Erdgeschichte: Sternenstaub und Lebensbringer – der Meteorit „Flensburg“

Am 12. September 2019 gelang einem Windsurfer an der Nordseeküste eine spektakuläre Aufnahme des Meteoriten Flensburg. Forscher fanden in dem golfballgroßen Stein anschließend die ältesten Spuren von flüssigem Wasser in unserem Sonnensystem. Dieser sei, bezogen auf Deutschland, „der mit großem Abstand wissenschaftlich wichtigste Meteoritenfall“

Meteoriten gehen öfter über Deutschland nieder als man glaubt. Doch nur die wenigsten werden gefunden. Dabei können die Feuerkugeln viel über die Erdgeschichte erzählen. In der ZDF Sendung „planet e.“ geht es mit Meteoritenjägern auf die Suche nach dem Himmelsgestein und mit Forschern auf Milliarden Jahre zu den Anfängen des Lebens zurück geblickt. Besonderer Blickpunkt wird dabei auf den Meteoriten „Flensburg“ gelegt. Dazu ein Extra-Video (siehe weiter unten).

Meteoriten gehören zu den ältesten Gesteinen des Universums und haben die Ur-Erde geformt. Sie können aber auch gefährlich sein und beim Einschlag auf die Erde katastrophale Verwüstungen hervorrufen.

Kilometerweite Krater zeugen von früheren Kollisionen, wie zum Beispiel das Nördlinger Ries mit beeindruckenden 25 Kilometern Durchmesser.

In der Neuzeit gefundene Meteoriten helfen Wissenschaftlern dabei, die Ursprünge der Erde zu rekonstruieren. Weil ihre Materie die Basis für viele Erkenntnisse liefert, organisiert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ein „Feuerkugelnetzwerk“,

bestehend aus 15 Hochleistungskameras, die Nacht für Nacht den gesamten Himmel über Deutschland erfassen. Anhand der Aufnahmen werden Flugbahn und Einschlagsort bestimmt.

Aber nicht nur Forscher sind von den Himmelskörpern fasziniert: Meteoriten-Sammler in aller Welt jagen den seltenen Steinen nach und zahlen Unsummen für besonders rare Stücke, etwa Meteoriten-Fragmente vom Mars.

In den USA gibt es sogar eine App, mit der die eigenen Beobachtungen melden kann. Viele Sternenfans versuchen, mit ihren Kameras Bilder von herabstürzenden Himmelssteinen einzufangen.

Meteorit Flensburg

Am 12. September 2019 gelang einem Windsurfer an der Nordseeküste eine spektakuläre Aufnahme des Meteoriten Flensburg. Forscher fanden in dem golfballgroßen Stein anschließend die ältesten Spuren von flüssigem Wasser in unserem Sonnensystem.

Die Dokumentation „Sternenstaub und Lebensbringer“ von Doris Ammon und Petra Haffter wurde im ZDF gezeigt und kann hier in der ZDFmediathek nachgeguckt werden (Video verfügbar bis 12.12.2026). Quelle: ZDF

Mehr über den Meteoriten „Flensburg“

Am 12. September 2019 um 14:49:48 Uhr trat ein Meteoroid über Norddeutschland in die Erdatmosphäre ein. Es bildete sich eine weit sichtbare Tageslichtfeuerkugel, die von einigen Kameras aufgezeichnet wurde.

Überschallknallgeräusche waren in Schleswig-Holstein zu hören. Nach Angaben von Augen- und Ohrenzeugen aus Belgien, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, Dänemark und Deutschland deutete zunächst vieles darauf hin, dass eventuelle Meteoriten in die Nordsee gefallen wären.

Daten der NASA und detailliertere Auswertungen zeigten dann, dass es im deutsch-dänischen Grenzgebiet zu Meteoritenfällen gekommen sein könnte.

Unabhängig davon entdeckte am 13. September der Flensburger Erik Due-Hansen einen ungewöhnlichen Stein in seinem Garten im Stadtteil Weiche, den er für einen Meteoriten hielt.

Eine Erstbegutachtung erfolgte durch Mitglieder des Arbeitskreises Meteore, die den Kontakt zum deutschen Meteoritenforscher Dieter Heinlein herstellten.

Fachleute fanden schnell heraus, dass der 24,5 Gramm schwere Stein tatsächlich ein Meteoritenfragment ist, das aus dem Ereignis vom 12. September stammt.

Umfassende Untersuchungen an der Universität Münster von Addi Bischoff zeigten einen sehr seltenen ungruppierten kohligen Chondriten des Typs C1. Bischoff zufolge sei „Flensburg […] bezogen auf Deutschland, der mit Abstand, mit großem Abstand wissenschaftlich wichtigste Meteoritenfall“.

Die Datenbank Meteoritical Bulletin Database führt den Meteoriten seit dem 5. Februar 2020 unter der Bezeichnung Flensburg, benannt nach dem Fundort.

Von dem Meteoriten wurde für die Klassifikation ein Teil abgetrennt, die verbliebene Hauptmasse von 17,06 Gramm kaufte die Westfälische Wilhelms-Universität Münster am 8. Januar 2020. Etwa 15 Institute in Deutschland, Frankreich und der Schweiz untersuchen weiterhin den Meteoriten.

Weitere Untersuchungen, publiziert im Januar 2021, kamen zu dem Schluss, dass der Meteorit nur Minerale enthält, die in Anwesenheit von Wasser entstehen, beispielsweise Schichtsilikate und Karbonate.

Die gefundenen Karbonate im Flensburg-Meteoriten gehören demnach mit zu den ältesten im Sonnensystem. Das Alter des Meteoriten wurde mittels Ionensonde bestimmt, basierend auf dem Zerfall von Mangan-53.

Die Datierung zeigte, dass der Mutterasteroid, von dem der Flensburg-Meteorit stammt, sich bereits drei Millionen Jahre nach Entstehung der ersten Festkörper im Sonnensystem gebildet hat.

Sie sind damit mehr als eine Million Jahre älter als vergleichbare Karbonate in ähnlichen Meteoritentypen und zeigen die frühesten Vorkommen von flüssigem Wasser auf planetaren Körpern.

Asteroiden, wie der Mutterasteroid des Flensburg-Meteoriten, könnten demnach flüssiges Wasser auf die Erde gebracht haben, als diese genug abgekühlt war.

Sehenswertes Video: Der älteste Meteorit seiner Art – Flensburg lüftet Geheimnis der Erde

Quellen:

StrewnLAB Bulletin Autor: Jim Goodall

Radiobeitrag im Deutschlandfunknova mp3

Tilmann Post: Die Sensation nach dem großen Knall. Hrsg.: Schleswig-Holstein. 7. Dezember 2010.

Television report, 3sat vom 17. Februar 2020, 18:49 Uhr

Flensburg (Meteorit)

Thorsten Dambeck: Der Flensburg-Meteorit enthält die ältesten Spuren von Wasser in unserem Sonnensystem. In: Neue Zürcher Zeitung. 21. Januar 2021, abgerufen am 21. Januar 2021.

NASA cneos

Marco Langbroek auf Twitter

Beitragsbild: Erstbegutachtung des Meteoriten ca. 2 Wochen nach dem Fall. Gut erkennbar ist die schwarze Schmelzkruste. Foto: (c) Carsten Jonas – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=11514240

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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