Archäologische Sensation: Mittelalterliche Häuser mit direktem Bezug zum Danewerk entdeckt

Archäologen haben erstmals mittelalterliche Häuser mit direktem Bezug zum Danewerk (1) gefunden. Unweit der Wallanlage, die seit 2018 gemeinsam mit Haithabu UNESCO-Welterbe (2) ist, hat ein Team des Archäologische Landesamtes (ALSH) die Reste von zwei Gebäuden aus dem Mittelalter freigelegt. Dies teilte das ALSH am 3. August in Danewerk mit.

Archäologische Sensation: Funde enthüllen Gebäude aus dem Hochmittelalter am Danewerk

Die verantwortliche Archäologin, Astrid Tummuscheit vom ALSH, sagt: „Sowohl die Bauart der Häuser als auch Keramikfunde bestätigen, dass diese Gebäude im 12./13. Jahrhundert errichtet wurden. Sie stammen damit aus der Epoche des Hochmittelalters, in der am Danewerk die gigantische Backsteinmauer des dänischen Königs Waldemar I errichtet und von seinen Nachfolgern genutzt wurde.

Obwohl das Danewerk seit fast 200 Jahren archäologisch erforscht wird, ist es vorher noch nie gelungen, Gebäude zu finden, die mit dem Danewerk in direktem Zusammenhang stehen. Die nun gefundenen dürften mit dem wichtigen Kreuzungspunkt von Danewerk und Ochsenweg und damit auch der legendären Toröffnung in der Anlage in Verbindung stehen. Deshalb freuen wir uns natürlich enorm über diesen Fund“.

Drohnenfoto ALSH-Danevirke (Foto: ALSH)

Archäologische Entdeckung: Mögliche Verkehrsinfrastruktur am Danewerk enthüllt

Die beiden ca. 19 und 16 Meter langen Häuser waren nach Angaben der Danewerk-Expertin mit den Giebeln zum Ochsenweg ausgerichtet und standen ca. 150 Meter vor der Toröfnung im Danewerk. Astrid Tummuscheit wird zitiert: „Deshalb vermuten wir, dass sie Teil der Verkehrsinfrastruktur von Ochsenweg und Danewerk sind. Ob es sich nun zum Beispiel um eine Art letzte Raststätte vor der Grenze oder eine Zollstelle handelt, werden wir aber womöglich nie abschließend klären. Es sind nur Pfostengruben von den Gebäuden erhalten. Es wäre schon ein enormer Glücksfall, wenn wir jetzt auch noch in den Gruben Funde machen, die solche Rückschlüsse zulassen“.

Sensationeller Fund am Danewerk enthüllt reges Grenztreiben und bedeutende Handelsroute

Der Leiter des Danevirke Museums, Lars Erik Bethge, zeigt sich ebenfalls von dem Fund begeistert. „Bei den Ausgrabungen seit dem 19. Jahrhundert sind bis auf Baugeräte bislang kaum Spuren von Menschen unmittelbar am Danewerk gefunden worden. Das nun gleich ganze zwei Häuser gefunden werden und auch noch mit direktem Bezug zum Tor, ist phantastisch.

Jetzt sehen wir endlich unsere Vermutung bestätigt, dass an diesem Ort nicht nur der Durchgang bewacht wurde, sondern ein reges Grenztreiben geherrscht haben muss. Dieser Ort war schließlich über viele Jahrhunderte der Übergang zwischen dem europäischen Kontinent und Skandinavien und zur Zeit der Häuser im Hochmittelalter auch Teil der transeuropäischen Handelsroute über die Nordsee in das sehr bedeutende Zentrum Schleswig.

Archäologische Ausgrabungen am Danewerk: Entdeckung aus dem Mittelalter ermöglicht zukünftige Baumaßnahmen und Erweiterungspläne

Bis Mitte August wird das Team des ALSH nun die Gruben aus dem Mittelalter ausheben und untersuchen. Die archäologische Untersuchung wird vom Welterbebüro des ALSH, dem Kreis Schleswig-Flensburg und der Gemeinde Dannewerk finanziert. Mit der Ausgrabung werden künftige Baumaßnahmen auf dem Gelände vorbereitet. Kreis und Gemeinde planen auf Teilflächen eine Erweiterung des öffentlichen Parkplatzes für den Archäologischen Park sowie eine Adventuregolfanlage eines privaten Betreibers.

Das Danevirke Museum bietet interessierten Menschen an, am 6. August im Rahmen der Veranstaltung „Pfeil & Bogen“ um 11.30 Uhr mit dem Museumsleiter Lars Erik Bethge einen Blick auf die Ausgrabungsflächen zu werfen.

Foto: Astrid Tummuscheit und Jan Fischer vom ALSH zeigen mittelalterliche Scherben aus der Ausgrabung. Sie datieren die Gebäude in das späte 12. oder 13. Jahrhundert. (Foto: DAMU/Tim Riediger)

Quellen / Weiterführende Informationen:

(1) Das Danewerk ist eine historische Befestigungsanlage in Schleswig-Holstein, Deutschland. Es wurde im frühen Mittelalter errichtet und diente als Verteidigungsanlage gegen Einfälle der Wikingern und anderer feindlicher Kräfte aus dem Norden. Die Anlage erstreckt sich etwa 30 Kilometer entlang der Schlei, einer Meeresbucht in der Region.

Das Danewerk besteht aus einem Wall, einer Palisade und einem Graben und war strategisch wichtig, um den Handelsweg zwischen dem europäischen Kontinent und Skandinavien zu kontrollieren. Es war ein entscheidender Punkt auf der Handelsroute, die durch die Nordsee in das bedeutende Zentrum von Schleswig führte.

Zusammen mit Haithabu, einer bedeutenden Wikingerstadt in der Nähe, wurde das Danewerk im Jahr 2018 gemeinsam von der UNESCO zum Welterbe ernannt, um seine historische und kulturelle Bedeutung anzuerkennen. Die Stätte ist heute ein archäologischer Park und ein bedeutendes touristisches Ziel, das Besucher über die Geschichte des frühen Mittelalters und der Wikingerzeit informiert.

Weitere Informationen für Interessierte und Besucher finden sich auf der Website Danevirke Museum

Wikinger Museum Haithabu © Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen / Alwin Dombetzki

(2) Haithabu ist eine historische Siedlung, die in der Wikingerzeit eine wichtige Rolle als Handelszentrum und Knotenpunkt für den Handel zwischen Skandinavien und dem Rest Europas spielte. Die Siedlung befand sich in der Nähe des heutigen Schleswig in Schleswig-Holstein, Deutschland.

Haithabu war ein bedeutender Hafen und Handelsplatz, der von Wikingern genutzt wurde, um Waren wie Felle, Schmuck, Metalle und Sklaven zu tauschen. Die Siedlung hatte eine zentrale Lage an der Schlei, einer Meeresbucht, die den Handel auf der Nordsee-Route ermöglichte.

Das Welterbe „Haithabu und das Danewerk“ umfasst sowohl die historische Siedlung Haithabu als auch das Danewerk, eine Verteidigungsanlage, die wie oben unter (1) erwähnt wurde. Beide Stätten sind miteinander verbunden und spiegeln die enge Verbindung zwischen Handel und Verteidigung in der Wikingerzeit wider.

Im Jahr 2018 wurde Haithabu zusammen mit dem Danewerk von der UNESCO zum Welterbe erklärt, um ihre Bedeutung für die Geschichte und Kultur des frühen Mittelalters und der Wikingerzeit anzuerkennen. Die Stätten sind wichtige archäologische Fundorte und werden heute als archäologische Parks erhalten und erforscht. Besucher haben die Möglichkeit, die faszinierende Geschichte der Wikingerzeit und die Bedeutung dieser Orte für den Handel und die Verteidigung zu erkunden.

Weitere Informationen über das Wikinger Museum Haithabu finden sich auf dieser Website.

Textquelle: ALSH. Beitragsfoto: Drohnenfoto ALSH-Danevirke (Foto: ALSH)

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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