Flensburg & der 8. Mai: Wissenswertes über einen denkwürdigen Tag – früher und heute

„…der Krieg nicht zu Ende ist, wenn der Krieg zu Ende ist.“ In der Tat, der 8. Mai 2021 war in Flensburg ein besonders denkwürdiger Tag. Und nicht nur der des Jahres 2021. Auch die Ereignisse im Mai von vor 76 bzw. 78 Jahren hatten sich buchstäblich in die Geschichte der Stadt eingebrannt. Doch der Reihe nach.

Bomben-Job

Der 8. Mai diesen Jahres steht als Gedenktag für das Ende des 2. Weltkrieges und der am selben Tag durchgeführten Bombenentschärfung in der Fördestadt. Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes Schleswig-Holstein und Organisatoren der Stadt Flensburg hatten alle Hand zu tun.

Die Männer des Kampfmittelräumdienstes hatten den gefährlichsten Job zu meistern: Sie mussten eine unter einem Sportplatzgrün liegende Sprengbomben entschärfen. Das war eine von mehr als 500 über Flensburg abgeworfenen Bomben des 2. Weltkrieges. Um es vorweg zu nehmen: Die Männer machten einen Bomben-Job, sie verrichteten ihr Arbeit erfolgreich.

Voraus gingen monatelange Vorbereitungen. 16.500 Menschen mussten aus dem nord-westlichen Teil Flensburgs ihre Wohnungen räumen. Die Evakuierung, die ab 9 Uhr begonnen hatten, verlief reibungslos.

Für die Personen, die keine Möglichkeit hatten bei Verwandten und Bekannten unterzukommen, wurden insgesamt 15 Notunterkünfte eingerichtet, in denen insgesamt 324 Menschen untergebracht wurden.

Zusätzlich konnten 11 Haustiere in der Unterkunft an der Fördehalle untergebracht werden. Ca. 50 Personen mussten aufgrund von Covid 19 Infektionen bzw. Quarantänesituationen gesondert untergebracht werden. 40 Personen mussten aufgrund von verschiedenen Gebrechen transportiert und zum Teil gesondert untergebracht werden.

Gegen 15:10 Uhr begannen die Experten des Kampfmittelräumdienstes mit der Entschärfung der Bombe. Um 16:46 Uhr vermeldeten sie ihren gefährlichen Einsatz als beendet, alle konnten aufatmen und die Evakuierten wieder in ihre Unterkünfte zurückkehren.

Flensburgs erste Verwaltungschefin, Oberbürgermeisterin Simone Lange* (Beitragsbild oben, Archiv) bedankte sich nach Abschluss des Einsatzes bei allen Beteiligten. Insbesondere bei dem Leiter der Berufsfeuerwehr Carsten Herzog. Der stünde doch „stellvertretend für alle, die im Stab heute die Fäden zusammengehalten und die den Einsatz gesteuert haben.“ Großer Dank galt ebenso den Flensburgerinnen und Flensburgern, die sich kooperativ gezeigt und „mitgeholfen“ hätten.

Bomben-Erinnerung

In ihrem Facebook-Post fädelte Frau Lange einen geschichtlichen Zusammenhang mit der Bombenentschärfung vom 8. Mai 2021 und den Bombenangriffen der Alliierten Kriegsgegnern Deutschlands im 2. Weltkrieg ein. Sie schrieb (Zitat):

Im Mai 1943, also vor genau 78 Jahren erfolgte eine Bombenangriff auf Flensburg bei dem mehr als 500 Sprengbomben auf die Nordstadt abgeworfen worden waren. Ca. 100 fielen in den Hafen, 450 verursachten an Land schwere Schäden. 83 Menschen wurden getötet, 121 verletzt und 1.556 Menschen wurden obdachlos. 77 Wohngebäude wurden zerstört, 325 Gebäude beschädigt.

Es sei hinzugefügt, dass Flensburg im 2. Weltkrieg vergleichsweise von großen Bombenangriffen mit massiven Menschen-Verlusten verschont geblieben ist. Dennoch gab es zwei Bomben-Angriffe, die sich tief in die Erinnerungen vieler Beteiligter einbrannten:

Zur Mittagszeit des ersten schicksalhaften Tages, des 19. Mai 1943, flogen 64 US-amerikanische B17-Bomber der 8. US-Luftflotte in Richtung Flensburg. Die Bomben trafen diverse zivile Einrichtungen rund um den Hafen und im Norden Flensburgs.

Neben Sachschäden gab es Menschenverluste. Und wie so oft im Krieg traf es die Unschuldigen. So schlug eine Bombe ein in den als Bunker dienenden Keller der Nordischen Fischkonservenfabrik in der Batteriestraße 33. Von 270 Schutz suchenden Menschen starben 21 Erwachsene – davon 15 Kinder des dänischen Kindergarten Mariehjem.

Die Umstände ihres Todes war teils grausam: Waren einige in dem Keller-Bunker noch, wenn man es so schreiben darf, – „erträglich“ – sofort durch die Bombe zu Tode gekommen, so starben andere auf grausame Weise: Wasser war aus einer aufgerissenen Leitung in den verschütteten Bunker geflossen. Die Eingeschlossenen ertranken. 

Insgesamt starben an dem Tag 83 Menschen, 111 Menschen wurden verletzt. Am 24. Mai 1943 wurden die Toten auf dem Friedhof Friedenshügel bestattet. Auf Wunsch der dänischen Minderheit erhielten die Kinder eine eigene Grabstätte.

Als zweiter schicksalhafter Tag, an dem Bombenabwürfe in Flensburg Menschen töteten, sei der 2. Mai 1945 genannt. Bei einem Nacht-Bombardement, das zwischen 23.18 und 23.42 Uhr statt fand, verloren 56 Menschen ihr Leben.

Darunter waren auch 20 Kinder.

Es waren Kinder, die erst wenige Tage oder Wochen zuvor mit dem großen Flüchtlingstreck aus dem Osten hier angekommen waren. Einige der Kinder hatten während ihrer Flucht aus dem Osten schon die Eltern verloren.

Da sie in Flensburg angekommen ihren Namen nicht sagen konnten, und die namentliche Registrierung auf Grund der Überlastung kaum noch stattfand, wurden sie als Namenlose auf dem Friedhof Friedenshügel begraben. 32 Menschen wurden verletzt.

Und so soll der Text und die Erinnerung an die Vergangenheit und zu diesem besonderen Tag mit ein Zitat von Simone Lange schließen:

Der heutige 8. Mai steht als Gedenktag für das Ende des 2. Weltkrieges und die heutige Bombenentschärfung ist schon deshalb mehr als ein technischer Vorgang, weil sie uns vor Augen führt, dass – um einen Flensburger Künstler zu zitieren –

„…der Krieg nicht zu Ende ist, wenn der Krieg zu Ende ist.“

Krieg bringt nur Leid und das über Generationen hinweg. Deshalb lassen Sie uns alle dafür leben, Krieg zu verhindern und nicht aufzuhören, Kriegsleiden zu lindern.“

Nur noch Reste erinnern an den ehemaligen Eingang zur Nordischen Fischkonservenfabrik in der Batteriestraße 33

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