30. Dezember 1819: Theodor Fontane wird geboren

Hurra, hurra,
Von der Tann ist da!
Ihr Düppelschen Schanzen, ihr Düppelschen Schanzen,
Nun gibt es mal wieder ein Stürmen und Schanzen,
Und seid ihr erst unser, dann rüber nach Alsen,
Das Fischvolk uns gründlich vom Halse zu halsen.

Theodor Fontane: Von der Tann ist da! In: Theodor Fontane: Gedichte I. Gedichte (Sammlung 1898). Aus den Sammlungen ausgeschiedene Gedichte. Herausgegeben von Joachim Krueger und Anita Golz. Berlin. 2. Auflage 1995, S. 363-364.

Am 30. Dezember 1819 wird in Neuruppin (Brandenburg) Heinrich Theodor Fontane geboren. Und der Mann hatte guten Geschmack: „Für Schleswig-Holstein war ich vom ersten Augenblick an Feuer und Flamme.“ Die Begeisterung für das Land zwischen den Meeren erfasste den noch nicht dreißigjährigen Fontane, als die Schleswig-Holsteiner 1848 los von Dänemark wollten. Sie hat den wohl größten deutschen Romancier des 19. Jahrhunderts nie losgelassen, obwohl er nur wenige Wochen seines Lebens in Schleswig-Holstein verbrachte.

Genau genommen reiste er im Mai und September 1864 nach Schleswig-Holstein und Kopenhagen (Dänemark), der Grund: Er schrieb Reportagen über den Deutsch-Dänischen Krieg (1. Februar 1864 – 30. Oktober 1864). Fontane war ein Multitalent:

Er absolvierte eine Ausbildung zum Apotheker in Berlin und arbeitete zunächst als Gehilfe in verschiedenen Apotheken und erhielt 1847 seine Approbation als „Apotheker erster Klasse“.

Seine spätere Frau Emilie Rouanet-Kummer lernte Fontane bereits 1836 im Alter von 16 Jahren kennen. Die beiden heirateten aber erst 1850. Sie bekamen sechs Söhne und eine Tochter.

1849 beschloss Theodor Fontane, sich ausschließlich dem Schreiben zu widmen. Er schreibt Theaterkritiken und wird Kriegsberichterstatter vom Deutsch-Französischen und eben jenen genannten Deutsch-Dänischen Krieg.

Absteige im Hotel Rasch

Kommen wir auf 1864 zurück. Er kehrte auf der Heimreise von Dänemark im weihnachtlich verschneiten Flensburg ein und übernachtet im Hotel Rasch. Dort soll Theodor Fontane schlechte Erfahrung gemacht haben, er notierte, dass er ein „schlechtes Zimmer“ bekommen habe: Fontane schreibt in sein Notizbuch über seine Ankunft im Hotel Rasch:

Ankunft in Flensburg bald nach 3 Uhr. In Rasch Hôtel. Schlechtes Zimmer. Geſchlafen. Um 7 aufgeſtanden. Briefe geſchrieben. Thee getrunken. Um 11 zu Bett. Sonntag d. 25. September. Brief geſchrieben. Angezogen. Auf die Poſt. Spatzirgang durch die Stadt und auf den Kirchhof. Table d’hôte.Dr Lucae auf der Straße getroffen; mit ihm flanirt und Kaffe getrunken. Zeitung geleſen. An Stormund Emilie geſchrieben. Gepackt.“

Fontane „Notizbuch“ Quelle

Dennoch verewigte er die Stadt in einem seiner Werke: 1890 siedelte er eine Episode seines Romans „Unwiederbringlich“ in der Fördestadt an. Mit der Geschichte einer unglücklichen Ehe, die mit dem Selbstmord der Frau endet, versetzt Fontane eine reale Begebenheit aus Pommern an die Flensburger Förde.“ Zitat daraus:

Als aber der Abend hereinbrach, trieb es ihn doch hinaus, durch die Straßen und Gassen der Stadt, und überall wo die Fensterläden noch offen oder nicht dicht geschlossen waren, tat er einen Blick hinein, und vor mehr als einem Hause, wenn er das Glück da drinnen und das Kind auf dem Arm der Mutter sah, und wie der Vater seiner Frau den Arm entgegenstreckte, wandelte ihn doch plötzlich eine Furcht vor dem Kommenden an, und auf Augenblicke stand nur all das vor ihm, was er verloren hatte, nicht das, was er gewinnen wollte.

Theodor Fontane: Unwiederbringlich. Roman. Herausgegeben von Christine Hehle, Berlin 2003, S. 260.

Auf Fontanes Hinreise nach Sonderburg von Flensburg aus, die er mit dem Schiff absolvierte, passierte er Holniskliff. In seinem 1892 erschienenen Roman „Unwiederbringlich“ beschreibt er dieses. 

Reizende Fahrt. Holnis, Brunkenis, Broacker-Thürme, Wenningbuch und Gammelmark; in guten 2 Stunden in Sonderburg. Am Werft von Flensburg war der Abschied rührend, den die nach Kopenhagen zurückkehrenden dänischen Flensburger von ihren Freunden nahmen.

Theodor Fontane: Die Reisetagebücher. Herausgegeben von Gotthard Erler und Christine Hehle. Berlin 2012, S. 54.

Gedenktafel

Heute erinnert eine Gedenktafel an die inspirierende Bedeutung der Halbinsel Holnis (in der Umgebung der nördlichsten deutschen Stadt, Glücksburg, nahe Flensburg, siehe hier im Blog) für einen Roman von Theodor Fontane. Sie steht vor dem Fährhaus Holnis, damals wie heute ein Hotel- und Gastronomiebetrieb. Ihr Text lautet:

„Theodor Fontane (1819-1898) passierte Holniskliff mit dem Schiff, als er 1864 von Flensburg nach Sonderburg fuhr. In seinem 1892 erschienenen Roman Unwiederbringlich liegt auf einer dicht an die See herantretenden Düne Schloß Holkenäs, die gräfliche Residenz der Familie Holk, eine Sehenswürdigkeit für die vereinzelten Fremden.“

Inhalt Tafel Holnis

Über Schleswig-Holstein schrieb Fontane

[…] man lebt unter einem Ackerbau und Viehzucht treibenden Volke. Ueberall mehr Agrikultur, als Kultur; Holstein, Schleswig, Jütland sind die drei Mecklenburge der cimbrischen Halbinsel. Hierin ist die Stärke und die Schwäche, sind die Vorzüge und die Nachtheile dieser Landestheile ausgesprochen.

Man lebt hier besser als bei uns, aber man wohnt schlechter; namentlich fehlt jede Eleganz.

Fleisch, Butter, Sahne, Brod; dazu (weil die Städte meist Handelsstädte sind) Kaffe und Thee sind von einer für die Binnenländer beschämenden Durchschnittsgüte, während Tapeten und Gardinen, alles was zur Haus- und Zimmer-Einrichtung gehört, sich im günstigsten Fall in leidlich saubrem, meist in ärmlichem und geschmacklichem nie in elegantem Zustand befindet.

Die alte Frage die ja auch den gebildeten Berliner sein Lebelang beschäftigt, tritt wieder heran: was ist das Vorzuziehende? besser essen oder besser wohnen?

Theodor Fontane: Die Reisetagebücher. Herausgegeben von Gotthard Erler und Christine Hehle. Berlin 2012, S. 45.

Wenn Menschen, die in Schleswig-Holstein leben, heute, über 150 Jahre später, in die Hauptstadt der Bundesrepublik reisen, können sie sich ihrerseits dieselbe Frage vorlegen und überlegen, ob es sich nunmehr zwischen den Meeren sowohl besser essen als auch besser wohnen lässt.

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

3 Kommentare zu „30. Dezember 1819: Theodor Fontane wird geboren“

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