Die Geheimnisse der Schiffsmodelle: Das Kirchenschiff von Hooge 

Ob Walfangschiff, Kriegsfregatte oder schnittiger Seebäder-Dampfer – was macht das Modell in der Kirche?

Schiffsmodelle hängen nicht ohne Grund in einer Kirche an der Küste. Ob Walfangschiff, Kriegsfregatte oder schnittiger Seebäder-Dampfer – sie sind mehr als Schmuck. Sie hängen oder stehen dort zum Dank und aus Dankbarkeit, sicher auch zum Repräsentieren von Person, Familie oder Gilde. Wähnten sich Seefahrer sicherer auf See, wenn sie der Heimatgemeinde ein Schiff spendierten? Sie zeigen Verbundenheit ebenso wie Zusammenhalt. Die Kirche ein sicherer Hafen in schwerer Zeit.

Das Kirchenschiff von Hooge 

Als Napoleon 1806 die Kontinentalsperre über England verhängte, waren auch Seeleute von Hallig Hooge gezwungen, ihr Schiff zu verlassen und nach Hause zurückzukehren. „Im Winter 1806/07 begannen sie damit, ihr Schiff nachzubauen“, berichtet Gertrude von Holdt-Schermuly, „das geschah höchstwahrscheinlich unter Anleitung ihres Schiffszimmermanns. Wir nehmen an, dass es Hans Nonsen war.

Nonsen wurde auf Hallig Habel* geboren und auf dem Friedhof von Hooge beigesetzt, seine Initialen fanden sich eingeschnitzt und verdeckt von Farbschichten auf dem Wappenschild, Gallionslöwen halten es in ihren Pranken.

Das Kirchenschiff von Hooge (C) Gertrude von Holdt

Das Votivschiff Freidrig D 6 (siehe Bild) hängt in der Hooger Halligkirche St. Johannis, nach mehr als dreijähriger Restaurierungsarbeit erstrahlt seit ein paar Jahren wieder jedes Detail.

Das Modell ist der Nachbau einer Fregatte und stellt einen stattlichen Dreimaster dar, mit allem was zu einem (Kriegs)-Schiff gehört – aufwändige Takelage, stolze Flaggen, der dänische Danebrog, Gallionsfigur, Kanonen. Gertrude von Holdt-Schermuly ist Prädikantin auf Hallig Hooge, kennt Schiff und Geschichte:

Das Schiff verschwand nach der Fertigstellung in irgendeiner Kammer und wurde vergessen.

Im Jahre 1825 besuchte der dänische König Frederik VI Hallig Hooge, er war zu dieser Zeit Landesherr über große Teile Schleswig-Holsteins und reiste durch das Land, um Schäden anzusehen – zuvor wütete eine Sturmflut an der Küste.

Das Schiff wurde aus der Versenkung geholt, überholt und aufgehübscht. Der eigentliche Name auf dem Heckspiegel wurde durch Freidrig D 6 ersetzt“, erzählt Gertrude von Holdt-Schermuly, „die Fregatte sollte das Dankeschön sein für die Hilfe, die er der Hallig gewährte!

Der König bedankte sich, das Schiffsmodell aber ließ er auf der Hallig Hooge zurück. Seit dieser Zeit hängt es in der Kirche, knapp 200 Jahre also, bis es vor vier Jahren gründlich überholt wurde. „…seitdem ist der Kurs etwas verändert. Sie segelt jetzt nicht mehr auf den Altar zu, sondern hart an der Kanzel vorbei – gen Südost.“

Auf Habel befindet sich eine Warft, die Norderwarft, mit einer Vogelschutzstation, die von März bis Oktober mit einem Vogelwart besetzt ist. Im 19. Jahrhundert gab es noch eine zweite Warft, die Süderwarft. Sie verschwand jedoch gegen Ende des Jahrhunderts, als sie bereits abgesiedelt war, vor der Südküste im Meer.

*Wissenswertes über die Hallig Habel: Habel liegt in der Schutzzone I des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Daher ist das Betreten der Hallig durch die Allgemeinheit untersagt. Die Hallig ist Eigentum des Landes Schleswig-Holstein. Sie wird seit 1983 vom Verein Jordsand mit Sitz in Ahrensburg betreut.

Vogelwarte, die sich alle 2 bis 3 Wochen untereinander ablösen, leben in einfachen Verhältnissen auf der Hallig.

In der großen Stube des einzigen Hauses, das 1868 von der damaligen Süderwarft abgebrochen und auf der Norderwarft neu errichtet worden war, existiert

ein Kachelofen; die kleine Stube und das Schlafzimmer werden durch einen Gasofen beheizt. In der Küche befinden sich ein Herd und ein Kühlschrank, die mit Gas betrieben werden. Neben dem WC ist eine Dusche aufgestellt, die mit kaltem Wasser betrieben wird; warmes Wasser kann nur auf dem Herd bereitet werden.

Die Wasserversorgung der Hallig erfolgt durch Frischwasser, das per Boot herangeschafft wird. Der traditionelle Fething wurde bis 2014 noch als Viehtränke für die weidenden Schafe genutzt;

inzwischen ist die Schafzucht auf der Hallig eingestellt, da es zu viele Umstände macht. Seither wird das Gras auf der Hallig durch einen Benzinrasenmäher kurz gehalten.

1871 wurden noch 12 Einwohner gezählt, 1905 nur noch 3. Bis 1923 blieb die Hallig ständig bewohnt, dann reichte die Nutzfläche nicht mehr zum Auskommen. Über Jahrzehnte hinweg wurde Habel danach von diversen Pächterfamilien bewirtschaftet, die aber nur noch sporadisch dort übernachteten.

Foto1: Das Kirchenschiff von Hooge (C) Gertrude von Holdt

Beitragsfoto: Halligkirche St. Johannis: Autor: Mghamburg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=635148

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