Bilder aus Georgien: Die Klosteranlage von Schiomghwime

Georgien ist ein Staat an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien. Die ehemalige Sowjetrepublik umfasst Bergdörfer im Kaukasus ebenso wie Strände am Schwarzen Meer. Unsere Reisereporterin zeigt uns Bilder aus dem kulturreichen Land, sie erzählen viel Geschichte

Die Klosteranlage (1) von Schiomghwime (georgisch შიომღვიმე) liegt in Georgien sieben Kilometer (Luftlinie) westlich vom Stadtzentrum der alten Hauptstadt Mzcheta, etwa 30 km nördlich von Tiflis in der heutigen Verwaltungsregion Mzcheta-Mtianeti (2). Das Kloster zählt zu den bedeutendsten Denkmälern frühmittelalterlicher georgischer Baukunst.

Das Kloster gründete der Überlieferung nach im 6. Jahrhundert ein syrischer Mönch (3) und Missionar namens Schio Mghvimeli. Schio soll einer der 13 legendären syrischen Mönche gewesen sein, die das christliche Klosterwesen in Georgien belebten.

Zunächst lebte Schio in einer Höhle und predigte in den umliegenden Dörfern. Der Name Schiomghwime bedeutet „Höhle des Schio“. Schließlich wurde an dem Ort eine Kirche und später ein Kloster errichtet.

Das Kloster konnte seine Anlage in den folgenden Jahrhunderten auch dank der Unterstützung vor allem der Könige Giorgi II. und David IV. des Erbauers erweitern. Der Anlage wurde mit der Zeit ein Refektorium (2) hinzugefügt (erbaut vom 12. bis 17. Jahrhundert) und eine kleine Kapelle (aus dem 12. Jahrhundert).

1614–16 wurde die Anlage bei einer Invasion persischer Truppen unter Schah Abbas I. zerstört. 1678 erfolgte ein Neuaufbau der zerstörten Kirche als Basilika (4), wobei der alte oktogonale (5) Grundriss beibehalten wurde.

Wie alle größeren Klöster Georgiens spielte das Kloster eine bedeutende Rolle bei der Pflege, Bewahrung und Entwicklung der georgischen Kultur. Viele georgische Künstler und Wissenschaftler wirkten hier.

Das Kloster ist am nördlichen Ende in einer engen Schlucht am nördlichen Ufer des Flusses Kura (მტკვარი/Mtkwari) gelegen. Unmittelbar über dem Kloster findet sich eine Felswand mit vielen natürliche Höhlen, die den Bewohnern in früherer Zeit als Schutz- und Rückzugsort dienten.

Diese natürlichen Wohnstätten waren sicher auch der Grund, warum sich Schio einst hier niederließ. Im Laufe der Zeit wurden die Höhlen erweitert und dienten Eremiten (6) und Mönchen als Wohn- und Meditationsorte.

Quellen:  Heinz Fähnrich: Art. Schio Mghvimeli, in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Band 9, Freiburg 2000, Sp. 147.

Begriffsbestimmungen:

(1) Ein Kloster ist eine Anlage, die als Wohn-, Arbeits- und Gebetsstätte von einer religiösen Lebensgemeinschaft genutzt wird. Die vielfach Mönche (siehe 3) beziehungsweise Nonnen genannten Bewohner leben in einer auf die Ausübung ihres Glaubens konzentrierten Lebensweise im Kloster zusammen. Die Klosteranlage besteht in der Regel aus Kult-, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und eventuell noch weiteren Bauwerken.

(2) Mzcheta-Mtianeti (georgisch მცხეთა-მთიანეთი; vollständig მცხეთა-მთიანეთის მხარე, Mzcheta-Mtianetis mchare) ist eine Region Georgiens. Sie liegt im östlichen Teil des Landes und grenzt im Norden an Russland, im Osten an die Region Kachetien, im Süden an die Region Niederkartlien und im Westen an die Region Innerkartlien. Hauptstadt der Region ist Mzcheta.

(3) Das Mönchtum ist die Gesamtheit der von Mönchen und Nonnen praktizierten geistlich geprägten Lebensformen. Das Mönchtum kann definiert werden als Absonderung von der Form der Religionsausübung, die für die Mehrheit der Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft typisch ist, und Übernahme eines durch Askese und Gebet geprägten Lebensstils. Das Mönchtum existiert in verschiedenen Religionen, so vor allem im Buddhismus und im Christentum, ferner im Hinduismus und im Daoismus. Die Ziele eines monastischen (mönchischen) Lebens können variieren: religiöse Vollkommenheit, mystisches Streben nach der diesseitigen Vereinigung mit der Gottheit, Erreichen der vollkommenen inneren Leere mit der unmittelbaren Erfahrung einer göttlichen transzendenten Realität, die die gewöhnliche Erkenntnisfähigkeit des Menschen übersteigt.

(4) Das Refektorium (von mittellateinisch refectorium ‚Ort der Erquickung‘, zu reficio ‚wiederherstellen, sich erholen, erfrischen‘), auch Remter genannt, ist der Speisesaal eines Klosters. Ursprünglich ein freistehender Bau, wurde das Refektorium in der benediktinischen Tradition häufig mit einem Flügel des Kreuzgangs verbunden. Das Refektorium gehört neben Kirche und Kapitelsaal zu den wichtigsten Räumen eines Klosters.

(5) Basilika (von altgriechisch βασιλικὴ στοά basiliké stoá, deutsch ‚Königshalle‘, lateinisch basilica domus) war ursprünglich der Name großer, für Gerichtssitzungen und Handelsgeschäfte (z. B. als Markthalle) bestimmter Prachtgebäude.

(6) Ein Oktogon oder Oktagon (Achteck) ist in der Architektur ein Zentralbau oder -raum mit einem Grundriss in Form eines regelmäßigen Achtecks. Das Achteck hat seit der Antike eine symbolische Bedeutung, die auf das Urbild des achtstrahligen Sterns zurückgeht und für Vollkommenheit steht.

(7) Ein Eremit (altgriechisch ἐρημίτης eremítēs „Wüstenbewohner“, deutsch auch „Einsiedler“; von ἔρημος érēmos „unbewohnt, Wüste“) ist ein Mensch, der mehr oder weniger abgeschieden von den Menschen lebt.

Alle Fotos (c): Lilien; danke!

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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