Flensburg: Ausstellung „Luisa löst sich auf“ in der St. Nikolai Kirche

‘Luisa löst sich auf’ ist eine Passionszeit-Ausstellung von Felisha Maria Bahadur, die eine Auseinandersetzung mit der Geschichte Luisa Calderóns ist, und geht Leid, Pathos und Identität im dekolonialen Kontext nach. 

Felisha Maria Bahadur ist eine Artistic Researcher und Aktivistin, die in Paris und Kiel lebt und arbeitet. In ihrer Auseinandersetzung mit der Rekontextualisierung von Kulturgütern im deutsch-französischen Sprach-, Literatur- und Geschichtsraum setzt sie Malerei, Texte und interaktive Installationen ein. Die Kirchengemeinde freut sich, während der diesjährigen Passionszeit im Kirchenraum von St. Nikolai die Ausstellung „Luisa löst sich auf“ (noch bis zum 18. April 2022) zeigen zu können. Worum geht es?

‘Luisa löst sich auf’ ist eine Passionszeit-Ausstellung von Felisha Maria Bahadur, die eine Auseinandersetzung mit der Geschichte Luisa Calderóns ist, und geht Leid, Pathos und Identität im dekolonialen Kontext nach. 

Die Folterung der Luisa Calderon (Zeichnung von 1806), von: unbekannt

Im frühen 19. Jahrhundert erregte in Großbritannien verbreitete Abbildungen der gefolterten 14-jährigen Luisa Calderón Aufmerksamkeit: Sie zeigten  die bisher für Europäer  verborgene Gewalt, die an kolonialisierten Orten zum Alltag gehörte. Die Geschichte Luisa Calderóns wirft auch heute noch Fragen danach auf, wie diese Gewalt mit unserer Realität im hier-und-jetzt verbunden ist. 

Anhand der visuellen Kommunikation von Felisha, die sich auf den bekanntesten Zeichnungen der Fall Calderons sowie andere visuelle Phenomene der kolonialen Bildsprache bezieht, wird die Kolonialgeschichte Flensburgs in einer Veranstaltungsreihe thematisiert.

Dabei geht es nicht nur um den Handel, sondern auch um das Wirken deutscher christlicher Missionare  und ihre Verbindungen zu kolonialer Herrschaft.

Diese Interventionen sind in einer Veranstaltungs- und Predigtreihe vom Stadtpastor Johannes Ahrens sowie Pastor Dr. Marcus Friedrichs organisiert worden, dazu gehören auch ein Vortrag vom hamburgischen Missionswissenschaftler Dr. Anton Knuth (Fr., 18. März um 19 Uhr) und eine Aufführung der Flensburger Theaterwerkstatt Pilkentafel (Fr. 25. März 19 Uhr).. 

‘Luisa löst sich auf’ ist begleitet von ‘Ashes’, einer damit verwandten Installation.  

Im Rahmen eines Postgraduiertenstipendiums für ein Projekt zum Thema ‘Koloniale Kontinuitäten an Schleswig-Holsteinischen Hafenstädten’ der Muthesius Kunsthochschule, Kiel, konnten diese Kunstwerke realisiert werden. 

Die Artistic Research ist freundlicherweise von der Arbeitsgruppe Integrative Geographie an der Europa- Universität Flensburg unterstützt, und die Installation der Kunstwerke ist dank einer Förderung des Kulturbüros Stadt Flensburg möglich.

Und warum das in Kirche?

Seit etlichen Jahren wandelt sich der Blick westlicher Kulturen auf die Geschichte ihrer Begegnung mit anderen Kulturen. Damit schärft sich zugleich der Blick auf unser Land und unsere Gesellschaft. Die Namen unserer Strassen oder Denkmäler werden mit neuer Sensibilität betrachtet, die Herkunft von Kunstwerken in Museen erforscht oder auch das koloniale Erbe unserer Rumstadt durch „postkoloniale Stadtführungen“ transparenter gemacht.

Im Zuge dessen ist auch das In-, Mit- und Gegeneinander von Missions- und Kolonialgeschichte neu zu sichten: Welche Rolle spielten und spielen Kirche und Christentum? Wessen Sicht der Dinge, wessen Narrativ erfährt wie Aufmerksamkeit? Und was heißt es für Kirche, dass Jesus von Nazareth geopfert wurde „draußen vor dem Tor“?

Die Gottesdienste der Passionszeit gehen in Dialog mit dem Ausstellungsthema und den jeweils namensgebenden Sonntagen. Dazu gibt es weitere Veranstaltungen in Kooperation (siehe anhängende pdf´s):

Beitragsbild: Instagram Felisha Maria Bahadur

Zeichnung: Torture of Luisa Calderón as illustrated in contemporary engraving, 1806 at trial of Thomas Picton

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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