Straßennamen erzählen Geschichten: Munketoft in Flensburg

Straßennamen erzählen vom Leben. Sie sagen etwas darüber, wie die Menschen an einem Ort arbeiten und wohnen, woran sie glauben und worauf sie hoffen.

Die Straße Munketoft liegt im Flensburger Stadtteil Sandberg, dessen Stadtbezirke lauten Achter de Möhl (1), Adelbylund und Sünderup-West (Campus). Alles zusammen gehört zum Verwaltungsbezirk „Westliche Höhe“, die Postleitzahl dazu lautet 24937. Der Munketoft (oder heißt es die?) ist gleich in zweifacher Hinsicht einzigartig in Deutschland: Zum einen existiert die Straße lt. dem ZEIT Projekt „Straßenverzeichnis: Straßenbilder – Mozart, Marx und ein Diktator nur ein Mal. Zum anderen wurde der Munktetoft-Weg, wie er früher hieß, für eine Persönlichkeit (1) angelegt. Wie? Echt? …

Genau genommen bedeutet der Straßenname Munketoft „Mönchsfeld“. Der liegt im Stadtbezirk Achter de Möhl (2), welcher früher zum Franziskanerkloster Flensburg gehörte. Es wurde 1263 in Flensburg gegründet und ist heute noch in Resten hinter dem Südermarkt, nahe der Roten Straße zu sehen.

Im Bezirk Achter de Möhl (Plattdeutsch für „hinter der Mühle“, gemeint war die königliche Wassermühle) lag damals noch an dem bis ins 19. Jahrhundert existierenden Mühlenteich.

Zu den Straßen im Bezirk Achter de Möhl zählen die Waitzstraße, die Mittelstraße, die Teichstraße, die Fischergasse, die Blumenstraße und bis 1875 auch die eigenständige Landgemeinde Fischerhof. Und nicht zu vergessen, der Munktetoft-Weg.

Kleiner und Großer Mühlenteich – ein Teil Flensburger Geschichte

Als markanter Landschaftspunkt lag im Bezirk Achter de Möhl und dem Fischerhof der Mühlenteich (Foto: Der Kleine Mühlenteich war zu dem Zeitpunkt der Aufnahme bereits von dem Großen getrennt)

Quelle: Stadtarchiv Flensburg. In der Bildmitte, Munketoft 3, liegt direkt am Großen Mühlenteich die Schiffsingenieurschule, die heute zur Universität Flensburg gehört.

Peter Rantzau (* 1535; † 27. September 1602 in Ahrensburg), Ratgeber des dänischen Königs Friedrich II und Amtmann (5) in Flensburg, verwaltete am Areal des Mühlenteichs Amtsgrund. Und dazu ein Angelgebiet. Sein Angelgebiet konnte er nicht erreichen, lag doch der Mühlenteich „im Wege“. Doch Rantzau war plietsch, er ließ zwischen dem Kleinen und den Großen Mühlenteich einen Weg bauen – den Munketoft-Weg. Das war um 1575. Peter Rantzau konnte nun mittels des neuen Weges sein Angelgebiet erreichen.

So entstanden nun der Kleine Mühlenteich (ungefähr dort, wo heute das Deutsche Haus, Bahnhofsstraße/Friedrich-Ebert-Straße, liegt) und der Großen Mühlenteich (ungefähr dort, wo heute der Carlisle-Park liegt und der ehemalige Willi-Merkl-Platz: Sportanlage, Fußball, Tennis, Kegeln).

Im 19. Jahrhundert siedelte sich die Flensburger Brauerei am abgetrennten Kleinen Mühlenteich an. Anfang des 20. Jahrhunderts dann das nächste große Bauwerk: Die beiden Teiche wurden trockengelegt. Es folgte auf einer aufwendigen Pfahlgründung auf dem Gelände des trocken gelegten Großen Mühlenteiches der Bau des heutigen Bahnhofs.

Überschüssiges Wasser wurde dabei in einem Überschwemmbereich des Mühlenteiches, bei der Valentinerallee verdrängt. Es entstand damit der heute noch bestehende „Lütte Mühlenteich“. Am Ufer des Bahnteiches baute die Bahn ein Wasserwerk zur Versorgung der Dampflokomotiven. Am 1. Dez. 1927 konnte der neue Flensburger Bahnhof feierlich eröffnet werden.

So weit die wichtigsten Fakten mit geschichtlichen Hintergründen zum Munketoft. Sicherlich gibt es zu der Straße und der näheren Umgebung im Stadtbezirk Achter de Möhl noch viel mehr zu erzählen, z. B. über die ansässigen Gewerbeunternehmen wie der St. Knudsborg. Doch das würde zu viel Stoff bedeuten. Dazu darf an andere Stelle im Blog auf die Reihe „Gebäude erzählen Geschichte“ verwiesen werden.

Wo findet sich die Straße Munketoft? Bei Google-Maps via ZEIT ONLINE hier.

Quellen:

  1. Peter Rantzau war der Bruder des dänischen Feldherrn Daniel Rantzau. Nach dessen Tod 1569 erbte er zusammen mit dem dritten Bruder Tönnies dessen Anwesen. Peter erhielt die Burg Troiburg bei Tondern (Dänemark) und das Schloss Ahrensburg (Kreis Stormarn) mit den dazugehörenden vier Dörfern Woldenhorn (das heutige Ahrensburg), Ahrensfelde, Meilsdorf und Bünningstedt. Beide alte Burgen ließ er abreißen und stattdessen stattliche Wasserschlösser errichten. In Ahrensburg baute er von 1594 bis 1596 außerdem die Schlosskirche. An die Kirche ließ er 24 sogenannte Gottesbuden für Arme anbauen und hinterließ eine Stiftung zu deren Unterhaltung. Man sieht, Rantzau war ein triebiger Mensch. So auch in Flensburg.
  2. Der Achter de Möhl ist ein Stadtbezirk der kreisfreien Stadt Flensburg, der bis 1875 die eigenständige Landgemeinde Fischerhof bildete. Er schließt sich unmittelbar südlich an das Johannisviertel der Flensburger Altstadt an und liegt im heutigen Stadtteil Sandberg. Der alternative Name Fischerhof (dän.: Fiskergården) ist mittlerweile in Vergessenheit geraten.
  3. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: Katharinenkirche
  4. Haye Gudessen, Bürger in Flensburg, in St. Nikolai-Kirchspiel wohnhaft, bekundet …
  5. Der Amtmann war im deutschsprachigen Raum seit dem Mittelalter der oberste Dienstmann eines vom Landesherrn zur Territorialverwaltung von Gutshöfen, Burgen und Dörfern geschaffenen Amtes, das zugleich ein Verwaltungs- und Gerichtsbezirk war. Er gehörte meist dem Adel oder dem Klerus an, in Städten oft auch den wohlhabenden Schichten des Bürgertums. Er residierte im Amthaus und trieb im Amtsbezirk die Steuern ein, sprach Recht und sorgte mit einer kleinen bewaffneten Einheit für Sicherheit und Ordnung. Seine Entsprechung in Preußen und im Kurfürstentum Sachsen war der Amtshauptmann. Später bürgerte sich für das alte Wort Amtmann das Wort Beamter ein.

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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