DIE STILLEN ECKEN DER NORDSEE MIT GESCHICHTE:  Hoch oben in Nordfriesland im Rickelsbüller Koog

Es gibt sie noch – die Orte, an die man so gerne zurückkehrt! Entlang der Nordseeküste von Schleswig-Holstein gibt es diese versteckten, vielleicht noch unbekannten oder gar belebten Orte, die keiner vergisst, weil die Erinnerungen an den Besuch einen nicht mehr loslassen- wahre Sehnsuchtsorte, … hier ein Tipp:

Hoch oben in Nordfriesland im Rickelsbüller Koog

Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, die Landgewinnung. Einsame Wege im flachen Land und Bauernhöfe stehen auf Warften in der Weite eines endlosen Meeres grüner Wiesen und Weiden. Ein Meer waren Teile dieser Gegend tatsächlich, seit Jahrhunderten schützen sich die Leute vor der Nordsee; rangen die Menschen dem Meer Boden

ab und machten ihn urbar, sicherten damalige Inseln in einer amphibischen Welt. Wer mit dem Rad an der Küste Nordfrieslands unterwegs ist, passiert manchmal alte Deiche im Hinterland, Geschichtslinien, und radelt vorbei an „Halligen“, die nicht mehr im Meer liegen.

Es ist eine karge Landschaft unter dem Wind, doch eine voll intensiver Schönheit und Sinneseindrücke gerade im Herbst. Lange stand es unentschieden zwischen Land und Meer. Manche Höfe tragen den Begriff „Hallig“ nicht nur im Namen, es waren einst sichere Eilande in einer Welt, die nicht mehr Land war und noch nicht Meer. Alle Wege nach Westen enden am Meer, die Deiche werden jünger und höher.

Eine schöne Radroute führt zum Beispiel zum Rickelsbüller Koog. Dieses Gebiet, unmittelbar südlich der Grenze zu Dänemark, ist eines der letzten an der Nordsee, das eingedeicht wurde, das Projekt wurde Anfang der 1980er Jahre fertiggestellt.

Das alte Rickelsbüll ging im Jahre 1615 in einer Orkanflut unter, so wie andere Siedlungen auch. Statt Glockengeläut des alten Kirchspiels die Rufe der Vögel. Längst ist auf dem Weg nach Westen an dieser Stelle aus Feld und Flur eine amphibische Welt geworden – Wasser, Schilf, Inseln; ein Refugium für Vögel.

Goldregenpfeifer rasten hier zum Beispiel und wenn sie zu tausenden am Boden stehen, schimmert es wie Gold. Spektakulär ist das Luft-Ballett der Alpenstrandläufer; wenn sie in wilden Formationen durch Luft tanzen. Man sagt, dass mit jeder Generation eine Deichlinie weiter westwärts rückte.

Und die Leute nannten es Koog, was sie an Land gewannen. Ein alter Deich führt zur Kirche von Alt-Horsbüll, auch sie liegt auf einer Warft. Die Blätter der Silberpappeln flirren im Licht und die Nordsee ist längst zu spüren.

Auch die Kirche von Fahretoft steht trutzig auf ihrer Warft. Vor Jahrhunderten kein sicheres Land, stattdessen legten Schiffe an. Die Kirche von Fahretoft steht umgeben von mächtigen Pappeln und Eschen und wacht über weites Land. Das einst ein Meer war. Und nun sicher hinter dem letzten, neuesten Deich liegt.

Erweiterte Informationen über den Koog:

Der Bau des Rickelsbüller Koogs begann 1979, die Einweihung erfolgte 1981. Er ist nach dem in der Großen Schadensflut am 1. Dezember 1615 untergegangenen Dorf Rickelsbüll benannt, dessen Überreste sich unter dem Deich zwischen dem Wiedingharder Neuen Koog und dem Rickelsbüller Koog befinden. 1982 wurde der Koog zum Naturschutzgebiet erklärt.

Am 10. Dezember 1997 wurde ein Infopavillon eröffnet, der sowohl in Deutsch als auch in Dänisch über die anzutreffenden Vogelarten informiert.

Beitragsfoto: Rickelsbüller Koog von oben. Bildautor: Ra Boe / Wikipedia, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19426760

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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