Geschichten und Geschicke: Der Literaturnobelpreisträger aus Eiderstedt: Theodor Mommsen

Theodor Mommsen war ein Historiker, der selber Geschichte schrieb und für sein Hauptwerk am Ende seines Lebens sogar als erster Deutscher den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Heute vor 204 Jahren, am 30. November 1817 ist in Garding, seinerzeit Herzogtum Schleswig, geboren: Christian Matthias Theodor Mommsen, Deutscher Historiker. gilt als einer der bedeutendsten Altertumswissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Und er ist ausgezeichnet: 1902 erhielt er als erster Deutscher den Literaturnobelpreis, für sein Werk „Römische Geschichte*“ (1854-1856 und 1885). Auch seine gesinnungspolitische Einstellung lohnt sich, näher zu betrachten …

Das „Römische Staatsrecht“ (1871-1888) gilt wissenschaftlich jedoch als bedeutender, weil es eine systematische Quellenbasis liefert.
Mommsens umfassende Quellennutzung und exakte Kritik wirkten vorbildhaft auf die Geschichtswissenschaft.

Mommsen kam über ein Jura- und Philologiestudium zu seinem späteren Forschungsschwerpunkt der Geschichte des Altertums.

Politisch der bürgerlichen Linken zugeneigt, war er ein strenger Kritiker der Konservativen.

Mommsen – ein Mann mit Charakter und Kämpfer gegen Judenhass

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war Mommsen auch politisch aktiv und beschäftigte sich unter anderem kritisch mit den Themen Antisemitismus, Imperialismus und als Zeitgenosse der Revolutionen 1848/1849 mit dem Liberalismus.

Mommsen war 1861 Mitgründer der liberalen Deutschen Fortschrittspartei. Von 1863 bis 1866 und von 1873 bis 1879 war er Abgeordneter im preußischen Landtag, von 1881 bis 1884 im Reichstag, zuerst für die Fortschrittspartei, später für die Nationalliberalen, schließlich für die Liberale Vereinigung.

Er beschäftigte sich vorwiegend mit Fragen der Wissenschafts- und Bildungspolitik und genoss beträchtliche Autorität: „Wenn der als liberal geltende Mommsen, der gegen Imperialismus und Antisemitismus eintrat, sich äußerte, gab es große Resonanz.“ (Wilfried Nippel, zitiert nach Der Tagesspiegel. 14. Oktober 2017, S. B 5.)

Aus Enttäuschung über die Politik des Kaiserreichs, dessen Zukunft er sehr pessimistisch sah, empfahl er schließlich eine Zusammenarbeit der Liberalen mit der Sozialdemokratie. Über die Sozialpolitik geriet Mommsen 1881 in Auseinandersetzung mit Otto von Bismarck.

Im sogenannten Berliner Antisemitismusstreit 1879/1880 wandte er sich gegen seinen Historikerkollegen Heinrich von Treitschke, der die Parole „Die Juden sind unser Unglück“ geprägt und den Judenhass damit in Mommsens Augen salonfähig gemacht hatte.

Mommsen war im Jahr 1890 einer der führenden Gründer des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. Die Freie Wissenschaftliche Vereinigung wählte ihn 1887 zum Ehrenmitglied.

Am  1. November 1903 ist Mommsen in Charlottenburg gestorben. Das Grab Mommsens findet sich auf dem Dreifaltigkeitskirchhof II an der Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg, als Ehrengrab des Landes Berlin, im Feld M1.

Mehr über Theodor Mommsens „Römische Geschichte:

Unter dem Titel Römische Geschichte veröffentlichte Theodor Mommsen von 1854 bis 1885 eine mehrbändige Darstellung der Geschichte des Römischen Reichs. Für dieses Werk erhielt Mommsen 1902 als erster Deutscher den Nobelpreis für Literatur. Für die Alte Geschichte ist es bis heute ein bedeutsames Werk.

Ursprünglich waren fünf Bände geplant, die die Geschichte Roms von den Anfängen bis zur Zeit Diokletians abdecken sollten.

Die ersten drei Bände erschienen jährlich von 1854 bis 1856 und decken die Zeit bis Gaius Iulius Caesar ab. 

Zur Veröffentlichung eines vierten Bandes kam es nicht; 1885 erschien als fünfter Band eine Darstellung über Die Provinzen von Caesar bis Diocletian.

Die ersten drei Bände wurden von Mommsen in fünf Bücher (erstes bis drittes, viertes und fünftes) unterteilt, der fünfte Band stellt in dieser Zählung das achte Buch dar.

Mommsens Werk wurde seit seiner Veröffentlichung für die kompetente, umfassende Darstellungsleistung in einem ansprechenden Erzählstil gelobt. Bekannt bei Althistorikern und Studenten sind unter anderem Mommsens Charakterisierungen prominenter Gestalten, beispielsweise sein negatives Urteil über Marcus Tullius Cicero:

Als Staatsmann ohne Einsicht, Ansicht und Absicht, hat er nach einander als Demokrat, als Aristokrat und als Werkzeug der Monarchen figurirt und ist nie mehr gewesen als ein kurzsichtiger Egoist.“– Theodor Mommsen: Römische Geschichte. Bd. 3: Von Sullas Tode bis zur Schlacht von Thapsus. Weidmann, Leipzig 1856, S. 572

Mommsen in Garding entdecken:

An der platzförmigen Straßenanlage im Ortszentrum findet sich auch das ehemalige Theodor-Mommsen-Museum. Es ist heute das Gemeindehaus der örtlichen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und beherbergt das sogenannte Mommsen-Gedächtnis.

Das Theodor-Mommsen-Gedächtnis in Garding ist eine Gedenkstätte und ein Museum und ist neben seinem Geburtshaus eingerichtet. Mommsens Geburtshaus ist das benachbarte Diakonatsgebäude.

Er wurde hier am 30. November 1817 als jüngstes von sechs Kindern des Diakons Jens Mommsen und seiner Frau Sophie Elisabeth geboren. Im März 1821 zog die Familie nach Bad Oldesloe.

Die reich bebilderte Ausstellung zeigt Mommsens Lebensstationen, beginnend mit seiner Kindheit in Garding und Bad Oldesloe, seiner Studienzeit in Kiel, dann als Professor, Wissenschaftler und Publizist in Leipzig, Zürich und Berlin.

Daneben wird auch Mommsens Privatleben mit Familie und Freunden beleuchtet. Besondere Aufmerksamkeit gilt dessen Beziehungen zu seinem Geburtsort Garding. Link zum Museum:http://www.museen-nord.de/Museum/DE-MUS-051716

Kuriosum: Mommsen-Büste – beliebt bei Dieben!

Der Berliner Bildhauer Heinrich Splieth schuf eine Mommsen-Büste, die, in Bronze gegossen, in Garding auf einem Sockel als Denkmal aufgestellt wurde. Im Jahre 2001 wurde sie gestohlen und ist seitdem nicht wieder aufgetaucht.

Die Mommsen-Büste, welche Besucher der Stadt heute auf dem Marktplatz in Garding besichtigen können, ist ein Abguss einer Büste des Berliner Bildhauers Karl Pracht.

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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