„Rabiat: Rettet die Ostsee“ – ARD TV-Reportage über ein kippendes Ökosystem

Es ist eine rabiate Reise an ein fast totes Meer. Die Ostsee ist leergefischt, überdüngt und voller Plastikmüll. Eins der beliebtesten Urlaubsziele in Deutschland ist in Gefahr. Das Ökosystem droht zu kippen. Eine internationale Studie kam schon im Jahr 2020 zu dem Schluss: Die Ostsee ist in durchwachsenem Zustand.

Reporter Manuel Möglich trifft in „Rabiat: Rettet die Ostsee!“ Politiker, Pensionsbesitzer, Touristen und Biologen, die sich alle auf ihre Art Sorgen um die Ostsee machen. Mit der Umweltorganisation Sea Shepherd und dem Fischer Uwe Lund fährt Möglich raus, um nachzusehen, wie es aktuell aussieht und was getan werden muss, um das Ökosystem zu erhalten und ein Leben am und mit dem Meer auch in der Zukunft zu ermöglichen. Die Reportage „Rabiat: Rettet die Ostsee!“ ist in der  ARD-Mediathek noch bis 29.08.2023 verfügbar.

Sea Shepherd fuhr in diesem Sommer eine groß angelegte Ostsee-Kampagne. Es gab Camps an den Stränden. Die freiwilligen Helfer suchten nach Plastikmüll und wollen die Touristen aufklären. Mehrere Boote waren im Einsatz und kontrollierten Fischerei und Schifffahrt. 

Uwe Lund sagt von sich, er sei der letzte Berufsfischer von Flensburg. Ein Mann Mitte 50, der sein Herz auf der Zunge trägt. Seit 40 Jahren führe er hinaus aufs Meer wie einst schon sein Vater. An einem Morgen im Juni begleitete „Rabiat“-Reporter Manuel Möglich ihn an Bord seines Schiffs „Popeye“ in die Flensburger Förde. 

Auch Lund hätte gemerkt, dass sich die Ostsee verändert hat. Früher fing er mehr Fische, sagt er, heute seien seine Netze häufig leer. Besonders bedroht in der Ostsee und durch Fangquoten reguliert sei der Dorsch. Lund freute sich nun über Plattfische und verkaufe, was er fängt, im Hafen später direkt von seinem Boot. Lund wird zitiert: „An den Klimawandel habe ich früher nicht geglaubt, aber mittlerweile weiß ich: Den gibt es“

Mit den Aktivistinnen und Aktivisten von Sea Shepherd habe sich Lund noch nie unterhalten, würde er auch nicht unbedingt machen. Er hätte aber „Rabiat“-Reporter Manuel Möglich eine Frage mit auf den Weg gegeben: „Bin ich kleiner Fischer mit meinem Kutter wirklich das Problem?“ 

Im Juli 2022 begleitete „Rabiat“-Reporter Manuel Möglich dann die Crew von Sea Shepherd hinaus auf die Ostsee. Vor der Küste von Kühlungsborn habe das Team in 20 Metern Tiefe ein altes Fischernetz entdeckt. Häufig verhedderten sich Meeressäuger in solchen Geisternetzen, gelangten nicht zurück an die Oberfläche. Auch lösten sie sich langsam in winzige Plastikfasern auf und trügen so zur Mikroplastik-Belastung der Meere bei. Allein in der Ostsee sollen jedes Jahr bis zu 10.000 Netze und Netzteile verloren gehen, schätzen Fachleute. 

„Rabiat: Rettet die Ostsee!“ sei eine Bilanz der verpassten Chancen. Hätten sich die deutschen Küstenländer und die europäischen Anrainerstaaten früher auf geringere Fangquoten, gemäßigtere Industrieeinleitungen und weniger Agrardünger geeinigt, dann ginge es der Ostsee heute deutlich besser.

Die Reportage „Rabiat: Rettet die Ostsee!“ ist in der  ARD-Mediathek noch bis 29.08.2023 verfügbar. Quelle: ARD / Radio Bremen

Beitragsfoto (c) Willi Schewski: Flensburger Förde, Sicht auf Hafenanlagen West- (i. Bi. li.) und Ostufer (re.)

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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