Der Weg zum Erfolg: Wolfgang Prinz und die Revolution der Flensburger Fernwärme

Der Wolfgang-Prinz-Park liegt am Ostseebad Flensburg. Er ist benannt nach dem ehemaligen technischen Direktor der Stadtwerke Flensburg, Wolfgang Prinz. Dieser gilt als Vater der Flensburger Fernwärme. Vielen wohl unbekannt, Grund genug, ihn in einen Blogbeitrag zu würdigen.

Wolfgang Prinz, der frühere Technische Direktor der Stadtwerke Flensburg, wird oft als der „Flensburger Fernwärmepapst“ bezeichnet. Er ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass nahezu 100% der Haushalte in Flensburg umweltschonende Fernwärme nutzen können, was eine der weltweit höchsten Anschlussdichten darstellt. Wer war der „Flensburger Fernwärmepapst„?

Wolfgang Prinz wurde am 10. Januar 1932 in Berlin geboren. Er absolvierte sein Studium an der Technischen Universität Charlottenburg und arbeitete bei verschiedenen Energieversorgungsunternehmen, bevor er am 1. Juli 1967 seine Position als technischer Direktor bei den Stadtwerken Flensburg übernahm.

Mit großem Durchsetzungsvermögen und einer klaren Fernwärmevision gelang es ihm, das einzigartige Flensburger Fernwärmekonzept umzusetzen. Als die Fernwärme im Jahr 1969 eingeführt wurde, stand es um die Pläne für ein neues Flensburger Kraftwerkskonzept nicht gut. In einem Interview anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Fernwärme erklärte Wolfgang Prinz:

Quelle: Stadtwerke Flensburg

Als ich 1967 als Technischer Direktor bei den Stadtwerken anfing, war offensichtlich, dass aufgrund der topographischen Gegebenheiten eine Fernwärmeversorgung für Flensburg definitiv ausgeschlossen schien.

Gleichzeitig strebten die Stadtwerke jedoch eine engere Zusammenarbeit im Bereich Stromversorgung mit Dänemark an. Was jedoch dringend gewünscht wurde, war die Erweiterung des bestehenden Kraftwerks im Zuge der notwendigen Anlagenerneuerung.

Dies war jedoch durch ein Gesetz verhindert, das den Bau neuer Kondensations-Kraftwerke mit einer Leistung unter 300 MW untersagte. Das größte Flensburger Kraftwerk hatte jedoch nur eine elektrische Leistung von 23 MW, und eine 300 MW reine Elektrizitätsanlage wäre für Flensburg viel zu groß gewesen. Ein echtes Dilemma!“

Zusätzlich galt Flensburg bis 1970 nach Expertenmeinungen als ungeeignet für eine Fernwärmeversorgung. Die geografische Lage führte zu einem doppelt so hohen Leitungsaufwand im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, das Kraftwerk lag abseits am Stadtrand, und die Förde stellte ein unüberwindbares Hindernis für die Versorgung der östlich gelegenen Stadtteile dar.

„Innovative Lösungsansätze für technische und geografische Hürden

Dennoch ließ sich Wolfgang Prinz nicht entmutigen. Er fand Lösungen sowohl für gesetzliche Restriktionen als auch für geografische Herausforderungen. Durch die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Fernwärme in einer Kraft-Wärme-Kopplung konnte die Mindestkraftwerksgröße von 300 MW überschritten werden, was die Genehmigung für den Bau des Kraftwerks ermöglichte. Mithilfe eines technischen Konzepts, das in Zusammenarbeit mit kompetenten Planungsbüros, unter anderem aus Skandinavien, entwickelt wurde, wurden die geografischen Probleme überwunden.

Am 18. September 1969 begann die Flensburger Fernwärmeversorgung mit provisorischen mobilen Heizzentralen. Die 29 Meter hohen Schornsteine dieser Zentralen wurden damals als „Riesenstricknadeln“ bezeichnet und lösten Befürchtungen bezüglich des Fernsehempfangs in Luft auf.

Bereits im folgenden Jahr, 1970, begann der Bau der ersten Fernwärmeheizleitung ab dem Kraftwerk. Ein Jahr später konnte die erste Kraft-Wärme-Kopplungsanlage in Betrieb genommen werden. Innerhalb von vier weiteren Jahren waren 50% der Flensburger Haushalte an das stetig wachsende Fernwärmenetz angeschlossen. Bis 1978 stieg dieser Anteil auf 70%, und seit 1985 liegt die Versorgungsquote konstant bei 98%. Auch benachbarte Gemeinden wie Glücksburg, Harrislee, Wees und das dänische Padborg profitieren von der umweltfreundlichen Fernwärmeversorgung.

Sogar der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt zeigte sich 1981 beeindruckt von dem einzigartigen „Flensburger Energiekonzept“ und besuchte das Kraftwerk an der Flensburger Förde.

Die Stadtwerke haben ihr Kraftwerk kontinuierlich modernisiert und an den aktuellen Stand der Technik angepasst. Die jüngste Neuerung war der Bau einer modernen Gas- und Dampfturbinenanlage, die 40% weniger CO2 emittiert. Diese Anlage wurde im Jahr 2016 in Betrieb genommen.

Wolfgang Prinz verstarb am 31. Juli 2018  im Alter von 86 Jahren (1). Dem „Flensburger Fernwärmepapst“ zu Ehren wurde der Park am Ostseebad in Flensburg Klues nach ihm benannt (2).

Quellen / Weiterführende Informationen

(1) Zeitung für Kommunale Wirtschaft, v. 06.08.2018: Der „Fernwärme-Papst“ ist tot. Wolfgang Prinz setzte bereits vor 50 Jahren die Sektorkopplung in Flensburg um und machte die Stadt zur „Fernwärme-Hauptstadt“. Der Visionär starb im Alter von 86 Jahren. (Link)

(2) Wolfgang-Prinz-Park am Ostseebad. Im Jahr 2019 wurde offiziell ein Bereich zwischen der Straße „Am Ostseebad“, dem Wasserwerk und dem Ostseebad als ‚Wolfgang-Prinz-Park‘ benannt. Zwischen 1967 und 1986 fungierte Wolfgang Prinz als technischer Direktor der Stadtwerke Flensburg und wird als Wegbereiter der Flensburger Fernwärme geschätzt. Seiner visionären Kraft und Entschlossenheit ist es zu verdanken, dass heute nahezu sämtliche Flensburger Haushalte von der Fernwärme profitieren.

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

Gravatar
WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: