Sagen und Legenden: Der wilde ewige Jäger von Oldemorstoft

Über das Land zwischen Nord- und Ostsee ranken sich zahlreiche Sagen und Legenden. Besonders die Halligen, Inseln, Seeleute -und nicht zuletzt das Meer- bieten Stoff für zahlreiche Geschichten, die bis heute jedes Kind in Schleswig-Holstein kennt. Die Legende vom wilden ewigen Jäger von Oldemorstoft lehnt sich an an die vom Freischütz (siehe ebenso im Blog)

Die Sage berichtet, dass König Waldemar (1) einst im Sommer und Herbst das Jagdschloss Waldemarstoft (2) bewohnte, um seinem Lieblingsvergnügen, der Jagd, nachzugehen. Eines Tages ritt der König früh am Morgen mit vielen Jägern und Hunden in den Wald.

Die Jagd ward gut, aber je größer die Beute war, desto stärker ward in ihm die Lust. Der Tag verging, die Sonne neigte sich und noch immer ließ er nicht ab. Als endlich tiefe Nacht eintrat und die Jagd eingestellt werden mußte, rief der König aus: »O, wenn ich doch ewig jagen könnte!« Da erscholl eine Stimme aus der Luft: »Dein Wunsch sei dir gewährt, König Waldemar, von Stund‘ an wirst du ewig jagen

Bald darauf starb der König, und von seinem Todestage an reitet er in jeder Nacht auf einem schneeweißen Pferde, umgeben von seinen Jägern und seinen Hunden, durch die Luft im wilden Jagen dahin.

In den Johannisnächten (3) ist er allein hörbar, doch hört man ihn im Flensburger Stadtgraben auch an Herbsttagen ziehen. Dann tönt die Luft von Hörnerklang und Hundegebell, von Pfeifen und Rufen wieder, als ob eine ganze Jagd im Anzuge wäre. Man sagt dann: »Da zieht König Wollmer

Das alte Jagdschloß ist jetzt in ein Wirtshaus verwandelt, aber ein Zimmer befindet sich noch in dem Zustande, wie der König es bewohnt hat. Die Wände sind mit alten Bildern bedeckt; in der einen Ecke steht ein Himmelbett, darüber eine noch ziemlich wohlerhaltene dunkelrote Sammetdecke mit goldenen Franzen gebreitet ist.

Auch findet man da eine alte Orgel, die der König selbst gespielt haben soll. In diesem Zimmer ist einst nach ihm geschossen worden. Der Mörder schoß durch die Tür, verfehlte aber sein Ziel und traf die Wand, wo des Königs Brustbild hing. Aus dem Bilde sieht man noch das Loch, das die Kugel machte, ehe sie in die Wand fuhr, und in der Wand ist sie selbst noch sichtbar.

Quelle: Durch Herrn Tamsen in Tondern und Herrn Pastor Dr. Jensen in Gelting. – Waldemarstoft hieß früher Oldemorstoft, worüber Jonas Hoyer, Bericht von etlichen Freigütern S. 20 (in Olaus Henr. Mollers Beiträgen zur Geschichte der Stadt Flensburg 1767, 4.) und Schröder, Topographie von Schleswig unter dem Worte nachzusehen sind. – Thiele, Danm. Folkes. I, 20. II, 113

Erklärung: Ein Porträtbild des Königs habe einen Mordanschlag auf den König bezeugt. Der Attentäter hätte durch die Tür geschossen, jedoch nur das Bildnis des Königs an der Wand getroffen. Auf dem Bild sei das Loch, das durch die Kugel entstanden war, zu sehen gewesen. Zudem habe in der Wand dahinter die Kugel gesteckt.

Bei einem Attentat mit dem Schuss einer Kugel muss diese Sage hinterfragt werden, insbesondere, welche frühe Art von Handfeuerwaffe es denn gewesen sein könnte, da König Waldemar offensichtlich im 14. Jahrhundert gelebt hat.

Der geizige Gastwirt von Oldemorstoft

Vom geizigen Gastwirt des Gasthofes Oldemorstoft beim Ochsenweg heißt es, dass er den Pferden den Hafer aus den Krippen stahl, wenn die Ochsentreiber und Fuhrleute schliefen, so dass die Pferde auf ihrem weiteren Weg vor Hunger starben. Als der Wirt gestorben sei, habe es in den Ställen des Nachts zu Lärmen begonnen, so dass kein Mensch im Gasthof schlafen konnte.

Vom herumgeisternden Gespenst des Wirtes habe der Lärm hergerührt, weshalb man einen Priester geholt hätte, damit dieser den unerträglichen Zustand beseitige.

Der Prediger hätte begonnen, den Unruhegeist niederzumahnen, doch als der Geist schon bis zu den Hüften herunter in die Erde getrieben war, habe dieser dem Priester das Buch aus der Hand geschlagen, so dass er auf der Höhe des Herzens stecken blieb und somit mit dem Kopf herausragte.

Nun konnte der Priester ihn nicht weiter hinunterbekommen. Deshalb habe man über den aus dem Boden herausragenden Rest des Gespenstes einen Kupferkessel gestülpt und eine Mauer darüber gemauert. Seit dieser Zeit habe wieder Ruhe auf dem Gasthof geherrscht. Doch die Mauer mit dem Kessel sei noch da. Man würde es nicht wagen, sie wegzubrechen. (Quelle)

Es ist davon auszugehen, dass die Sage wohl in den 1700er Jahren angesiedelt ist, als der Hof als Gastwirtschaft diente. (Quelle)

Weiterführende Informationen und Quellen:

Die Sage gehört zum Sagenkreis vom Wilden Jäger, die ihren Ursprung im Wotansmythos haben sollen.

(1) Waldemar IV. war seit 1340 König von Dänemark.

(2) Die Sage spielt in Oldemorstoft (auch: Waldemarstoft). Das ist ein jahrhundertealter Hof in Dänemark, nahe der deutsch-dänischen Grenze bei Flensburg, der bei der Ortschaft Padborg liegt und als Museum des Kirchspiels Bov (deutsch Bau) dient. Der Name wurde und wird teilweise als Flurname für das umliegende Land des Hofes verwendet. Der Hof Oldemorstoft dient heutzutage als Heimatmuseum (hier Link zur Website).

(3) Der Johannistag (auch JohanniJohannisfest und Johannestag) ist das Hochfest der Geburt Johannes’ des Täufers am 24. Juni. Er steht in enger Verbindung zur zwischen dem 20. und dem 22. Juni stattfindenden Sommersonnenwende. Die Johannisnacht ist die Nacht auf den Johannistag, vom 23. auf den 24. Juni.

Beitragsfoto: Symbol

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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