Emmi Hennings: Avantgardistische Ikone des frühen 20. Jahrhunderts in Schauspiel, Literatur und Kabarett

„An die Scheiben schlâgt der Regen.
Eine Blume leuchtet rot.
Kùhle Luft weht mir entgegen. Wach ich, oder bin ich tot?

Eine Weit liegt weit, ganz weit,
Eine Uhr schlâgt langsam vier.
Und ich weifi von keiner Zeit,
In die Arme fall ich dir . . . “ Zitat aus „Die letzte Freude“, vom Emmy Ball-Hennings, 1885-1948

Emmi Hennings (* 17. Januar 1885 in Flensburg; † 10. August 1948 in Sorengo bei Lugano) war eine deutsch-schweizerische Schauspielerin, Autorin und Kabarettistin, die eine bedeutende Figur in der Kulturszene des frühen 20. Jahrhunderts war. Sie stammte aus Flensburg – was dem Ganzen noch ein Geschmäckle hinzufügt. Fangen wir an:

Emmi Hennings wurde am 17. Januar 1885 in Flensburg geboren. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und hatte eine schwierige Kindheit. Ihr Vater verließ die Familie früh, und sie wurde größtenteils von ihrer Mutter alleine aufgezogen. Die finanzielle Unsicherheit und die Abwesenheit des Vaters hatten sicherlich einen Einfluss auf Emmis frühe Lebensjahre.

Aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel war es für Emmi Hennings schwierig, eine formale Bildung zu erhalten. Sie verließ die Schule früh und begann schon in jungen Jahren, verschiedene Arbeiten auszuüben, um zum Lebensunterhalt ihrer Familie beizutragen. Diese Erfahrungen in ihrer Kindheit prägten ihren Charakter und ihre spätere künstlerische Entwicklung.

In jungen Jahren arbeitete sie als Hausmädchen und begann später als Varieté-Tänzerin aufzutreten. Sie trat auch in Berliner Kabaretts auf, wo sie den Künstler Hugo Ball kennenlernte.

Dadaismus und „Cabaret Voltaire“

Hugo Ball – Seiltänzer noch im Dunkeln : Gedichte und Briefe / Emmy Hennings – Hugo Ball ; mit Zeichnungen von Hugo Ball ; zusammengestellt und mit einem Vorwort versehen von Bärbel Reetz. Heidelberg : Wunderhorn, 2022 (Seitenangabe im Lemma) Hugo Ball Zeichnung 1053

Emmi Hennings ist vor allem für ihre Beteiligung an der Dada-Bewegung bekannt. Zusammen mit Hugo Ball gründete sie 1916 in Zürich das „Cabaret Voltaire“, ein Zentrum für Dada-Kunst und -Performance. Dadaismus war eine avantgardistische künstlerische Bewegung, die die Traditionen und Konventionen der Kunst und Kultur in Frage stellte und durch radikale Experimente, Sprachspiele und Provokationen geprägt war.

Schriftstellerische Tätigkeit

Hennings war auch als Autorin aktiv. Sie schrieb Gedichte, Erzählungen und Romane. Ihr bekanntestes Werk ist wahrscheinlich der Roman „Gefängnis“, der 1919 veröffentlicht wurde. In ihren Werken spiegelt sich oft ihr eigenes Leben wider, einschließlich ihrer Erfahrungen in der Dada-Bewegung und ihrer persönlichen Entwicklung.

Spätere Jahre

Nach der Auflösung des „Cabaret Voltaire“ und dem Ende ihrer Beziehung mit Hugo Ball führte Hennings ein bewegtes Leben. Sie trat weiterhin auf Bühnen auf und veröffentlichte Bücher. Sie heiratete den Schriftsteller und Künstler Carl Sternheim. In den 1920er Jahren zog das Paar nach Deutschland, wo Hennings auch in Filmproduktionen auftrat.

Tod und Erbe

Emmi Hennings verstarb am 10. August 1941 in Sorengo, Schweiz. Ihr Beitrag zur Dada-Bewegung und zur Kunstgeschichte im Allgemeinen ist bemerkenswert. Sie hat durch ihr kabarettistisches Schaffen, ihre Schriften und ihre Rolle als Künstlerin im Dadaismus Spuren hinterlassen.

Emmi Hennings wird oft als eine herausragende Persönlichkeit in der frühen avantgardistischen Kulturszene angesehen, die durch ihren Mut, ihre Experimentierfreude und ihre Kreativität Aufmerksamkeit erregte.

Amüsante Einblicke: Anekdoten aus dem Leben von Emmi Hennings im kulturellen Aufbruch des 20. Jahrhunderts

Emmy Hennings (1910). Aus dem Bestand des Münchner Stadtmuseums, Inventarnr. G-63/11110. Ehemals Sammlung Rolf von Hoerschelmann, München

Hier sind ein paar Anekdoten über sie:

  1. Der „Cabaret Voltaire“ und der Dadaismus: Emmi Hennings und ihr Partner Hugo Ball gründeten das „Cabaret Voltaire“ in Zürich, das als Geburtsstätte der Dada-Bewegung gilt. Die Veranstaltungen im Cabaret waren oft voller absurder Performances, Gedichtrezitationen und bizarren Aktionen. Es wird erzählt, dass Emmi Hennings auf der Bühne gelegentlich mit einer Banane tanzte oder nonsensische Gedichte vortrug, die die Essenz des Dadaismus einfingen.
  2. Kostümierung und Provokation: Hennings war bekannt für ihre unkonventionelle Kostümierung und ihre Neigung zur Provokation. Sie trat oft in extravaganten Outfits auf, die die Erwartungen der Zuschauer untergruben. Ihre exzentrische Kleidung und ihr Auftreten trugen dazu bei, die rebellische und experimentelle Atmosphäre des Dadaismus zu verkörpern.
  3. Die Hochzeit mit Hugo Ball: Als Emmi Hennings und Hugo Ball geheiratet hatten, war ihre Beziehung von Intensität und Kreativität geprägt. Es wird erzählt, dass sie sogar ihre Hochzeit in einem bescheidenen Café feierten und auf eine klassische Hochzeitszeremonie verzichteten. Diese unkonventionelle Herangehensweise spiegelte ihre avantgardistische Denkweise wider.
  4. Kontroversen und Skandale: Emmi Hennings und Hugo Ball waren Teil einer künstlerischen Bewegung, die bewusst Konventionen herausforderte und Grenzen verschob. Dies führte oft zu Kontroversen und Skandalen. Einige ihrer Performances und Texte waren so provokativ, dass sie öffentliche Empörung und Diskussionen auslösten.
  5. Gefängniszeit: Während des Ersten Weltkriegs gerieten Hennings und Ball aufgrund ihrer politischen Ansichten und Aktivitäten in Schwierigkeiten. Sie wurden kurzzeitig inhaftiert, aber diese Erfahrung beeinflusste auch ihre künstlerische Ausdrucksweise und ihren Umgang mit dem Dadaismus.

Diese Anekdoten illustrieren Emmi Hennings‘ lebhafte Persönlichkeit, ihren Beitrag zur Dada-Bewegung und ihre Bereitschaft, die kulturellen Normen ihrer Zeit herauszufordern. Sie hinterließ nicht nur literarische Werke, sondern auch eine markante Präsenz in der Kunstwelt des frühen 20. Jahrhunderts.

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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