Rezension zu „MÖRDERISCHE OSTSEE“ v. CLAUDIA SCHMID

„Ihr Dreitagebart ist mir schon aufgefallen“ … ‚“Wir holen dir neue (Blumen), wenn wir zurück sind. In deinen Lieblingsfarben. So viel du willst“ //

Nein, es macht keinen Spaß, einen Verriss zu schreiben. Warum es aber dennoch lohnt, diesen zu lesen, erläutere ich auf den folgenden Zeilen.

Zunächst, worum geht es? Die in Passau lebende Autorin Claudia Schmid*, die Kriminelles, Historisches, Reiseberichte, Hörspiele und Theaterstücke schreibt, hat am 10. März 2021 ihren neuesten kriminellen Freizeitführer unter dem Titel „Mörderische Ostsee“ im GMEINER-Verlag veröffentlicht. Auf 280 Seiten präsentiert sie 11 Krimi-Kurzgeschichten, 11 Städte und 11 Morde.

11 Städte und 11 Morde klingt schon mal verdächtig, würde der Kriminalist jetzt sagen. Und diese sind gewöhnungsbedürftig – doch dazu weiter unten mehr. Hauptakteure der Stories ist das „kultige“ (lt. Verlagsangabe) Ehepaar Edelgard und Norbert Buchmann. Ferner kommen in einigen Storys der Sohn der Buchmanns Julian sowie die Journalistin Marja vor.

Die Buchmanns begeben sich auf eine Reise durch 11 Metropolen der Ostsee, beginnend in Stockholm (Schweden), geht es weiter nach Sankt Petersburg (Russland), Tallinn (Estland), Riga (Lettland), Klaipeda und Vilnius (Litauen), Danzig (Polen), Lübeck (Lübecker Bucht, Deutschland), Flensburg (Deutschland), Kopenhagen (Dänemark) und am Ende in Helsinki (Finnland).

Dabei erleben sie ungewöhnliche Kriminalfälle. Mal ist es ein schauriges Geheimnis auf einer Insel des Schärengartens, mal spüren Sie der bewegenden Lebensgeschichte einer betagten Nachbarin nach, mal geht es um sexuelle Gewalt und Suizid , mal um entdeckte entartete Kunst und mal einfach nur eine in Ostsee-Wasser gestoßene Liebeskonkurrentin.

Gespannt wie ein Flitzebogen las ich die Story „Ferienwohnung mit Anschluss“, die ja an meinem Wohnort Flensburg spielt. Um es kurz zu sagen: sie enttäuscht auf ganzer Linie. Sie kristalisiert sich als eine platte Eifersuchtszene, wo am Ende eine Frau die andere ins Ostseebecken am Flensburger Museumshafen stößt und der Ehemann am Plott sagt: „Wir ziehen um in ein Hotel. Sofort“. „Natürlich, Schatz. Wir nehmen ein Taxi.“ Diese Plattheit ist nur eine von vielen in dem Krimi – mit Verlaub, sowas hat nichts in einem guten Krimi zu suchen, langweilen kann man sich woanders.

Nein, das Buch ist nicht, um auf obige Andeutung zurück zu kommen, kompletter Quark. Die Landschaftsbeschreibungen sind teils reizvoll, die geschichtlichen Hintergründe interessant und der Schreibstil der Autorin ist einfach, flüssig und flott, die Storys ausreichend recherchiert.

Zu „mehr“ reicht es aber nicht, daher darf die Etikette „Verriss“ so genannt werden. Alleine die nicht unwesentlich seltenen Plattitüden wie „Ihr Dreitagebart ist mir schon aufgefallen“ … ‚“Wir holen dir neue (Blumen), wenn wir zurück sind. In deinen Lieblingsfarben. So viel du willst“ (Seite 112, 189) verärgern.

Ja, es gibt und gab reizvollere Krimis aus dem Hause GMEINER. Ich möchte an das Werk der Sandra Dünschede  „Deichgrab“ erinnern, mit der sie mit dem Medienpreis des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes als bester Kriminalroman in Schleswig-Holstein ausgezeichnet wurde. Oder an Autor Wimmer Wilkenloh und sein exzellentes „Donnergrollen„.

*Claudia Schmid lebte in Passau, bevor sie sich ihren Traum erfüllte und an der Mannheimer Universität Germanistik studierte. Seit 30 Jahren wohnt sie nun in der Metropolregion Rhein-Neckar, nahe Heidelberg, und schreibt Kriminelles, Historisches, Reiseberichte, Hörspiele und Theaterstücke. Neben ihren Büchern hat die Ehren-Kriminalkommissarin der Polizei Mannheim-Heidelberg über vier Dutzend Kurzgeschichten veröffentlicht. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin ist auch als Redakteurin von »kriminetz.de« sowie als Kommunikationstrainerin tätig und übernimmt mit Vorliebe kleine Rollen in Fernsehkrimis. 

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