„Vertell doch mal!”: Das sind die Siegerinnen und Sieger des niederdeutschen Schreibwettbewerbs 2022

„Op dat Leven!“ („Auf das Leben!“) ist in diesem Jahr das Thema des 34. plattdeutschen Schreibwettbewerbs „Vertell doch mal“ von NDR, Radio Bremen und dem Hamburger Ohnsorg-Theater. Seit zwei Jahren bestimmt die Corona-Pandemie den beruflichen und privaten Alltag. Was passt da besser, als zu sagen „Jetzt erst recht!“ und darum das Leben zu feiern?! Heute wurde die Siegerinnen und Sieger des niederdeutschen Schreibwettbewerbs 2022 bekanntgegeben – einige kommen auch aus Schleswig-Holstein!

„Schreib´etwas zum Thema ‚Op dat Leven!‘ (‚Auf das Leben‘)“! So lautete zu Beginn des Jahres der Aufruf zum 34. niederdeutschen „Vertell doch mal!“-Wettbewerb von NDR, Radio Bremen und Ohnsorg-Theater. Rund 1300 plattdeutsche Erzählungen wurden eingesandt. Jetzt hat eine Jury die fünf besten Geschichten ausgesucht, die bei einer Matinée im Hamburger Ohnsorg-Theater bekannt gegeben wurden.

Mit dabei waren zwei Mitglieder der Band Santiano, die in diesem Jahr Botschafter des Wettbewerbs war: Hans-Timm „Timsen“ Hinrichsen trat mit seinem Song „Mien Land“ auf, und Axel Stosberg trug eine der Siegergeschichten vor. Moderiert wurde die Gala von NDR Plattdeutsch Redakteurin Ilka Brüggemann. Die 26 besten Geschichten von 2022 erscheinen in dem diesjährigen „Vertell doch mal!“-Buch.

Das sind die fünf Siegerinnen und Sieger:

Erster Preis für Wolfgang Krischke aus Hamburg für „Doden Winkel” (Thema: Der Tod kommt zu Besuch).

Wolfgang Krischke ist zum ersten Mal mit einer Geschichte im „Vertell doch mal!“-Buch vertreten. Der 63-jährige Journalist aus Hamburg ist beruflich breit aufgestellt. Seinen Schwerpunkt sieht der Wissenschaftskommunikator aber in der Beratung von Universitäten zum Thema Öffentlichkeitsarbeit. Literarisch hat sich der Linguist nun auch auf Plattdeutsch betätigt. Als Ausgleich zur Schreibtischtätigkeit liebt er es, Fahrrad zu fahren, zu wandern und zu tanzen.

Gelesen wurde die Geschichte auf der Matinée von Ohnsorg-Schauspieler Robert Eder.

Zweiter Preis für Heiko Thomsen aus Hamburg für „Wi mööt hier rut!” (Thema: Quarantäne aus der Sicht eines Coronavirus).

Heiko Thomsen ist zum zweiten Mal im Buch. Der 55-jährige Lehrer aus Hamburg schreibt auf Hoch- und Plattdeutsch. Dabei entstehen sowohl literarische Texte als auch Aufsätze, die er in verschiedenen Jahrbüchern und Anthologien veröffentlicht. Zusammen mit dem Autor Ulrich Klappstein hat er einen Sammelband über den Schriftsteller Arno Schmidt herausgegeben. Daneben ist er Redakteur der Zeitschrift „Quickborn”. Seit 2021 ist der leidenschaftliche Fahrradfahrer auch Vorstandsmitglied der „Klaus-Groth- Gesellschaft” in Heide.

Gelesen wurde die Geschichte von Santiano-Sänger Axel Stosberg.

Dritter Preis für Holger Wittschen aus Weyhe in Niedersachsen für „Levenswunner” (Thema: Der Junge Theo muss alle zwei Tage zur Dialyse. An seinem Geburtstag ist eine Spenderniere für ihn gefunden worden).

Von Beruf ist der 57-jährige Heiko Wittschen aus Weyhe bei Bremen Leitender Examinierter Krankenpfleger. In seiner Freizeit verfasst der Vater von zwei erwachsenen Kindern Kurzgeschichten und Songtexte. Seit 2012 ist er Mitglied beim Bremer Krimi-Stammtisch. Verschiedene seiner hochdeutschen Geschichten sind in unterschiedlichen Verlagen veröffentlicht worden. Und mit einem plattdeutschen Text hatte er 2019 mit seinem mittlerweile verstorbenen Vater Herbert den zweiten Preis bei „Vertell doch mal” gewonnen. Beim Plattdeutsch seiner diesjährigen Geschichte haben ihm seine Mutter und seine Schwiegermutter unter die Arme gegriffen. Er macht gern Musik und versucht sich seit einiger Zeit auch beim Gärtnern. Heiko Wittschen ist zum insgesamt vierten Mal mit einer Geschichte im Buch dabei.

Gelesen wurde die Geschichte von Ohnsorg-Schauspieler Marco Reimers.

Vierter Preis für Martha-Luise Lessing aus Trappenkamp in Schleswig-Holstein für „1962″ (Thema: die Sturmflut in Hamburg).

Zum dritten Mal ist Martha-Luise Lessing im „Vertell doch mal“-Buch. Physikerin, freiberufliche EDV-Fachkraft, Lehrerin in der Erwachsenenbildung, Verlegerin und Dichterin – die 58-Jährige übt diese Berufe alle parallel aus. Beim Beruf „Dichterin” ist sie auch sehr erfolgreich: zwei Freudenthal-Preise, ein gewonnener „Vertell doch mal”-Wettbewerb 2010 und der „Klaus-Groth-Preis“ 2019. Ihre plattdeutschen Texte erscheinen meist in ihrem eigenen „Marless-Verlag”, vieles findet man auch auf den Internetseiten „numanto.de”, „vertelln.de” und „plattpartu.de” – alles Portale, die sie selbst betreibt. Freizeit ist bei ihr von Arbeit nicht zu unterscheiden, da sie quasi immer in einem ihrer Berufe zu tun hat.

Gelesen wurde diese Geschichte von Ohnsorg-Schauspieler Markus Gillich.

Fünfter Preis für Regine Wroblewski aus Oldenburg in Holstein für „De annere Siet” (Thema: die Geburt aus der Sicht des Geborenen).

Die zahnmedizinische Fachangestellte Regine Wroblewski lebt im schleswig-holsteinischen Oldenburg. Seit 2014 hat es die Mutter von fünf Kindern zum dritten Mal ins „Vertell doch mal“-Buch geschafft. Die 55-Jährige ehrenamtliche Spielleiterin und Regisseurin einer niederdeutschen Amateurbühne hat neben Sketchen und Kurzspielen auch sechs abendfüllende Mehrakter verfasst. 2019 erschien ihr hochdeutscher Roman „Der tröstende Duft von Rosinenschnecken“. Für weitere Hobbys ist seit Eröffnung eines Lesecafés allerdings wenig Zeit.

Die Geschichte wurde gelesen von Ohnsorg-Schauspielerin Rabea Lübbe.

Der „Ünner-18-Pries“schließlich ging an Ronja Sievertsen aus Viöl (Kreis Nordfriesland) für „Dat Leven fangt erst richtig an“. In ihrer Geschichte beschreibt die Schülerin anschaulich und stellvertretend für viel Jugendliche aus ihrer Generation, welche Auswirkungen Corona auf ihr Leben hatte. Die Nordfriesin spielt nicht nur bei der mehrfach ausgezeichneten plattdeutschen Theatergruppe „Junge Lüüd ut Löwenstedt“ mit, sondern engagiert sich darüber hinaus bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Insgesamt wurden Preise im Wert von mehr als 5000 Euro vergeben.

Das Buch „Vertell doch mal! – Op dat Leven!“ erscheint in der Husum Druck- und Verlagsgesellschaft (es kann selbstverständlich auch bei Amazon bestellt werden).

Alle eingereichten Geschichten, bisher sind es insgesamt rund 50.000, werden in der Landesbibliothek Schleswig-Holstein archiviert.

„Vertell doch mal!“ wird unterstützt von der PNE AG.

Der komplette Mitschnitt der Gala steht auf ndr.de/platt. Die Geschichten und Ausschnitte aus der Veranstaltung werden außerdem in verschiedenen Programmen zu hören sein:

Schleswig-Holstein
Fernsehen: Schleswig-Holstein Magazin, 19. Juni, ab 19.30 Uhr
Radio: NDR 1 Welle Nord, 20. und 27. Juni, 20.00 – 21.00 Uhr

Hamburg
Fernsehen: Hamburg Journal, 19. Juni, ab 19.30 Uhr
Radio: NDR 90,3, 20. Juni, „Kulturjournal“ ab 19 Uhr, 26. Juni „Wi snackt Platt“ ab 8.30 Uhr und „Wi snackt Platt“–Podcast

Niedersachsen
Radio: NDR 1 Niedersachsen, 20. Juni, 19.00 – 20.00 Uhr, und NDR Schlager, 1. Juli, 19.00 – 20.00 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern
Radio: Sendung „Plattdüütsch an Sünndag“, 26. Juni, 6.00 – 9.00 Uhr, und „Kulturjournal“, 20. Juni, 19.00 – 20.00 Uhr

NDR Fernsehen: „De Noorden op Platt“, 26. Juni, 11.30 – 12.00 Uhr, danach in der Mediathek

Radio Bremen
Radio: Bremen Zwei, 7. August, 18 Uhr – 19 Uhr, danach im 14-tägigen Rhythmus im Verbund mit dem Niederdeutschen Hörspiel

Foto: Symbol

Autor: Willi Schewski

Fotograf. Blogger. Autor. Fotojournalist

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