Nach Umbau: Deutsches Schallplattenmuseum in Nortorf eröffnet

Das Museum Nortorf war zwischen Sommer 2002 und Herbst 2021 in Nortorf in einem Einfamilienhaus am Jungfernstieg ansässig. Es zeigte dort eine Sammlung über die Entstehungsgeschichte der Schallplatte und zur Geschichte der Schallplattenherstellung sowie die Einrichtung einer ehemaligen Apotheke. Das Museum wurde ihm 1. Oktober 2022 im Kesselhaus der Teldec als Deutsches Schallplattenmuseum neu eröffnet. Als langjähriger Produktionsstandort der Firma Teldec gilt Nortorf auch heute noch über Schleswig-Holstein hinaus als Stadt der Schallplatte

Seit 1. Oktober 2022 können Besucher in Nortorf das „Deutsche Schallplattenmuseum“ in den ehemaligen Räumen der Firma Teldec erleben. Das Museum im Kreis Rendsburg-Eckernförde gilt als weltweit einmalig. Rund 100.000 Schallplatten übergaben die NDR-Verantwortlichen aus dem Archiv des Norddeutschen Rundfunks (NDR) in Hamburg an das Deutsche Schallplattenmuseum im schleswig-holsteinischen Nortorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Der NDR hatte seine Bestände bereits seit Anfang der 2000er-Jahre digitalisiert und die analogen Tonträger für den Sendebetrieb nicht mehr genutzt.

Durch die Übergabe an das als gemeinnütziger Verein eingetragene Museum wird diese umfangreiche Sammlung in Zukunft nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ihr so gewissermaßen ein zweites Leben geschenkt. „Die Kooperation des NDR mit dem Schallplattenmuseum in Nortorf ist für beide Seiten gewinnbringend“, wird zitiert Maria Godsch, Leiterin der Archive im NDR. In den Kellern am Rothenbaum werde dadurch Platz geschaffen.

Schon Anfang Juni 2022 hatten Lutz Bertram, Vorsitzender des Museumsvereins, und sein Team mit dem Umzug der ersten Tonträger ins Museum begonnen. Rund 4000 Schellackplatten wurden in einem ersten Schritt sorgsam verpackt und ins Museum nach Nortorf gebracht. Dabei war Fingerspitzengefühl gefragt:

Die Schellackplatten, die aus der Zeit der Norag (1920er und 30er Jahre) bis in die 1950er-Jahre reichen, zerbrechen schnell, wenn sie herunterfallen oder falsch verstaut werden. Für Museumsleiter Bertram ist die Sammlung „ein riesiger Schatz“. Für ihn fallen daher „Weihnachten, Ostern und Geburtstag“ auf einen Tag, sagt der passionierte Plattenfan und Gründer des Schallplattenmuseums.

Bereits im vergangenen Jahr (2021) hatte sich das NDR Landesfunkhaus Schleswig-Holstein in Kiel von seinen Vinylschätzen getrennt und rund 25.000 Schallplatten an das Museum in Nortorf übergeben. Quelle: NDR Presse

Wer das Museum besuchen will, hier die Adresse: Deutsches Schallplattenmuseum, Niedernstraße 7b, 24589 Nortorf; Eintritt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro; Öffnungszeiten: 1.10.22 14-17 Uhr, sonst täglich 10-17 Uhr

Geschichte der Schallplattenproduktion in Nortorf

1877 gelang es dem Amerikaner Thomas Alva Edison, erstmals Töne mithilfe eines Phonographen aufzunehmen und wieder abzuspielen. Der gebürtige Hannoveraner Emil Berliner entwickelte daraus das Grammophon und anschließend die Schallplatte.

1948 begann in Nortorf in einer umgebauten Lederfabrik die Produktion von Schallplatten auf einer umgerüsteten Lederpresse, nachdem die Telefunken Schallplatten GmbH aus Berlin nach Nortorf umgezogen war. Im ersten Jahr produzierte man 24.278 Schallplatten.

1949 wurden sieben mechanische Kniehebelpressen installiert und die Jahresproduktion auf 400.000 Schallplatten gesteigert.

Im Juni 1950 wurde die 1.000.000ste Platte in Nortorf produziert und die TELDEC Schallplatten-Gesellschaft GmbH in Hamburg gegründet.

Ab 1951 wurde die für die Pressung notwendige Schellackmasse in der Nortorfer Schellack-Massefabrik produziert, die 1952 auch das erste so genannte Langspiel-Granulat herstellte.

Durch den Erwerb der Lederfabrik Ewald Köster wurde das Betriebsgelände 1952 erweitert. Die letzte Pressung einer Schellackplatte erfolgte 1959.

Bis 1987 verließen insgesamt 850.000.000 Schellack- und Vinylschallplatten die Teldec-Plattenfabrik (2).

Die Ausstellung zeigte Teile von Schallplattenpressen, Filme zur Schallplatten- und Musikkassettenherstellung sowie einige tausend Tonträger von der Schellackplatte bis zur CD, aber auch Abstecher zu Tefifon, Tonband und Musikkassette.

Weiterhin fanden sich im Obergeschoss des Museumgebäudes eine alte Apotheke von etwa 1910 sowie zahlreiche andere Exponate zur Nortorfer Stadtgeschichte. Als besondere Exponate gelten die Musikbox aus der legendären Hamburger Kiez-Kneipe Zum Silbersack sowie eine Goldene Elvis Schallplatte aus dem Jahre 1958 mit einem Gravierfehler: Presly statt Presley (3).

Nach der Entscheidung zum Umbau als Deutsches Schallplattenmuseum überließen der NDR Kiel und der NDR Hamburg ihre Schallplattenarchive dem Museum (4).

Aktualisierung am 1.10.22. Weitere Infos, siehe offizielle Website

Quellen:

  1.  Stadtgeschichte zum Leben erweckt
  2. Ende einer langen Musik-Tradition 
  3. Presly statt Presley: Gravierfehler aus dem Jahr 1959 In: Kieler Nachrichten vom 26. Dezember 2011.
  4. 240.000 Songs – NDR 1 Welle Nord verschenkt Plattenarchiv

Foto: Symbol

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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