Die Historikerin und Lehrbeauftragte an der Europa-Universität Flensburg, Frau Dr. habil. Bettina Goldberg, hat ihr seit langem vergriffenes Standardwerk „Juden in Flensburg“ überarbeitet und erweitert. Zur Präsentation der Neuauflage lädt die Stadt Flensburg Interessierte in die Bürgerhalle des Rathauses ein, am Donnerstag, den 31. März 2022 um 17:00 Uhr.
In dem reich bebilderten Band wird die Geschichte des jüdischen Lebens in Flensburg von den Anfängen im 17. Jahrhundert bis zum Jahr 2021 umfassend dargestellt. Einen Schwerpunkt der zweiten Auflage bildet die heutige Jüdische Gemeinde, deren Mitglieder, Aktivitäten und Entwicklung.
Programm:
– Begrüßung und Dank an den Sponsor durch Gershom Jessen, Jüdische Gemeinde
– Grußwort Oberbürgermeisterin Simone Lange
– Kinder-und Jugendchor der St. Nicolai-Gemeinde
– Einführung in das Buch durch die Autorin
Musikalische Umrahmung durch das Klarinettenensemble der Musikschule Flensburg.
Mit diesem Projekt wird das vergriffene Standardwerk „Juden in Flensburg“ aktualisiert und neu aufgelegt. Damit ermöglicht die Jüdische Gemeinde Flensburg in Kooperation mit der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte einem breiteren Publikum den Zugang zu einer wissenschaftlichen und gleichzeitig leserfreundlichen Arbeit.
Auch wird mit dem Projekt die ereignisreiche Entwicklung der letzten Jahre nachgezeichnet. So wird am Beispiel der Stadt Flensburg nicht nur die Aufarbeitung der Shoa geleistet, sondern auch die Wiedergeburt des jüdischen Lebens mitten in der modernen deutschen Gesellschaft dokumentiert.
Informationen zur Erstauflage des Buches, 2006:
In Flensburg konnte sich eine jüdische Minderheit erst im 19. Jahrhundert bilden. Zuvor war es Juden wohl erlaubt, an den Markttagen in der Stadt Handel zu treiben, hier dauerhaft ansässig zu werden, war ihnen hingegen verwehrt. Mit dem Band wurde der Versuch unternommen, die Geschichte der Juden in Flensburg von ihren Anfängen bis zum Jahr 2006 auf breiter Quellenbasis umfassend darzustellen.
Ausgehend von einer Untersuchung der Existenzbedingungen der Juden vor ihrer rechtlichen Gleichstellung, wurde der Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Kaiserreich und Weimarer Republik nachgegangen.
Behandelt wurden ihre berufliche, soziale und nationale Zusammensetzung, ihre Religiosität und ihre Einrichtungen sowie schließlich das Verhältnis zwischen jüdischer Minderheit und nichtjüdischer Mehrheitsgesellschaft.
Einen Schwerpunkt der Darstellung bildete der jüdische Alltag unter der NS-Diktatur. Beleuchtet wurden die staatlichen und gesellschaftlichen Mechanismen der Verfolgung, aber auch die Selbsthilfe und der Selbstbehauptungswillen der jüdischen Bevölkerung.
Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus gab es nur noch eine kleine Gruppe von Holocaustüberlebenden in der Stadt. Wie man mit ihnen im Flensburg der Nachkriegszeit und frühen Bundesrepublik umging, war und ist ebenso Thema wie die Gedenk- und Erinnerungspolitik in der Stadt.
Die meisten der Überlebenden verließen schon bald Deutschland. Mit der Einwanderung jüdischer Familien aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zeichnete sich Ende der 1990er Jahre ein Neubeginn jüdischen Lebens in Flensburg ab.
Seit 2005 gibt es hier eine selbständige jüdische Gemeinde. Ihrer Entstehungsgeschichte, ihren Mitgliedern und Aktivitäten war in dem Buch der Schlussteil gewidmet. Der Band war mit Fotografien, überwiegend aus Privatbesitz, reich illustriert.
Sie zeigen einst oder heute in Flensburg ansässige Juden und Jüdinnen, deren Lebens- und Leidenswege den Mittelpunkt der Darstellung bilden.
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Das Foto zeigt das Cover der Erstauflage

