Böse Bauten: Der Fladenbunker in Kiel

Der Kieler Flandernbunker präsentiert sich als ein kompakter, trutziger grauer Betonwürfel. Doch der Eindruck täuscht, …

Er wurde in den Kriegsjahren 1942 und 1943 erbaut und findet sich am Nordende des Hindenburgufers im Kieler Stadtteil Wik: der Flandernbunker. Gegenüber den Bunker liegt das Haupttor zum Tirpitzhafen. Im Flandernbunker war die Flugabwehr- und Notkommando-Zentrale Kiels untergebracht.

Seinen Namen erhielt er nach dem nebenan gelegenen ehemaligen Flanderndenkmal, das an die Gefallenen des „Marinekorps Flandern“ im Ersten Weltkrieg erinnerte. Der benachbarte Marine-Sportplatz trug den Namen „Flandernplatz“.

Der Fladenbunker ist mächtig: Er besitzt eine Grundfläche von 550 qm und ist mit seinen drei Etagen 12,5 m hoch. Seine Wandstärke beträgt 2,5 m, die der Decke 3,7 m. 

Neben den militärischen Einrichtungen waren auch Räume für die Zivilbevölkerung. Nach dem Krieg wurde der Bunker durch die Engländer entfestigt.

Laut einem Artikel in den „Kieler Nachrichten“ vom 13. Okt. 1950 sollte auch der Flandernbunker zum Wohnraum – der in den Jahren nach dem Krieg noch sehr knapp war – umgestaltet werden.

Doch es kam anders, und er diente als Materiallager zunächst für das Polizei-Beschaffungsamt, dann für die neu aufgebaute Marine. Auch eine Bundeswehr-Apotheke war hierzu geplant. Aufgrund veränderter Bedarfssituation wurde der Flandernbunker schließlich aus dem Bundesbesitz ausgegliedert und an privat verkauft.

Vom Bunker zur Bildungseinrichtung: „Eckstein der schleswig-holsteinischen Gedenkstätten und Vorbild für zivilgesellschaftliches Engagement“

Im Februar 2001 ersteigerte nach langem Leerstand der Verein „Mahnmal Kilian“ (1995 gegründet) den „Flandernbunker“. Seit 2005 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Das „böse Bauten“ auch zu „guten Bauten“ umgewandelt werden können zeigt sich beim Flandernbunker.

Zur Gedenkfeier des 20-jährigen Bestehens des Verein „Mahnmal Kilian“ hatten sich 2015 im Flandernbunker zahlreiche Politiker, Vertreter der Gedenkstätten und Kultureinrichtungen eingefunden.

Der Landtagspräsident von Schleswig-Holstein, Klaus Schlie, der selbst ausgebildeter Pädagoge und Historiker ist, sagte: „Der Flandernbunker ist ein Ort, der sich als wichtiges Zentrum zur Vermittlung historischer Kenntnisse für Diskussionen und Ausstellungen etabliert hat„.

Gerhard Fouquet, Vorsitzender der Bürgerstiftung Gedenkstätten Schleswig-Holstein, sagte: „Der Flandernbunker steht heute für das zertrümmerte Kiel, für die vielen Millionen Toten, für die Gefallenen, für die in den Konzentrationslagern und durch sogenannte Einsatzkommandos Ermordeten, für die im Widerstand gegen die NS-Herrschaft sich Opfernden, für die im Bombenkrieg umgekommenen Männer, Frauen und Kinder in dem durch NS-Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg„.  Quelle: Verein Mahnmal Kilian

In dem Bunker finden regelmäßig Veranstaltungen zur Geschichte, Völkerverständigung und Friedenssicherung statt. Hier ein Beispiele:

Freitag, 3. Dezember, 19 Uhr, Flandernbunker Die Fluchtgeschichte meiner Großmutter: Vortrag von Tom Kienel.

Der 17-jährige Schüler war während eines Schulprojektes beim Verein Mahnmal Kilian in seinen Familiendokumenten auf die Geschichte seiner Urgroßmutter gestoßen: „Mein Vortrag im Flandernbunker handelt von dem Fluchttagebuch meiner Uroma Adelheid Kienel. Sie wurde im Februar 1945 aus ihrem Heimatort Kleinoels in Schlesien vertrieben und musste einen großen Teil ihrer Familie zurücklassen.

Auf ihrer Flucht erfuhr sie viel Gewalt und Ablehnung. Diesen Vortrag halte ich, weil ich das Glück habe ihr Tagebuch zu besitzen und der Meinung bin, dass man diese Geschichte mit anderen Menschen teilen sollte, um die Zeitzeugen und ihre Geschichte nicht zu vergessen.

Außerdem soll mein Vortrag dazu dienen einen Eindruck von der Zeit des Krieges zu bekommen – in diesem Fall aus der Sicht eines jugendlichen Mädchens.“

Der Vortrag ist ein Programmpunkt der aktuellen Ausstellung „Was bedeutet mir Heimat?“. Tom Kienel hatte sie zusammen mit seiner Klasse des 12. Jahrgangs an der Gemeinschaftsschule Probstei in Schönberg im Flandernbunker erarbeitet.

Dazu hatte sich die Klasse mit den Themen Heimat und Migration befasst, Zeitzeugen mit Flucht- und Asylerfahrung kennengelernt und die Stadt Stettin in Polen besucht. Eintritt frei – Spenden erbeten. Es gelten die aktuellen Pandemieregeln.

Wie komme ich da hin?

Mit Bussen der KVG:

Linien 41/42 und 32/33: Haltestelle Mercatorstraße (170 m Fußweg) 
Linien 6, 11, 91/92, 501/502, 900/901: Haltestelle Elendsredder (450 m Fußweg)

Bei Anreise mit dem PKW nutzen Sie gerne den folgenden Routenplaner: (Anreiseplanung mit OpenRouteservice)

Beitragsfoto: Flandernbunker am Hindenburgufer erbaut 1944 ; Quelle: Wikipedia / Fotograf: Wusel007

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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