Die Geheimnisse der Schiffsmodelle: St. Clemens Kirche in Büsum

Schiffsmodelle hängen nicht ohne Grund in einer Kirche an der Küste. Ob Walfangschiff, Kriegsfregatte oder schnittiger Seebäder-Dampfer – sie sind mehr als Schmuck. Sie hängen oder stehen dort zum Dank und aus Dankbarkeit, sicher auch zum Repräsentieren von Person, Familie oder Gilde. Wähnten sich Seefahrer sicherer auf See, wenn sie der Heimatgemeinde ein Schiff spendierten? Sie zeigen Verbundenheit ebenso wie Zusammenhalt. Die Kirche ein sicherer Hafen in schwerer Zeit.

Büsum war einst eine Insel und Seefahrt prägt das Nordsee-Heilbad bis heute. Vor knapp 900 Jahren wurde ein Ort an dieser Küste erstmals erwähnt und einen Hafen dürfte es seit dieser Zeit geben. Nicht nur die Schifffahrt bestimmte und bestimmt das Bild in Büsum, über Jahrhunderte tat dies auch die Nordsee – und zwar tiefgreifend, grundlegend, prägend. Ortsbild und Charakter, die schöne Atmosphäre von Büsum, bestimmt die Nordsee bis heute.

Sturmfluten verschlangen einst ganze Ortsteile der mittelalterlichen Siedlung. Auch der Geist des heiligen St. Clemens, immerhin Schutzpatron der Schiffer und Küstenbewohner, half nicht immer – um 1280 wurde ihm die Kirche von Büsum geweiht, rund 80 Jahre später ging sie in einer mörderischen Jahrtausendflut unter.

Wer durch die historischen Gassen von Büsum spaziert, merkt, dass es ein wenig aufwärts geht zur Kirche von St. Clemens, sie liegt auf einer Wurt, einem aufgeschütteten Hügel. Manches Mal suchten die Menschen bei Sturmflut Zuflucht in der Kirche, und St. Clemens aber hielt Stand und Versprechen.

Es ist eine schöne Kirche, alt und ehrwürdig, eine, die auch von Seefahrt erzählt. Im Kirchspielsiegel übrigens trägt St. Clemens einen Anker. Die Bronzetaufe gilt als ältestes Inventar, sie ist rund 700 Jahre alt, und wurde vom Freibeuter Cord Widderich nach Büsum verbracht – er nahm sie während eines Beutezuges von anderswo mit.

Von Büsum in Dithmarschen fuhr er, der Dithmarscher Freibeuter, los auf Kaperfahrt, nach Büsum kehrte er zurück. Vielleicht ein wenig geläutert. Und in Büsum hängt auch ein Schiff in der Kirche: Das Modellschiff ist rund 180 Zentimeter lang und es trägt den Namen Der milde Herbst.

Der Autor Rainer Thun berichtet in seinem Buch „Die St.-Clemens-Kirche zu Büsum“, dass Pastor Gazert es im Jahre 1807 als Abschiedsgeschenk von seiner Gemeinde auf Föhr bekam. Der Pastor ließ das Schiff in die Büsumer Kirche hängen.

Zwar sehe es aus wie ein (dänisches) Kriegsschiff, aber es könne sich ebenso gut um ein Handelsschiff mit Kanonenbestückung handeln – so sei eine Verteidigungsmöglichkeit an Bord doch allemal besser gewesen als eine Versicherung.

Oft wurden solche Modelle von Schiffergilden gestiftet und der Kirche mitsamt Segenswunsch vermacht, die Besatzung fühlte sich dann auf ihrem echten Schiff sicherer wenn sie das Modell samt Gelübde im sicheren Hafen ihrer heimatlichen Kirche wähnte. Kanonen an Bord aber konnten nicht schaden und gegen die Gewalt der See half der gute Glauben.

Foto: Ein Schiffsmodell hängt in der St. Clemens Kirche in Büsum | (C) Tourismus Marketing Service Büsum GmbH

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