Sagen und Legenden in Schleswig-Holstein: Meermann Ekke Nekkepenn 

Über das Land zwischen Nord- und Ostsee ranken sich zahlreiche Sagen und Legenden. Besonders die Halligen, Inseln, Seeleute -und nicht zuletzt das Meer- bieten Stoff für zahlreiche Geschichten, die bis heute jedes Kind in Schleswig-Holstein kennt. Auf dem Meeresgrund treibt das nordfriesische Rumpelstilzchen sein Unwesen. Die Sage um die Gestalt des Ekke Nekkepenn ist ein beliebtes Motiv der norddeutschen Literatur.

Bei Theodor Storm fand er als zündelndes Feuermännlein Eingang in die Novelle „Die Regentrude„. Bei Christian Peter Hansen* ist er ein nicht minder garstiger Meermann, der stark an das Rumpelstilzchen erinnert. Der Sage nach bat Meermann Ekke Nekkepenn die Frau eines Sylter Kapitäns, seiner Frau Rahn bei der Geburt zur Seite zu stehen. Er nahm sie mit auf den Meeresgrund und beschenkte sie nach der Geburt seines Kindes reichlich. Die Jahre gingen ins Land und Nekkepenn erinnerte sich gern an die schöne Frau des Kapitäns. Rahn war indes nicht mehr so ansehnlich und der Meermann beschloss, die Kapitänsfrau an ihrer Stelle zur Frau zu ehelichen.

Ach wie gut, dass niemand weiß

Mit Rahns Hilfe sorgte Ekke Nekkepenn dafür, dass der Sylter Kapitän wenig später mit Mann und Maus unterging. Er selbst macht sich – inzwischen als stattlicher Seefahrer verwandelt – auf, seine neue Ehefrau zu suchen. Am Sylter Strand bei Rantum begegnete er ihrer jungfräulichen Tochter Inge. Er war von ihrer Schönheit geblendet und erklärte sie kurzum zu seiner Frau.

Das Mädchen aber verzweifelte und bat unter Tränen, es wieder frei zu geben. Der Meermann willigte ein, stellte aber ein Bedingung: Das Mädchen müsse bis zum nächsten Abend seinen Namen wissen. Doch keiner der Inselbewohner kannte den Fremdling. Inge war betrübt und ging am Strand entlang, bis sie an der Südspitze bei Hörnum eine Stimme vernahm:

Heute soll ich brauen; 
Morgen soll ich backen; 
Übermorgen will ich Hochzeit machen; 
Ich heiße Ekke Nekkepenn 
Meine Braut ist Inge von Rantum, 
Und das weiß Niemand als ich allein.

Inge konnte das Rätsel lösen und der genarrte Meermann tobte vor Wut. Seither hegt Ekke Nekkepenn einen großen Groll gegen die Sylter und treibt nach Lust und Laune sein Unwesen. Er lässt Schiffe kentern oder beschädigt die Küste durch starke Fluten.

*Christian Peter Hansen (* 28. August 1803 in Westerland; † 9. Dezember 1879 in Keitum), vielfach bekannt unter C. P. Hansen, war ein Lehrer, Zeichner und Chronist der Insel Sylt.

C. P. Hansen war Sohn des Küsters und Navigationslehrers Jap Peter Hansen, der mit der Veröffentlichung des Theaterstücks Der Geitzhals auf der Insel Silt(1809) die friesischsprachige Literatur mitbegründete und ab 1820 in Keitum lebte.

Christian Peter Hansen war Lehrer an der damaligen Keitumer Volksschule; daneben trug er schon in jungen Jahren zahlreiche Sagen, Erzählungen und Geschichten der Insel zusammen.

Seine Sammlung zu Geschichte und Kultur der Insel Sylt war schnell überregional bekannt. Aus einem Schriftwechsel mit Theodor Storm geht hervor, dass er Storm auf dessen Wunsch hin zahlreiche Aufzeichnungen zu Sylter Sagen zuschickte.

1856 erschien seine Chronik der friesischen Uthlande. Darin behauptete er, dass die Friesen den Spruch „Lewer duad üs Slaaw“ bereits 1252 während der Schlacht bei Oldenswort genutzt hätten. Dafür gibt es keine Quelle, Hansen wirkte aber trotzdem daran mit, den Spruch in Nordfriesland populär zu machen. (Quelle: Rudolf Bülck: Lewer duad üs Slaw – Geschichte eines politischen Schlagworts. In: Zwischen Eider und Wiedau. Heimatkalender Nordfriesland 1979, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum o. J., ohne ISBN, S. 163.)

Im Jahr 1859 erschien sein Buch Wegweiser für Badende in Westerland; dieses Werk kann als erster Reiseführer für das noch junge Badeleben auf der Insel Sylt angesehen werden. Zahlreiche weitere Werke und Veröffentlichungen über die

Geschichte und Kultur der Insel Sylt folgten und sorgten dafür, dass C.P. Hansen bis heute als der bedeutendste Chronist der Insel Sylt angesehen wird. Darüber hinaus war Hansen einer der Wiederbegründer der alten Tradition des Biikebrennens auf der Insel.

1869 nahm C.P. Hansen an der Schleswig-Holsteinischen Landes-Industrie-Ausstellung in Altona teil und präsentierte feine Strickwaren. Er trug damit dazu bei, diese Sylter Handarbeiten bekannt zu machen.

Daneben präsentierte er Exponate seiner Fossiliensammlung und Trigonometrie-Scalen aus Buchsbaumholz, die sein Vater hergestellt hatte und erhielt für seine Beiträge an dieser Ausstellung eine Bronze-Medaille.

Zeichnend durchstreifte er seine Heimatinsel Sylt und fertigte zahlreiche kleine Landschafts- und Meeresdarstellungen an, wovon mehrere als Lithografien hergestellt wurden, um sie an Touristen zu verkaufen. „Hansen warb mit diesen Zeichnungen wie mit seinen Schriften, mit denen er das alte Sylt der Nachwelt erhalten wollte, auch für den aufkommenden Fremdenverkehr.“ (Ulrich Schulte-Wülwer in: Künstlerinsel Sylt).

Hansens ehemaliges Wohnhaus in Keitum zeugt nun als Museum Altfriesisches Haus von der Wohnkultur der damaligen Zeit, auch finden sich dort zahlreiche Relikte des Chronisten.

Beitragsfoto: Gemeinfrei / Mattes / http://www.wikipedia.org

Foto unten: Christian Peter Hansen; Gemeinfrei; Quelle: Museumsverband Schleswig-Holstein und Hamburg e. V.

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Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

2 Kommentare zu „Sagen und Legenden in Schleswig-Holstein: Meermann Ekke Nekkepenn “

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