist davon auszugehen, dass Putins Eltern schwer traumatisiert wurden.

Putins Vater wird als harter, strenger und stiller Mann beschrieben, der seinem Sohn Wladimir gegenüber keine Gefühle zeigte und oft Streit mit ihm hatte. Einmal verließ Wladimir mit seinen Freunden die Stadt, ohne den Eltern Bescheid zu sagen. Als er wieder nach Hause kam, wurde er von seinem Vater mit einem Gürtel verprügelt. Wladimir selbst entwickelte seinerseits einen Hang, sich in Prügeleien auf der Straße zu verstricken und für Jugenddelinquenz.

Die Familie lebte in nur einem Zimmer und Wladimirs Leben spielte sich wohl hauptsächlich draußen und in den Hinterhöfen ab.

Jeder lebte irgendwie in sich selbst, beschreibt Putin später diese Zeit und das Leben mit seinen Eltern. Ich kann nicht behaupten, dass wir eine sehr emotionale Familie waren, dass wir uns austauschten. Sie behielten vieles für sich. Ich wundere mich noch heute, wie sie mit den Tragödien umgingen.“ [[4] Die Kindheit ist politisch!, Mattes Verlag, 2019, S. 254f. Rezension

Zeitschrift für Kinder

Russland ist aber nicht nur Putin, meint Fuchs, in Russland seien auch „die vielen Menschen, die früh zur Härte erzogen wurden…. (Quelle) „

Aus alle dem mit dem bisher Bekannten Quellen darf gesagt werden: Wladimir Putins Kindheit war sehr destruktiv. Verstärkt kommt hinzu, dass Kindheiten in Russland an sich oftmals destruktiv waren, wie Autor Sven Fuchs anhand zweier Texte beschreibt: Quelle 1; Quelle 2.

Putins nicht verarbeitete und verdrängte traumatische Kindheit = der Schlüssel für Putins Imperialismus, für Putins Ukraine-Krieg?

In einem Aufsatz „Specialties of emotionality in Russia“, veröffentlicht im „Jahrbuch für psychohistorische Forschung“, heißt es: „Russische politische (Bemerkung Verfasser: Imperialismus mit Krieg und Gewaltanwendung) und wirtschaftliche Einstellungen beruhen offensichtlich auf psychologischen Grundlagen und Konsequenzen, die aus einer langen Kette von Kindheit Traumatisierung und erlernter Hilflosigkeit …“ (Quelle)

Putins Kindheit – Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine:

Betrachten wir Putins Worte und Drohung: „Wer auch immer versucht, uns zu behindern, geschweige denn eine Bedrohung für unser Land und unser Volk zu schaffen, muss wissen, dass die Antwort Russland|s sofort erfolgen und zu Konsequenzen führen wird, die Sie in Ihrer Geschichte noch nie erlebt haben. Wir sind auf jede Entwicklung der Ereignisse vorbereitet. Alle notwendigen Entscheidungen wurden in dieser Hinsicht getroffen. Ich hoffe, dass ich gehört werde.“ Quelle: ARD

Sven Fuchs kommentiert: „Krieg ist KEINE bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ und er beruht sich auf oben erwähnten Llody deMause. Dieser wäre einer von Wenigen, der „Kriege als emotionale Störungen“ sah und analysierte sie (mit Fokus auf Kindheiten). Genannt sei sein bekanntestes Werk: „Das emotionale Leben der Nationen“. Zusammenfassung des Lebenswerkes. Drava-Verlag, Klagenfurt 2005, ISBN 3-854354541.

Metaphern als Hinweis auf Gewalt

Wenn wir Putins Reden betrachten, fallen immer wieder bekannte Metaphern auf, die er regelmäßig verwendet: „Mütterchen Russland„, die „bösen Kinder“ (Ukraine), die selbstständig werden wollen und die vom „Staatsvater“ Putin bestraft werden.

Metapher „Familie“ / „Familienkrieg?“: In der Sowjetunion war die Rede „der gemeinsamen Wiege“ der Russen und Ukrainer, wobei den Russen die Rolle des „älteren Bruders“ zugeschrieben wurde und die Ukraine für den „jüngeren Bruder“ stand. (Quelle)

Metapher „Nation ist Familie„: „Die Familie ist unsere primäre und tiefgreifendste Erfahrung damit, „regiert“ zu werden“ Quelle: „Auf leisen Sohlen ins Gehirn: politische Sprache und ihre heimliche Macht“ (Quelle)

Putin, uneheliches Kind?

In einem Artikel von Autor und Journalist Steffen Dobbert mit dem Titel „Vera Putinas verlorener Sohn“, der bereits Mai 2015 erschien, lesen wir, dass „der russische Präsident die ersten neun Jahre seines Lebens in einer Familie verbracht hat, deren Existenz er heute bestreitet. Und dass er während seiner halben Kindheit nicht in Russland gelebt hat, sondern in Georgien . Später, als Chef des Inlandsgeheimdienstes, soll Putin seinen Lebenslauf verändert und seine leibliche Mutter verleugnet haben – um sich den Weg zur Macht zu ebnen, um in seinem ersten Wahlkampf vor dem russischen Volk nicht als uneheliches Kind dazustehen, das in Georgien aufwuchs.

Die Geschichte dahinter klingt agenten-abenteuerlich und verlief tragisch, weiter heißt es:

Stimmt dieses Geheimnis und wäre es früher bekannt gewesen, hätte es womöglich die Weltgeschichte verändert. Wladimir Putin wäre vielleicht nie Präsident geworden. Der Krieg in Tschetschenien wäre anders verlaufen, die Kriege in Georgien und der Ukraine hätte es wahrscheinlich nicht gegeben. Kann sein, dass Russland und die Europäische Union heute partnerschaftlich verbunden wären.

Öffentliche Lügen sind von Wladimir Putin bekannt, spätestens seit der Annexion der Krim. Aber nutzt der russische Präsident dieses Mittel der Politik auch, wenn es um seine eigene Mutter geht? Oder verbreitet diese alte Frau, die heute noch in Georgien lebt, eine Verschwörungstheorie?“ Quelle

Wenden wir uns nun abschließende der Frage zu: Handelt mit dem Despoten Putin ein Psychopath? Handelt er krankhaft?

Laut Autor Stephan Richter sei Putin „Europas neuer Hitler“ und es sei ein „weiterer Psychopath am Werk„. Zitat aus dem englischsprachigen Artikel im Online-Magazin „The Globalist“ (USA): „Es besteht kein Zweifel: Putin ist gerissen und brutal. Er ist ein Missbraucher, ein Mörder, ein Attentäter. Ihm fehlt jegliches Fünkchen menschlichen Anstands. Er ist der neue Hitler Europas. Nun ist es wichtig, die zugrunde liegende Pathologie von Wladimir Putin zu verstehen. Putin ist ein Soziopath im klinischen Sinne, mit starken Tendenzen zu Paranoia und Narzissmus.“ Übersetzung aus dem Englischen (Quelle)

Eine andere Quelle, im englischen Sun, lesen wir: „Er (Verfasser: Putin) zeigt die Züge einer antisozialen Persönlichkeitsstörung. Dazu gehören die Bereitschaft, andere auszunutzen, unüberlegte Handlungen, Reizbarkeit und ein Mangel an Reue.

Seine jüngsten Reden haben einen Einblick in seinen derzeitigen Geisteszustand gegeben. … Aber im Gegensatz zu einem echten Alphamännchen, das beschützerisch ist, agiert Putin aus einer Position heraus, die frei von Empathie ist.

Die Tatsache, dass er als Kind schikaniert wurde, ist der Schlüssel zu seinem heutigen Verhalten – er will zeigen, dass er jetzt mächtig ist. Er wird zwar zunehmend vom Rest der Welt ausgegrenzt, aber das stört ihn wohl kaum.

Gefühle wie Schuld und Scham scheinen bei ihm keine Rolle zu spielen – ein weiteres Schlüsselbeispiel für eine potenziell psychopathische Natur.“ Übersetzung aus dem Englischen (Quelle: Sun)

Die eben genannte Auffassung wird auch von dem bekannten Psychologen Dr. Arthur Cassidy geteilt. Er sagt bei YouTube, dass seine psychischen Auffälligkeiten Ähnlichkeiten mit den Massenmörder Adolf Hitler hätten, siehe hier (englisch), er handele irrational.

Luise Reddemann, eine bekannte deutsche Fachärztin für Psychiatrie und Psychoanalyse (sie entwickelte die Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie), schreibt in einem lesenswerten Text („Wie können wir unserer Angst vor Krieg begegnen?“ ): „Wenn ich Putin so reden höre, kann mir das Angst machen.  Dieser Mann (Anmerkung: Putin) scheint mir geistig und seelisch nicht gesund.“ (Quelle)

Der Psychoanalytiker Hans-Jürgen Wirth sieht im Verhalten des Kreml-Chefs krankhaft-gefährliche Züge aufgrund tiefsitzender Kränkungen und Paranoia: Herr Wirth, Wladimir Putin wird immer als besonders rational dargestellt. Steckt in Wahrheit ein Aggressor hinter der Fassade?
Betont rational, emotionslos und „cool“ aufzutreten, gehört wahrscheinlich zu seiner Persönlichkeit, es ist aber auch eine Inszenierung. Das ist sein Image. Seine Anhänger finden das gut, wie er die Dinge kühl seziert, weil es Überlegenheit suggeriert. Im politischen Geschäft hat ein solches Verhalten ebenfalls Vorteile. Es scheint, als habe er sich selbst und die Situation jederzeit unter Kontrolle. Aber betrachtet man ihn jetzt genauer, hat sein Pokerface Risse bekommen, die Gesichtszüge entgleiten ihm häufiger, seine Aggressivität, seine Wut und sein Hass werden spürbar. Das ist es, was sich hinter dem zynisch wirkenden Lächeln verbirgt. Und das kann krankhafte und wie wir sehen sehr gefährliche Züge annehmen. (Quelle)

Jurko Prochasko, ukrainischer Essayist, Germanist, Schriftsteller und Übersetzer aus Lemberg sagt beim Deutschlandfunk: „Putin ist von Neid und Wut getrieben. „Wir haben es mit einem sehr, sehr kranken Menschen an der Spitze des größten Landes zu tun“ (Quelle)

Die Übersetzung der aktuellen Einschätzung eines FSB-Agenten (Russischer Inlandsgeheimdienst). Dieser anonyme Whistleblower riskiert sein Leben damit. Die Welt sollte davon erfahren! Wir lesen:

„Ich sage ganz ehrlich direkt: Ich habe die letzten Tage fast gar nicht geschlafen, bin beinahe rund um die Uhr auf der Arbeit, mein Kopf ist schwammig nebelig. Und von dieser Überlastung komme ich in den Zustand, als sei nichts davon echt.

Um ehrlich zu sein, die Büchse der Pandora ist geöffnet — zum Sommer wird sich der echte Horror des weltweiten Maßstabs zeigen — eine globale Hungersnot ist unausweichlich (Russland und Ukraine waren die Hauptversorger von Getreide in der Welt, in diesem Jahr fällt die Ernte schwächer aus, und die logistischen Probleme werden die Katastrophe auf die Spitze treiben).

Ich kann Ihnen nicht sagen, was die Annahme der Entscheidung über diese Operation angeleitet hat, aber jetzt werden auf uns ([Geheim-]Dienst) methodisch alle Hunde losgelassen. Wir kriegen Ärger für unsere Analytik — das ist meine Spezialität, deshalb erkläre ich, was schiefläuft.

…. Ich nicht glaube, dass Putin den roten Knopf drücken wird, um die Welt zu vernichten. Erstens, sitzt da nicht nur eine Person, die diese Entscheidung trifft, da wird es schon Einen geben der aufspringt. Und dort gibt es viele Leute — da…” (Quelle)

Sehr aufschlussreich, was Christian Neef, ehemaliger SPIEGEL Journalist und Autor für Russland und Osteuropa, in einer ZDF-Reportage über Putin sagt (Foto: Bildschirmaufnahme ZDF):

Putin verachtet Schwäche: „Das liegt eindeutig in seiner Kindheit begründet. Das sind Dinge, die wir nicht so richtig beachten wollten, weil wir der Meinung waren, das das keine politische Kategorie hätte, wie er sozialisiert worden ist„. … „Und (Anmerkung Verfasser: Putin Kindheit in den St. Petersdorfer Hinterhöfen) da findet man erstaunliche Schlüsselsätze. in seinen Erinnerungen. Wenn er also sagt: „Ich musste mitunter als erster zuschlagen, um überhaupt siegen zu  können in diesen Raufereien. Und wenn du das nicht gemacht hast, dann zeigtest du Schwäche. und dann warst du  schon der Verlierer. Und diese Sätze,  die er da sagt aus seiner Kindheit, die tauchen in der einen oder anderen Form dann später immer wieder auf, im Tschetschenienkrieg, aber auch jetzt hier im Umgang mit der Ukraine.“ Quelle: ZDF („Putin gegen die Welt„)

Fazit: Reinszeniert Putin durch den Krieg sein Kindheitstrauma? Nein, nichts, keine Gewalt, kein Krieg ist mit früheren reinszenierten Kindheitstraumata zu rechtfertigen oder entschuldigen. Jedoch zu erklären. Und das soll(te) auch Inhalt und Kern dieses Textes sein. Die Ursachen, die Wurzeln, dafür, das jemand Gewalt anwendet, auch Despoten wie Putin, die Krieg führen sind damit gemeint, liegen IMMER, und das besagen diverse Forschungen und belegen unzählige Quellen, in der traumatischen Kindheit der Akteure:

In erlebten und nicht ausgeheilten und verdrängten Kindheitstraumata. Es dürfte naheliegen, dass Putin sein Kindheitstrauma reinszeniert und erlebte Gewalt und Angst (siehe oben in diversen Quellen) auf Unschuldige, hier: „kleiner Bruder“ Ukraine ausagiert.

Aus all dem Geschilderten lässt sich „Putins Irrationalität“, die der deutsche Vizekanzler Dr. Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) vor großem TV-Publikum am 26. Februar 2022 im ZDF-Talk „Lanz“ beschrieb, erklären und es ist an der Zeit, die Fakten einem großen Publikum zu illustrieren.

Prävention & Wie Krieg verhindern?

Nein, mit der Nennung der Fakten lässt sich Putins Ukraine-Krieg nicht beenden. Das sollte auch nicht Inhalt des Textes sein. Es ließen sich aber zukünftige Kriege verhindern. Der Schlüssel heißt: gewaltfreie Erziehung, Respekt, Achtung vor Kindern. Und um das passende Schlusswort zu finden: „Als Kind geliebte Menschen fangen keine Kriege an!“ (Quelle: Sven Fuchs)

Wie Kriege verhindern? Dr. Ludwig Janus (* 21. August 1939), deutscher Psychotherapeut und Psychoanalytiker mit dem Schwerpunkt pränatale und perinatale Psychologie und Medizin, hat ein lesenswertes Papier unter dem Titel „Überlegungen zu den psychologischen und psychohistorischen Hintergründen von Kriegen“ veröffentlicht. Er kommt zu diesem Fazit:

Wenn man diese verschiedenen Hintergründe zusammenführt, dann wird deutlich, dass eine Wurzel der Kriege in den traditionalen Gesellschaften in den schlechten Bedingungen der Mutter-Kind-Beziehungen liegt und der damit verbundenen Aggressivierung.

Ein entscheidendes Mittel zur Verringerung der Gewaltneigung und der Bereitschaft zu Kriegen besteht also in der Verbesserung der Mutter-Kind-Beziehungen und natürlich auch der Vater-Kind-Beziehungen.

Darum sind die Emanzipation und aller damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen von so grundlegender Bedeutung für eine größere Friedensfähigkeit unserer Gesellschaften.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass gewaltgeprägte und damit traumabelastete Kindheitsbedingungen keine wirkliche Autonomie ermöglichen, wie die moderne Stressforschung grundlegend geklärt hat. Gewaltdurchtränkte Kindheiten führen auf der individuellen Ebene zur Kriminalität und ebenso, wie wir dies in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts und bis heute sehen können, auch auf der kollektiven Ebene.

Entscheidend für eine Verbesserung der Situation ist also eine wirkliche Reife der Eltern, damit sie ihren Kindern einen wirklich bezogenen Entwicklungsraum zur Verfügung stellen können. Dafür brauchen sie eine gesellschaftliche Unterstützung, die wesentliche Voraussetzung für eine weitere Friedensfähigkeit der Gesellschaften ist.“ Hier das Papier mit ausführlichen Erläuterungen (per pdf herunterladen)

Website von Dr. Ludwig Janus

Weitere Zitate:

Mehrfach weiter oben erwähnter Lloyd deMause:Standardtheorien über Krieg bestreiten, dass ihm eine wie auch immer geartete emotionale Störung zugrunde liegt. Im Gegensatz zu individueller Gewalt sieht man Krieg normalerweise ausschließlich als Antwort auf Ereignisse außerhalb des Individuums. Von Nationen, die Kriege anfangen, nimmt man nicht an, dass sie emotional gestört wären – man sieht sie entweder als rational an oder als böse, im Sinne einer religiösen Kategorie. Obwohl Morde und Suizide zur Zeit als klinische Störungen untersucht werden, ist dies bei Kriegen leider nicht der Fall.“

Jede Kindererziehungspraxis in der Geschichte wird im erwachsenen politischen Verhalten wieder-aufgeführt.“

Alice Miller (1923 – 2010), die große Kindheitsforscherin und Psychotherapeutin: „Wie steht es also mit Terroranschlägen, Genoziden wie in Ruanda, in Jugoslawien und an so vielen anderen Orten jetzt in der Welt? Können wir uns vorstellen, dass Menschen sich in die Luft sprengen wollen, die in der Kindheit geliebt, beschützt und respektiert wurden? Ich kann mich nicht damit abfinden, dass man diese Menschen, die tatsächlich zu grausamen Taten fähig sind, als Ausgeburten eines abstrakten Bösen darstellt und sich weigert, die Wurzeln ihres Zerstörungszwangs in ihrer Geschichte zu suchen. Diese lassen sich nämlich ohne weiteres entdecken, wenn wir uns nicht nur über die Verbrechen des Erwachsenen, sondern auch über die in seiner Kindheit erlittene Folter entsetzen. Da gehen alle Rätsel auf. Dann stellen wir fest, dass es keinen einzigen Serien- oder Massenmörder gibt, der nicht als Kind Opfer von zahlreichen Demütigungen und seelischen Morden war.

Arno Gruen (1923 – 2015), deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Psychologe und Psychoanalytiker: „Hass und Gewalt sind immer das Ergebnis einer Demütigung, die ein Mensch bereits in der eigenen Kindheit erlebt hat. Menschen, die als Kinder Liebe und Entgegenkommen erfahren haben, werden nicht zu Attentätern, die sich der Zerstörung verschreiben.“

Politikerin Ekin Deligöz, Bündnis 90 / Die Grünen, während der ersten Beratung im Deutschen Bundestag zum Gesetzesentwurf über die Ächtung von Gewalt in der Erziehung, 49. Sitzung, 30.06.1999: „Körperliche und seelische Gewalt gegen Kinder ist nicht nur inhuman, sondern sie schlägt auch direkt in unsere Gesellschaft zurück. Die meisten Gewalt- und Sexualverbrecher waren in ihrer Kindheit oft, sehr oft Opfer brutalster Gewalt direkt zu Hause. Wenn wir Kinder besser vor Gewalt schützen, tun wir das nicht nur für unsere Kinder, sondern auch für uns, die wir in dieser Gesellschaft zusammenleben wollen. Dass Täter oft auch Opfer waren und später andere zu Opfern machen, ist ein schrecklicher Kreislauf, den wir mit diesem Gesetz durchbrechen wollen.“

Der Autor Aage Borchgrevink über seine veränderte Sichtweise auf das Massaker von Utøya, nachdem er die Ereignisse und vor allem auch die traumatische Kindheit von Anders Breivik für sein Buch „A Norwegian Tragedy“ umfassend analysiert hat:

Meiner Meinung nach ist die wichtigste Lehre aus dieser Tragödie jedoch nicht die Integrationspolitik, das Internet, die Ideologie oder die Arbeitsmethoden und Ressourcen der Polizei (…). Es geht um die Politik der Kinder- und Familienfürsorge. (…) Die Banalität des Bösen im Fall Breivik ist die Bedeutung des Kindheitstraumas für den Hass eines erwachsenen Mannes. Gegen Hass, Radikalisierung und Terrorismus geht es auch darum, zu verhindern, dass Kinder von ihren Eltern missbraucht werden – eine banale Erkenntnis, vielleicht so banal, dass sie übersehen wurde.“

Michael Tsokos und Saskia Gudda – Rechtsmediziner:Prügel sind zweifellos ein bewährtes Mittel, um den kindlichen Willen zu kontrollieren und Gehorsam zu erzwingen. Aber Kindesmisshandlung ist gleichzeitig die sicherste Methode, um Gewalttätigkeit – von Körperverletzung über Mord und Totschlag bis hin zu Bürgerkriegen und Krieg – von einer Generation zur nächsten zu `vererben`.“

(1) Sven Fuchs geb. 1977, Vater von zwei Kindern, selbstständiger Kaufmann, studierte an der Universität Hamburg Soziologie, Politik und Psychologie und beschäftigt sich in seinem Blog (seit 2008) „Kriegsursachen, Destruktive Politik und Kindheit“ mit der weltweiten Gewalt gegen Kinder als zentralen Aspekt in der Kriegsursachen-Forschung. Er ist Mitglied der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) Eine frühe Fassung seiner Thesen: „Als Kind geliebte Menschen fangen keine Kriege an: Plädoyer für einen offenen Blick auf die Kindheitsursprünge von Kriegen, Arbeitspapiere zur Internationalen Politik und Außenpolitik 4/2012

Buchempfehlungen:

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Foto: Das Kind Putin Von Kremlin.ru, CC-BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4970092

Hinweis: Der Text wird regelmäßig aktualisiert, erweitert und ggfls. korrigiert; letzte Änderung: 17.3.22, 18.50 Uhr.

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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