Sagen und Legenden in Schleswig-Holstein: der böse Herr von Zago

Über das Land zwischen Nord- und Ostsee ranken sich zahlreiche Sagen und Legenden. Besonders die Halligen, Inseln, Seeleute -und nicht zuletzt das Meer- bieten Stoff für zahlreiche Geschichten, die bis heute jedes Kind in Schleswig-Holstein kennt. Schon mal von der Sage vom bösen Herr von Lago gehört?

Die St. Johannis-Kirche in Flensburg-Adelby (auch Adelbyer Kirche genannt) lebt von ihrer ganz besonderen Atmosphäre: viele Menschen sagen, dass sie sich dort geschützt und geborgen fühlen. Auch Sagen und Legenden ranken um die älteste Kirche der Stadt Flensburg. Die Redewendung „Er steht mitt’n im Weg wie die Adelbyer Kirch’“ hat mit der Johannis zu tun. Ebenso die Sage vom bösen Herrn von Zago. Fangen wir vorne an:

Die kuriose Entstehung der Redewendung: ‚Er steht mitt’n im Weg wie die Adelbyer Kirch

In Flensburg gibt es die Redewendung, wenn jemand ungeschickt im Weg steht: „Er steht mitt’n im Weg wie die Adelbyer Kirch’“. Nach einer Sage soll diese Redewendung dadurch entstanden sein, dass man die Kirche in Adelby (2) zunächst an eine Stelle bauen wollte, wo aber des Nachts jedoch stets das schon Erbaute immer wieder abgerissen wurde.

Deshalb hätten die Kirchenbauer einen klugen Mann, der in einem Wald bei Tarup wohnte, gefragt, was da zu tun sei. Der gab ihnen den Rat, zwei Ochsen zusammenzubinden, sie einfach laufen zu lassen, auf dass dort, wo sie sich sodann hinlegen würden, sie die Kirche errichten sollten.

Nun heißt es weiter, dass sie den Rat befolgt hätten, doch die Ochsen hätten sich einfach mitten auf den Dorfweg hingelegt, und sie hätten sich nicht mehr wegtreiben lassen. So mussten sie die Kirche mitten in den Weg bauen, und der gerade Weg musste an ihr vorbeigelegt werden

Geisterbann im Schloss Satrupholm: Ein tapferer Prediger, ein flüchtender Geist und die unerwartete Rettung durch einen Studienabbrecher

In einer Sage wird berichtet, dass im Schloss Satrupholm (1) einst der Geist des ehemaligen Besitzers, des bösen Herr von Zago, spukte. Deshalb habe man einen besonders berühmten Prediger aus Adelby herbeigerufen, dem es zuvor schon mehrfach geglückt war Geister zu bannen.

Er versprach mit Zuversicht auch hier Ruhe zu schaffen. Gegen zwölf Uhr ging er mit der Bibel unter dem Arm in das Zimmer, wo sich der Spuk immer zuerst zeigte. Als die Uhr geschlagen, ließ sich sogleich ein schallendes Gelächter vernehmen und der Geist trat ein. Der Prediger öffnete die Bibel und las die Stellen laut her, die sonst von Erfolg gewesen waren.

Aber der Geist kam auf ihn zu und schlug ihm das Buch aus der Hand und der Geistliche konnte froh sein noch mit heiler Haut davon zu kommen. Der Spuk im Schlosse ward darnach noch doppelt so arg; man war nahe daran das Schloß ganz zu verlassen, als noch eben zur rechten Zeit Hilfe kam.

Unerwartete Rettung durch einen Studienabbrecher

An einem Abend kam ein von der Universität relegierter Student der Theologie im Wirtshause in Satrup an und bat um Nachtquartier. Nach langem Weigern gewährte der Wirt es ihm. Unter den übrigen Gästen kam bald die Rede auf den Spuk und einer erzählte alles genau; der Student hatte aufmerksam zugehört und er erbot sich nun sogleich, den Spuk zu bannen.

Er ward in dasselbe Zimmer geführt, wo der Prediger seinen Besuch gemacht hatte. Bald kam der Geist. Der Student hielt ihm erst eine lange Strafpredigt und stellte ihm alle seine Schandtaten vor. Darauf erwiderte der Geist, wer sich zum Strafprediger aufwerfe, müsse erst selbst rein sein; er, der Student, habe einmal beim Bäcker Semmeln gekauft, sei aber ohne bezahlt zu haben davon gegangen.

Der Student griff sogleich in die Tasche und warf dem Geist den schuldigen Schilling zu; darauf mußte dieser schweigen. Nun hielt der Student ihm das heilige Buch hin und forderte ihn auf, es ihm aus der Hand zu schlagen; aber der Geist konnte es nicht und mußte sich für überwunden erklären; nur eine Bitte hatte er noch, daß er unter der Zugbrücke seinen Platz nehmen dürfe.

Allein die Bitte fand kein Gehör; der Geist hätte da sicherlich die Vorübergehenden nicht in Ruhe gelassen, und schon war eine große hohle Buche, nördlich vom Schlosse, als Verbannungsort ausersehen. Der Kutscher war schon bereit, Geist und Geisterbanner dahin zu fahren, als dieser ihm erst befahl, das Hinterrad abzuziehn und in den Wagen zu werfen.

In vollem Galopp ging’s nun zum hohlen Baum und der unglückliche Geist mußte bis dahin die Achse tragen; dann mahnte ihn der Student schnell hinein. Seit der Zeit war Ruhe im Schloß.

Viele Jahre später wollte ein neuer Besitzer, alles Widerratens ungeachtet, den gefährlichen Baum fällen lassen. Aber die Knechte kamen bald wieder zurück und meldeten, daß keine ihrer Äxte gegen den steinharten Baum hielte. Da erbot sich der Schmied in Ausacker, der was von der Kunst verstand, die Beile zu schärfen. Es gelang nun den Baum zu fällen; aber kaum stürzte er, als eine ungeheure Schar von Uhus und Eulen herbeigezogen kam und mit entsetzlichem Geheul lange die Luft erfüllte.

Quellen / Weiterführende Informationen

(1) 15 Kilometer südöstlich von Adelby gelegen

(2) Der Name Adelby bedeutet so viel wie „Mutterdorf“, „Hauptdorf“ oder auch „Altdorf“. Der Name Adelby ist urkundlich erst seit dem Jahr 1423 bezeugt.

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

Gravatar
WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: