Flensburg: Die lange Geschichte um das Deserteursdenkmal

Über die Aufstellung des Deserteur-Denkmals auf dem Platz der Gärtner am Rande der Roten Straße wurde lange gestritten. Es wurde 1994 im Auftrag der Gruppe „Christen für die Abrüstung“ vom marokkanischen Künstler Miloudi Assila während seines Aufenthalts in Flensburg geschaffen und stand lange Jahre versteckt auf einem Hinterhof.

Zu sehen ist die Rückansicht eines Soldaten, der sein Gewehr zerbrochen und seinen Helm abgelegt hat und den Ort des Kampfes verlässt. Erst rund zwanzig Jahre später, am 7.1.2014 wurde es am heutigen Standort, am Platz der Gärtner / Rote Straße (nahe Rathaushochhaus und Südermarkt), eingeweiht.

Hintergründe zur Einweihung des Flensburger Deserteursdenkmal am 7.1.2014

Zur Einweihung hatte ganz offiziell die Stadt Flensburg geladen. Diese waren vertreten durch dem damaligen Oberbürgermeister Simon Faber (SSW) und der damaligen Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar (CDU). Ebenso war die damalige schleswig-holsteinische Ministerin für Justiz, Kultur und Europa, Anke Sporendonk (SSW) erschienen.

Claus Kühne, einer der Initiatoren der jahrzehntelangen Bemühungen, schrieb dazu in seiner Einladungsmail:

Am 28. Februar 2013 beschloss der Kulturausschuss der Stadt Flensburg mehrheitlich, unser Denkmal,

`……für Menschen, die sich nicht missbrauchen ließen für einen verbrecherischen Krieg`,

das zuvor fast 20 Jahre bei mir auf dem Hof gestanden hatte, an einem würdigen Platz aufzustellen zu lassen; eine feierliche Einweihung findet jetzt am 7. Januar um 15 Uhr statt, zu der ich alle Interessierten einlade.

Besonders freut mich in diesem Zusammenhang, dass sich die Stadt endlich ihrer historischen Verantwortung stellt.

In Flensburg wurden selbst noch nach Kriegsende Menschen als Fahnenflüchtige verurteilt und hingerichtet, teils weil sie einfach meinten, der Krieg sei beendet,

sie könnten nach Hause, teils weil sie sich dem Befehl widersetzten, ihr Kriegsschiff für einen neuen Krieg an der Seite der Westmächte gegen die Sowjetunion bereit zu machen.

Insgesamt 30.000 Soldaten desertierten, 20.000 von ihnen wurden hingerichtet. Diese Urteile wurden 2002 endlich pauschal aufgehoben, nachdem sie als Unrechtsurteile erkannt worden waren.

Mit genanntem Denkmal wird dem Mut der Betreffenden, sich dem verbrecherischen Krieg zu widersetzen, endlich ein Denkmal gesetzt.“

In ihrem Grußwort sagte Ministerin Spoorendonk:Dass wir heute endlich das bereits 1994 von Herrn Miloudi Assila geschaffene Mamor-Relief als Denkmal wider das Vergessen und für das richtige Erinnern und Gedenken dieser Soldaten und anderer Menschen, die sich nicht (länger) missbrauchen ließen für einen verbrecherischen Krieg, einweihen,

ist ein guter Moment für die Entwicklung, für das Selbstverständnis und das geschichtliche Bewusstsein der Stadt Flensburg. Ich bin sehr dankbar für den bürgerschaftlichen Willen für eine solche Gedenkstätte und für die Errichtung des Denkmals an einem Ort, an dem es in das gesellschaftliche Leben eingebettet ist.“ Quelle: Ministerium für Justiz, Kultur und Europa Schleswig-Holstein

Ergänzung:

Grußworte Frau Ministerin Anke Sporendonk (Textmanuskript 2014-1-7 Rede von Anke Spoorendonk Denkmal FL )

Begrüßung durch Stadtpräsidentin Frau Swetlana Krätzschmar (Textmanuskript 2014-1-7 Grußwort der Stadtpräsidentin zur Einweihung Deserteursdenkmal )

Rede Dr. Helmreich Eberlein für CfA, Christen für Abrüstung (Textmanuskript  2014-1-7 Rede Dr. Helmreich Eberlein )

Beitragstoto (c) Willi Schewski: Miloudi Assila: Deserteur-Denkmal (1994/2013, Marmor, Backstein, Metall), hier: Platz der Gärtner / Rote Straße, 24937 Flensburg

Deserteursdenkmal, Rote Straße, Platz der Gärtner, Aufnahme vom 08.06.2021, Flensburg, Innenstadt

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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