Wer war eigentlich … Dieterich Buxtehude?

Über den berühmtesten Lübecker Komponisten Dieterich Buxtehude ist nur wenig bekannt. Belegt ist, dass er am 9. Mai 1707 verstorben ist, nur knapp zwei Jahre nachdem der junge Johann Sebastian Bach ihn besuchte, „um das eine oder andere zu lernen“.

Psalm 133,1: „Siehe, wie fein und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen“ – Zu Ehren des 316. Todestages Dieterich Buxtehude veranstaltete die Stadtbibliothek Lübeck am 9. Mai 2022 ein Benefizkonzert im historischen Scharbausaal des Bibliothekgebäudes*. Der Cembalist Michael Fuerst, unter anderem Dozent an der Musikhochschule Lübeck, spielte Cembalowerke des jungen Bach sowie Werke von seinen Lehrern und Freunden Buxtehude und Jan Adam Reincken, der in der Katharinenkirche in Lübeck begraben liegt. Doch, wer war Dieterich Buxtehude?

Die Geburtsdaten von Dieterich (auch Dietrich) Buxtehude ist nicht ganz sicher belegt. Geboren wurde er um 1637 als Sohn des aus Oldesloe in Holstein stammenden Organisten Johann(es) Buxtehude (Hans Jenssen Buxtehude, 1602–1674) und Helle Jaspersdatters.

Der Ort soll das damals dänische Helsingborg (eine Stadt im heutigen südschwedischen Schonen in der Provinz Skåne län) gewesen sein. Frühere Annahmen, er sei in Bad Oldesloe geboren, können nicht ausgeschlossen werden, gelten zurzeit in der Forschung aber als weniger wahrscheinlich. 1641 war sein Vater nachweislich Organist an der St.-Olai-Kirche in Helsingør. Dort absolvierte Dieterich Buxtehude vermutlich die Lateinschule.

Als Organist wirkte er seit 1657 an der Marienkirche in Helsingborg, 1660 bis 1668 an der Marienkirche (auch Deutsche Kirche) in Helsingør. Am 11. April 1668 wurde er Nachfolger Franz Tunders an St. Marien in Lübeck, dessen zweite Tochter Anna Margaretha er am 3. August desselben Jahres heiratete; dort übernahm er als „Werckmeister“ auch Verwaltungsaufgaben und die Rechnungsführung.

Das Ehepaar bekam sieben Kinder, von denen drei den Vater überlebten(1). Er führte die von seinem Schwiegervater begründete, seit 1673 Abendmusiken genannte Reihe adventlicher geistlicher Konzerte fort, die ihn als Komponisten und virtuosen Organisten bekannt und berühmt machte. Schon 1669 ließen die Kirchenvorsteher der Marienkirche Seitenemporen anbringen, die es ermöglichten, von dort zusammen mit der großen Orgel zu musizieren.

Bachs 456 Kilometer Marsch zu seinem Vorbild: Dieterich Buxtehude

1705 legte Johann Sebastian Bach mehr als 465 Kilometer von Arnstadt (Thüringen) nach Lübeck zu Fuß zurück, um sein musikalisches Vorbild Buxtehude zu hören, und nahm vermutlich Unterricht bei ihm. Der Aufenthalt in Lübeck bedeutete für Bach so viel, dass er diesen „Bildungsurlaub“ eigenmächtig um 12 Wochen verlängerte und er deshalb von seinen Vorgesetzten in Arnstadt vernommen und gerügt wurde.

Bach scheint sich jedoch für die Nachfolge des alternden Organisten nicht interessiert zu haben, im Gegensatz zu Georg Friedrich Händel oder Johann Mattheson, die diese Stelle in Erwägung zogen und deshalb 1703 nach Lübeck reisten.

Beide verspürten jedoch kein Bedürfnis, nach damaligem Brauch die Tochter des amtierenden Marienorganisten zu heiraten, um dessen Nachfolge antreten zu können. Das galt auch für Bach, der zu dieser Zeit ohnehin schon mit Maria Barbara Bachverlobt war. (Quelle)

Nachfolger Buxtehudes wurde schließlich Johann Christian Schieferdecker, der dessen älteste, 1675 (Quelle)  geborene und bereits um 1709 gestorbene (Quelle) Tochter Anna Margreta heiratete.

Dieterich Buxtehude ist der berühmteste Vertreter der Norddeutschen Orgelschule. Sein bekanntester Schüler war Nicolaus Bruhns.

Buxtehude starb am 9. Mai 1707 und wurde in der Lübecker Marienkirche in der Nähe der sogenannten „Totentanzorgel“ beigesetzt. Bei Bombenangriffen 1942 wurde die Grabstätte zerstört. Zu seinem 250. Todestag 1957 brachte man an seiner Grabstelle eine neue Gedenktafel an.

Bildbeschreibung: Johannes Voorhout – www.schnitgerorgel.de. Am Cembalo ist Johann Adam Reincken, zu der Zeit Organist an der Katharinenkirche im seidenen Hausrock und mit einem dunkelhäutiger Pagen in einer weltgewandten Attitüde dargestellt, die seinem sozialen Status eigentlich nicht entsprach. Vermutlich ist er Auftraggeber des Bildes. Ihm gegenüber sitzt vermutlich mit dem Notenblatt Johann Theile (1646-1724), Kapellmeister an verschiedenen norddeutschen Höfen war und Komponist der ersten in Hamburg aufgeführten Oper. Das Notenblatt hat einen Kanon über den Psalm 133,1: Siehe, wie fein und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen

Von Buxtehude ist kein ihn eindeutig identifizierendes Porträt bekannt. Seit der Wiederentdeckung der Häuslichen Musikszene des niederländischen Malers Johannes Voorhout von 1674 hat es verschiedentlich Versuche gegeben, darin Buxtehude zu identifizieren. 2008 wurde in der Lübecker Stadtbibliothek ein Porträt von Johann Theile entdeckt, das diesen als den Gambisten ausschließt. Das macht es umso wahrscheinlicher, dass Buxtehude der Gambist in der Musikszene ist. Dieser greift auf seinem Instrument die Töne D und B, Buxtehudes Initialen.

Quellen / Weiterführende Infos:

(1) Textheft zur CD: Dietrich Buxtehude: Complete Organ Works I (Friedhelm Flamme an der Treutmann-Orgel der Klosterkirche Grauhof), Seite 10

Nicht nur lesen, auch hören, hier ein Video: Jubilate Domino – D. Buxtehude BuxWV64 – Alex Potter – F. Hess – M. Fuerst – Luebeck St. Jakobi

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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